Kultur

Mittwoch, 13. Mai 2015

Kunstwerke zum Anfassen

Bronze-Künstlerehepaar Rumpf stellt im Herz-Jesu-Kloster Neustadt aus

Gernot Rumpf vor seinem Werk „Fliegende Mitra“ im Garten des Neustadter Herz-Jesu-Klosters. Foto: Köpf

Die Exponate stecken für den Betrachter voller Überraschung: „Anfassen ist ausdrücklich erlaubt“, fordert Bildhauer-Professor Gernot Rumpf auf. Gemeinsam mit seiner Frau Barbara Rumpf eröffnete er im Herz-Jesu-Kloster in Neustadt eine Ausstellung, die einen Überblick über das Schaffen der beiden international anerkannten Künstler gibt.

Ein Jahr Vorbereitung, eine Woche Aufbau, so ließe es sich nüchtern ausdrücken. Gleichzeitig soll es ein Zurechtrücken der Positionen von beiden sein. „Alle schauen meistens eher auf meine Arbeit, dabei sind die Werke meiner Frau genauso großartig“, findet es Gernot Rumpf etwas verlegen. Seit 1981 sind die beiden verheiratet. „Von der Idee bis zur Umsetzung machen wir vieles im Atelier in Lachen-Speyerdorf gemeinsam“, erklärt Barbara Rumpf. Dennoch haben beide ihre klare Formensprachen. Auch wenn diese sich im Verlauf der vergangenen 15 Jahre verändert haben.

Gernot Rumpf arbeitet seit 50 Jahren mit Bronzeguss. Angefangen hat sein Schaffen 1964 mit einem Bildhauerstudium in München. Sein Vater, der pfälzische Bildhauer Otto Rumpf, arbeitete noch traditionell in Stein. „Die Exponate werden in Bronze genauer“, erklärt Gernot Rumpf. Fabelwesen haben es den beiden angetan.

Beinahe zärtlich und um das eben gesagte zu unterstreichen, zeichnet er mit der Hand die Konturen der mannshohen „Fliegenden Mitra“ nach. Die Figur steht auf zwei Stelzen. Man kann darunter schlüpfen. Auf der Seite sind wie Räder die Kolonnaden in Rom stilisiert. Die Geschichte gibt der Kirche symbolisch Halt. „Für manche ist sie Schirm, für andere Helm“, fasst Gernot Rumpf die Gedanken zusammen. An der Spitze des Exponats thront stilisiert die doppelschalige Kuppel der Basilika St. Peter, im Original übrigens das größte freitragende Ziegelbauwerk der Welt. „Wer sich darauf einlässt, darf sich geborgen fühlen“, ist sich der 74-jährige Künstler sicher.

In Gesprächen mit seiner Frau Barbara (geboren 1960) sei der Glaube immer wieder grundsätzliches Thema: „Er gibt uns beiden Kraft.“ Gernot Rumpf ist Protestant, seine Frau katholisch. „Das Herz-Jesu-Kloster mit seiner Spiritualität ist mir schon seit meiner Kindheit wichtig“, lässt der Professor durchblicken. „Schon im Jahr 1981 haben wir den Altarraum der Klosterkirche mit vielen Details gestaltet“, ergänzt seine Ehefrau. Da schlängelt sich beispielsweise eine bronzene Eidechse am Fuß des Altars, eine Taube sitzt auf einem Zweig. Selbst an die „arme Kirchenmaus“ ist gedacht.

Im Garten des Herz-Jesu-Klosters liegt derzeit faul am schattigen Plätzchen in Wassernähe eine der sieben Todsünden: „Die Trägheit.“ Die beiden Künstler scherzen, wen sie da lebensgroß gestaltet haben: „Für meinen Mann ist es ein Seelöwe, für mich ein Seehund“, sagt Barbara Rumpf. Unterdessen bleibt eine Besucherin der Ausstellung, die Büroangestellte Quynh-Tram Trinh-Do, am Nachguss einer lebensgroßen Löwin stehen. Vorsichtig streichelt sie mit der Hand über das imaginäre Fell: „Das ist so glatt, fantastisch“, entfährt es ihr. Für einen kurzen Moment darf sie sich unter den Augen der Künstler sogar auf die Löwin setzen. Gernot Rumpf freut es: „Genau das wollen wir erreichen. Wir wollen den Menschen die Furcht nehmen.“

Das Original, der Löwenbrunnen befindet sich in Jerusalem, in einer Parkanlage beim King David Hotel. In der Mitte des dortigen Brunnens steht ein fünf Meter hoher bronzener Lebensbaum mit Wasserfontänen. Das Ensemble war im Jahr 1981 ein Geschenk der deutschen Regierung an die Stadt Jerusalem. Eine weitere Auftragsarbeit ist die im Original gezeigte plastische Darstellung der Schwarzen Madonna von Tschenstochau, ein Geschenk des Landes Rheinland-Pfalz an Papst Johannes Paul II. bei dessen Besuch am 4. Mai 1987 in Speyer.

In die Kunst des Ehepaares, das zusammen vier Kinder hat, bringt Barbara Rumpf häufig die weibliche Sichtweise mit ein; sichtbar etwa bei der Figur der Judith.  „Sie hatte eine schöne Gestalt und ein blühendes Aussehen“, heißt es im Alten Testament (Judith 8,7) Barbara Rumpf zeigt die Gegensätze des Schaffens auf: „Männer würden sie eher als blutrünstig bei der Enthauptung des Holofernes zeigen. Mir war es darum gegangen, ihren Mut, die Entschlossenheit auszudrücken.“

Unter den etwa 30 Exponaten in der Ausstellung sind natürlich auch die Elwetritsche zu finden. Gernot Rumpf gab diesem hühnerähnlichen pfälzischen Fabelwesen ein Gesicht. Er hatte freie Hand, nur ein Brunnen war im Jahr 1978 in Auftrag gegeben. Er sagt: „Aus dem furchteinflößenden des Drachen ist heute ein putziges Tierchen geworden.“ (skö)

Die Ausstellung ist noch bis zum 15. Juni im Herz-Jesu-Kloster Neustadt/Weinstraße, Waldstraße 145, zu sehen. Geöffnet täglich von 10 bis 12 Uhr und von 15 bis 17 Uhr. Um Spenden für das Kloster wird gebeten.Am Sonntag, 7. Juni, 18 Uhr, halten Gernot und Barbara Rumpf im Herz-Jesu-Kloster einen Vortrag mit dem Thema „Ölbaum und Paradiesesbaum, Drache und Einhornvogel“. (red)

Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag an:  Redaktion

Anzeige

18. September 2019

„Karl, mei Drobbe!“

Vor 70 Jahren startete die Familie Hesselbach als Hörspielserie und schrieb Mediengeschichte


11. September 2019

Plädoyer für die Königin der Instrumente

Orgelsachverständiger Christoph Keggenhoff: Orgel ist nicht langweilig oder altmodisch


04. September 2019

Von Teufelspakt bis Höllensturz

Ein Blick auf Bücher zum Zweiten Weltkrieg


Anzeige

Abo der Pilger

Bestellen Sie bequem online Ihre persönliche Ausgabe der Kirchenzeitung.

Anmeldung im Benutzerbereich

Passwort vergessen?
neu registrieren