Kultur

Mittwoch, 06. März 2019

Zeit nehmen für Planung eines sinnvollen Lebens

Maria von Welser über Chancen und Herausforderungen im „dritten Leben“ – Vortrag im Pesch Haus

Maria von Welser ist am 11. März zu Gast im Heinrich Pesch Haus. Foto: Koelbl/Archiv

„Es gibt kaum einen größeren Einschnitt im Leben eines Menschen.“ So überschreibt Maria von Welser die Einleitung zu ihrem Buch „Heiter weiter! Vom glücklichen dritten Leben“. Darin geht es um den Eintritt in den sogenannten Ruhestand. Am Montag, 11. März, ist die Publizistin und Fernsehjournalistin im Heinrich Pesch Haus (HPH) in Ludwigshafen zu Gast. Ihr Vortrag, der den gleichen Titel wie ihr Buch trägt und an den sich eine Diskussion anschließt, beginnt um 18 Uhr. Ab 19.30 Uhr sind die Zuhörer zu einem Umtrunk eingeladen.
Im Vorfeld der Veranstaltung hat Ulrike Gentner, stellvertretende Direktorin im Heinrich Pesch Haus, mit Maria von Welser gesprochen.


Frau von Welser, worum geht es  vor und mit dem Einritt in den Ruhestand?
Ich spreche in dieser Phase lieber vom „dritten Leben“. Das erste Leben ist für mich die Kindheit, dann kommt das Erwachsenendasein mit allen unwägbaren Gegebenheiten in Bezug auf Familie, Kinder, Beruf usw. Und dann schicken die Arbeitgeber oder der Staat die meisten mit spätestens 65 Jahren in einen so genannten Ruhestand – ein schreckliches Wort! Denn wir haben dann mindestens noch 20 Jahre vor uns. Ich nenne diese Zeit lieber ein drittes Leben – so wie die Spanier das „la tercera edad“ oder die Franzosen „la troisième age“ nennen.

Welche Aspekte sollten wir in dieser Phase beachten? In Ihrem Buch nennen Sie einige Veränderungen, die anstehen.
Zunächst müssen wir uns klar werden, dass wir noch ein volles drittes Leben vor uns haben. Noch nie ist eine Generation in Deutschland so gesund und friedlich alt geworden wie die jetzige – und dabei meistens wirtschaftlich relativ gut abgesichert. Vor diesem Hintergrund muss man sich überlegen: Was will ich? Was gibt es, das ich mit mir und meinem Leben anfangen kann? Worin sehe ich meinen Sinn? Für diese Fragestellungen muss man sich Zeit nehmen. Das passiert nicht von heute auf morgen. Ich hatte mich eineinhalb Jahre vor meinem dritten Leben auf diesen Lebensabschnitt. vorbereitet.

Das heißt, wir sollten uns die Frage stellen: Wofür lebe ich, wie und mit wem?
Genau. Und jeder Mensch hat eine andere Vorstellung davon, was Sinn gibt. Aber jeder Mensch möchte ein sinnvolles Leben führen. Davon bin ich überzeugt.

Zwischen der Vorstellung „So gestalte ich mein drittes Leben und der Realität“: Wie haben Sie das persönlich erlebt?
Vor lauter Angst, dass ich in ein Loch fallen könnte, habe ich mir im ersten Jahr zu viel aufgehalst. Ich musste das dann reduzieren, bis ich die richtige Balance gefunden habe. Ich war 43 Jahre berufstätig gewesen, immer in großen Zeitungshäusern und Sendern: neun Jahre Bayrischer  Rundfunk, 16 Jahre ZDF, sieben Jahre ARD usw. Da kam natürlich die Frage auf: Was machst du nun mit dir? Davor hatte ich einen riesen Bammel.

Gibt es aus Ihrer Sicht Unterschiede zwischen Männern und Frauen beim Beginn des dritten Lebens?

Ich stelle fest, dass sich Männer eher nicht darauf vorbereiten und diesen Tag weniger akzeptieren. Männer glauben tendenziell: Ich höre mit der einen Sache auf, also kommt mit dem Neuen das große neue Tun. Aber um Aufgaben muss man sich kümmern, man muss vernetzt und bereits in der aktiven Zeit aktiv sein – das tun Männer weniger als Frauen.

Welchen größten Benefit erleben Sie im dritten Alter?
Natürlich freue ich mich über viele interessante Aufgaben. Für mich hat sich herauskristallisiert: Meine Themen sind Frauen, Kinder und Unrecht. Das hat mich früh gefunden. Man sollte nicht das beiseite legen, womit man sich identifiziert.
Ich halte es mit der Philosophin Hannah Arendt, die ein gutes Buch geschrieben hat, das ich als junge Frau gelesen hatte: „Vita activa. Vom tätigen Leben.“ Wenn es einem gelingt, bis zum letzten Atemzug ein tätiges Leben zu führen, dann ist das großartig.

Worauf dürfen sich die Zuhörenden beim Vortrag „Heiter weiter!“ neben alltagstauglichen, praktischen Tipps freuen?

Auf Geschichten mit Bildern aus meinem dritten aktiven Leben. Ich engagiere mich nach wie vor für Themen, die sich damit beschäftigen, wo Frauen nichts wert sind. Das liegt mir nach wie vor am Herzen.

Die Veranstaltung „Heiter weiter – vom glücklichen dritten Leben“ findet in Kooperation des Heinrich Pesch Hauses mit den Gleichstellungsstellen der Stadt Ludwigshafen und des Rhein-Pfalz-Kreises statt. Der Eintritt ist frei. Aus organisatorischen Gründen wird um eine Anmeldung gebeten unter

Telefon  0621/5999-162 oder per E-Mail an anmeldung@hph.kirche.or

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