Kultur

Mittwoch, 05. Juni 2019

Kleine Kulturgeschichte der Gewürze

Exotische Gaumenschmeichler für die Grillsaison und Freunde des raffinierten Geschmacks

Süß, scharf oder pikant – Exotische Gewürze bieten eine faszimnierende Aromen-Vielfalt. Foto: Pixabay

Kaum klettern die Temperaturen nach oben, wird gebrutzelt, was das Zeug hält. Würstchen, Spieße, Steaks oder Gemüse – damit sie den richtigen Pfiff bekommen, greifen die Teilzeit-Gourmets gern auf exotische Gewürze zurück.  Dass diese schnell zur Hand sind, war nicht immer selbstverständlich. Wegen der klimatischen Bedingungen konnten die Europäer die tropenliebenden Gewürze nur selten selbst anbauen.

Die Geschichte der kulinarischen Feinheiten beginnt für Europa nicht
erst im Mittelalter, als Gewürze auf sehr risikoreichen Handelsrouten aus dem Fernen Osten oder Westindien über Seerouten kamen.

Tatsächlich startet die Würz-Historie in Europa bereits in prähistorischer Zeit. Funde belegen, dass die Menschen schon in der Jungsteinzeit mit regionalen Gewürzen wie wildem Kümmel ihr Essen abschmeckten. Auch die Kelten würzten bereits. Die ersten ausländischen Gewürze kamen mit den Römern. Sie brachten neben ihrer Architektur eine Vielzahl von Würzmitteln und Rezepten aus  eroberten Provinzen mit.

In China und in Ägypten waren die aromatischen und medizinischen Wirkungen der Gewürze lange vorher bekannt. In Ägypten nutzten Menschen sie bei der Einbalsamierung und Mumifizierung ihrer Pharaonen. Über viele Jahrhunderte hinweg war der Handel mit den wertvollen Gütern fest in arabischer Hand. Gewürze aus Asien waren ein exotisches Luxusgut – im mittelalterlichen Deutschland waren horrende Preise gang und gäbe. Die Mischungen waren Zeichen des Wohlstandes. Wer es sich leisten konnte, konsumierte Gewürze in rauen Mengen. Nicht zuletzt, weil ungenießbare, teils auch schon verdorbene Speisen sich durch würzige Aromen schmackhaft machen ließen.

Erst in der frühen Neuzeit drangen die Europäer mit aller Macht auf den Gewürzmarkt. Sie führten Kriege um die exotischen Handelsgüter, zu denen sie nur bedingt Zugang hatten. Auch abseits der Krieg e haben Gewürze eine bewegte Geschichte: Sie lösten Entdeckungsreisen aus. Christoph Kolumbus suchte 1492 eigentlich nach den sagenumwobenen Gewürzinseln – und entdeckte stattdessen Amerika.

Erst Vasco da Gama fand im Jahre 1498 den begehrten Seeweg nach Indien und kehrte von seiner Expedition reich beladen mit Gewürzen zurück. Der Seeweg sicherte den Portugiesen für das kommende Jahrhundert den nahezu uneingeschränkten Zugang zum lukrativen Gewürzhandel.

Exotische Gewürze wie Pfeffer, Gewürznelke, Muskatnuss, Zimt, Vanille stammen ursprünglich meist aus den tropischen Gebieten Asiens und Amerikas. In der Hochzeit des portugiesischen Gewürzhandels führte die Sammelroute deshalb von Lissabon, um das Kap der Guten Hoffnung nach Ostafrika und über das Arabische Meer bis hin an die Malabarküste im Westen Indiens.Von dort aus ging es weiter um Indien und das heutige Sri Lanka herum, über den Golf von Bengalen bis hin zu den legendären indonesischen Gewürzinseln, den Molukken. Erst später machten ihnen die Spanier, Holländer und Engländer ernsthafte Konkurrenz.

Heute sind die meisten Gewürze für Bürger der Industrienationen zugänglich. Safran gilt als das teuerste Gewürz der Welt. Ein Kilo echter Safranfäden ohne Zusatzstoffe kostet gut und gerne 5 000 Euro. „Heute brauchen aber gerade die Deutschen mehr Mut zum Würzen“, betont die Leiterin und Inhaberin von „Spicy‘s Gewürzmuseum“, Viola Vierk. Auch weil jedes der rund 50 verschiedenen Gewürze in Maßen eine positive Wirkung auf die Gesundheit habe.

(Christian M. Hammer, kna)

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05. Juni 2019

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