Kultur

Mittwoch, 04. September 2019

Von Teufelspakt bis Höllensturz

Ein Blick auf Bücher zum Zweiten Weltkrieg

Viele Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt befassen sich mit einem dunklen Kapitel deutscher Geschichte – dem Zweiten Weltkrieg. Foto: Pixabay

Vor 80 Jahren brach der Zweite Weltkrieg aus, vor bald 75 Jahren endete er. Zahlreiche Neuerscheinungen beschäftigen sich mit dem Thema. Aber auch die Lektüre mancher Klassiker lohnt sich für historisch Interessierte.
Als heiß und trocken geht der Sommer 1939 in die Annalen ein. Doch während sich am Horizont kaum eine Wolke zeigt, braut sich über Europa großes Unheil zusammen. Der Streit zwischen Deutschland und Polen um die Freie Stadt Danzig spitzt sich zu. Adolf Hitler gießt immer mehr Öl ins Feuer. Mit dem Überfall auf Polen, am 1. September 1939, beginnt der Zweite Weltkrieg – knapp sechs Jahre später sind Millionen Menschen tot, hat sich das Antlitz Europas verändert.
Zahlreiche Bücher sind in den vergangenen Monaten zu dem Thema erschienen, weitere kommen dazu. In vielen Fällen lohnt die Lektüre – schon allein, um sich noch einmal vor Augen zu halten, was das Wort „Krieg“ bedeutet. Und was es heißt, dass in vielen Teilen Europas seit mehr als sieben Jahrzehnten Frieden und Demokratie herrschen.
In seinem Buch „Funkenflug“ fängt Publizist Hauke Friederichs die Atmosphäre jenes Sommers ein, „bevor der Krieg begann“. Die Erzählweise orientiert sich an der Collage-Technik, die Florian Illies mit „1913. Der Sommer des Jahrhunderts“ populär machte. Während Diplomaten fieberhaft versuchen, die „Danzig-Frage“ zu lösen, tourt ein Harvard-Student namens John F. Kennedy durch Europa, um Material für seine Abschlussarbeit zu sammeln.
Die in Frankfurt/Oder lehrende Historikerin Claudia Weber beschäftigt
sich in „Der Pakt“ mit dem in der Nacht vom 23. auf den 24. August abgeschlossenen deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrag. Der Vertrag gab Hitler freie Hand für den Angriff auf Polen. Und bereitete den Boden für eine „mörderische Allianz“, bei der die Schergen von Josef Stalin und Hitler etwa bei der Verfolgung von Juden und der Auslöschung der polnischen Elite einvernehmlich zusammenarbeiteten – bis die Wehrmacht im Sommer 1941 in die Sowjetunion einmarschierte.
Da war aus dem „Funkenflug“ im August 1939 längst ein Weltenbrand geworden. Vor allem britische Historiker haben die militärischen Auseinandersetzungen bis 1945 zum Teil akribisch nachgezeichnet. Eine exzellente Einordnung des Zweiten Weltkriegs in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts bietet Ian Kershaws „Höllensturz“. Sein Landsmann und Kollege Andrew Roberts legte bereits 2009 mit „Feuersturm. Eine Geschichte des Zweiten Weltkriegs“ einen Überblick über das Geschehen
auf den Schlachtfeldern vor, das jetzt in deutscher Übersetzung erhältlich ist. Roberts veranschaulicht, dass die endgültige Wende im Krieg bereits 1943 an der Ostfront in den Panzerschlachten am Kursker Bogen eintrat, also vor dem D-Day in der Normandie und den darauf folgenden Vorstößen der Alliierten in Westeuropa. Die wiederum sind ein
Spezialgebiet von Antony Beevor. Für den 2. September ist die deutsche Version von „Arnheim. Der Kampf um die Brücken am Rhein 1944“ angekündigt. Im Zentrum steht das größte Luftlandeunternehmen der Alliierten während des gesamten Krieges.
Mit Ralf Georg Reuth hat auch ein deutscher Historiker eine „Kurze Geschichte des Zweiten Weltkriegs“ vorgelegt – die zugleich etwas nüchterner daher kommt, als die Bücher der britischen Vertreter der Zunft. Hierzulande nimmt klassischerweise die Erforschung der inneren Strukturen des NS-Regimes und des millionenfachen Mordes an den europäischen Juden einen breiten Raum ein.
Peter Longerichs 2016 veröffentlichtes Buch „Wannseekonferenz. Der Weg zur Endlösung“ setzt in Klarheit und Verdichtung Maßstäbe.
Die von Daniel Siemens unlängst publizierte Studie „Sturmabteilung. Die Geschichte der SA“ widmet sich einer Organisation, die anders als die
SS nach 1939 weniger im Fokus stand – aber gleichwohl an Massenverbrechen hinter der Front mitwirkte.
Dass mit dem 8. Mai 1945 Deutschland und Europa noch lange nicht zur Ruhe kamen, zeigte bereits Keith Lowe 2015 mit seinem Bestseller „Der wilde Kontinent“. Harald Jähner tat es ihm jetzt mit „Wolfszeit“ gleich und erhielt dafür in diesem Jahr den Preis der Leipziger Buchmesse. Ian Kershaw schließlich setzt mit „Achterbahnfahrt. Europa 1950 bis heute“ seine gefeierte Darstellung über die Geschicke des Kontinents in der Moderne fort.            kna

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