Kultur

Mittwoch, 17. Juni 2020

Nicht singen dürfen tut weh

Kirchenmusik und Chorarbeit im Bistum Speyer in Zeiten von Corona

Singen auf engem Raum, hier die Empore der Landauer Marienkirche, wird auf längere Zeit nicht möglich sein. (Foto: Horst Heib)

Die musikalische Mitwirkung im Gottesdienst ist auch nach der neuesten Öffnung eingeschränkt. Eine Gruppe von bis zu acht Sängerinnen und Sängern oder Instrumentalisten darf musikalisch mitwirken, wobei auf einen Abstand von drei Metern untereinander zu achten ist. Der Einsatz eines Chors oder der Gemeindegesang ist nach wie vor untersagt. Musikproben sollen im Außenbereich stattfinden, nur ausnahmsweise und unter großen Auflagen in Räumen.
„Es tut sehr weh, dass nicht mehr gesungen werden darf, denn Glaube wird nicht zuletzt durch Choräle emotional transportiert“, betont Georg Treuheit, Dekanatskantor in Ludwigshafen und Speyer. Neuerdings sei es zumindest wieder möglich, die Gottesdienste mit Schola, Kantor und Orgel auf der Empore oder mit großen Abständen im Altarraum zu gestalten. Zuvor musste man sich mit Livestream-Gottesdiensten begnügen. „Das behalten wir auch bei, besonders um Risikogruppen nicht auszuschließen, die nicht zur Kirche kommen können.“ Besonders schmerzlich war der Shutdown aller Chorproben ab Mitte März. „Wir behalfen uns in St. Jakobus Schifferstadt mit virtuellen Chorproben. Ich sang alle Stimmlagen ein, spielte dann dazu die Orgel“, so Treuheit. Jetzt seien Präsenzproben wieder erlaubt, die Platzvorgaben aber nicht leicht umsetzbar. „Große Räume und kleine Besetzung, 30 Minuten üben, dann 15 Minuten lüften. Die hygienischen Vorgaben erfordern einen enormen organisatorischen Aufwand“, verweist Treuheit. Vor den Sommerferien plant er für seinen Chor zumindest ein gemütliches Treffen, um die Kontakte zu pflegen.
Während der Corona-Zeit versorgte Maximilian Rajczyk, Dekanatskantor in Kaiserslautern, seine Chormitglieder an St. Marien mit Übungs-CDs. „Singen lebt jedoch von der Gemeinschaft, in großer Gruppe können wir aber nicht zusammenkommen. Nun dürfen wir zumindest mit bis zu acht Leuten die Gottesdienste musikalisch gestalten, und zum Glück bietet die Marienkirche vorne genug Platz.“ Die Akteure wechseln sich ab, um möglichst vielen der 42 Erwachsenen die Chance zu geben, einmal in der Schola mitzuwirken. „Wir wählen meist unbekanntere Lieder aus dem Gotteslob aus, dann ist Gefahr des Mitsingens durch die Gemeinde geringer“, verrät Rajczyk. „Der erste Live-Auftritt, das Zusammensingen mit anderen, war für mich sehr berührend. Von den Sängern kommt auch die Rückmeldung, wie sehr sie das alles vermisst haben.“ Für Ende Juni plant er die Wiederaufnahme der Chorproben in kleinen Gruppen.
Nach den Ferien startet die Chorgemeinschaft „Chorklang Cäcilia“ in St. Ingbert (St. Hildegard und St. Josef). „Wir erarbeiten ein Konzept für versetzte Proben. Gleiches gilt auch für Auftritte, einige der 55 Mitglieder zählen zur Risikogruppe, die anderen könnten so etwa alle drei Wochen zum Zug kommen und stellvertretend für die Gemeinde singen“, erklärt Christian von Blohn, Chorleiter und Bezirkskantor im Dekanat Saarpfalz. Proben im Freien wertet er aus akustischen Gründen als problematisch, auch für das Verteilen der Noten muss eine hygienisch-verträgliche Lösung gefunden werden. „Onlineproben gab es nicht, in einem klassischen Kirchenchor fehlt bei vielen die technische Ausstattung“, so Blohn. „Wichtig ist es aber, Kontakt zu halten, der Vorstand und ich fühlen uns für unsere Sängerinnen und Sänger verantwortlich. Ich habe beispielsweise zu Ostern alle persönlich angerufen.“
Wie sehr die regelmäßige Chorprobe fehlt, bringt Klaus Ehmer, Tenorsänger in St. Remigius Neustadt-Diedesfeld auf den Punkt: „Es fehlt die Konstante im wöchentlichen Terminkalender. Ebenso vermisse ich die sozialen Kontakte, man tauscht sich in den Proben ja auch über Privates aus, vereinbart Termine.“ Er nutzt die vielseitigen virtuellen Angebote der Chorleiterin zum Mitsingen. „Trotzdem fehlt der Anlass, der Impuls. Man hat derzeit kein Ziel, woraufhin man übt. Sehr vermisst habe ich die liturgischen und musikalischen Highlights im Kirchenjahr, Karwoche und Ostern, Erstkommunion, Pfingsten und Fronleichnam, für die die Programme ja bereits standen.“
 Als Organist spielt Klaus Ehmer jeden Sonntag zwei Gottesdienste im Neustadter Krankenhaus. „Das war von heute auf morgen gestrichen, die Klinik für Besucher gesperrt. Seit einigen Wochen bin ich glücklicherweise in der Pfarrei Heilig Geist wieder an der Orgel“, merkt er erleichtert an. Lichtblick für die Neustadter Erstkommunionkinder: Die Feier wird Ende August im Park des Klosters Neustadt nachgeholt. Vermutlich aber auch ohne Chorbeteiligung.

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