Kultur

Donnerstag, 16. Mai 2013

Zu Besuch in St. Peter

Die 850-jährige Bubenheimer Kirche ist eine der ältesten Dorfkirchen der Pfalz

Die 850-jährige Bubenheimer Kirche ist eine der ältesten Dorfkirchen der Pfalz. Foto: hm

Am 26. Mai feiert die kleine Filialgemeinde St. Peter in Bubenheim ein Jubiläum, wie es eine Kirchengemeinde nur selten begehen kann: 850 Jahre wird das Gotteshaus des Dorfes alt. Sehr viel hat sich in den vergangenen achteinhalb Jahrhunderten an der kleinen Kirche nicht verändert. Das wird im ganzen Dorf groß gefeiert am letzten Sonntag im Mai. Mit Musikkapelle, Prozession, Pontifikalamt und einem gemeinsamen Mittagsmahl.

Endlich Frühling: ein idealer Tag für die Fahrt vom Rhein an den Donnersberg, um eine der ältesten Kirchen aufzusuchen, die es im Bistum Speyer gibt. Der erste Blick auf das Dörfchen Bubenheim zeigt eine unscheinbare kleine Kirche, Bäume, Häuser. Viel ist nicht zu erkennen, denn St. Peter – so heißt das Kirchlein – liegt hinter einer hohen Bruchsteinmauer, über die das Efeu klettert. „Es ist einfach hier bei uns“, sagt Pfarrer Xavier Albizuri. Er lacht. Dann: „Aber es ist einmalig.“ Der aus Spanien stammende Priester zieht einen großen, klirrenden Schlüsselbund hervor, dann sperrt er das breite Holztor auf, hinter dem sich der Kirchhof mit alten Grabsteinen befindet – und St. Peter. Ein wuchtiges Sandsteinportal. Eine Giebelwand, die einfache Lisenen schmücken. Die zierliche Apsis der Kirche... „Das hier ist wirklich ein einmaliges Gotteshaus“, unterstreicht Professor Dr. Hans Ammerich. Der Historiker leitet das Speyerer Diözesanarchiv. Wenn irgendwo ein besonderes Kirchenjubiläum ansteht, ist Ammerich in der Regel „eingeweiht“ und trägt mit historischen Akten zu Erforschung der Umstände bei. In Bubenheim hat er vor Wochen einen Vortrag über die 850-jährige Dorfkirche gehalten. Hans Ammerich kennt das Gotteshaus schon seit den 1980er-Jahren. „Ich bin jedes Mal fasziniert, wenn ich zu dieser Kirche komme. Sie ist ein absolutes Kleinod bei uns im Bistum.“
Bemerkenswert seien die nur geringen baulichen Veränderungen an dem uralten Gebäude. Im Wesentlichen entspricht es dem romanischen Baustil (wie der Speyerer Dom oder die ehemaligen Klosterkirchen zu Otterberg und Eußerthal), wenige Veränderungen im gotischen Stil wurden im 15. Jahrhundert vorgenommen, dann folgte um 1770 der Bau einer Empore, eines Dachreiters im Barockstil sowie die Anschaffung einiger Kunstgegenstände. Auch die romanischen Fenster wurden damals wesentlich vergrößert. Doch zum 800-jährigen Kirchweihfest im Jahr 1963 hat man diesen Schönheitsfehler bei einer großangelegten Kirchenrenovierung wieder beseitigt. Jetzt lassen die Fenster nur wenig Licht hinein. Es ist schummrig im Innern von St. Peter. „Dieser Raum geht in die Tiefe“, so hat ein Kirchenbesucher dem Pfarrer einmal gesagt. „Ja, das finde ich auch, dieses Haus lädt uns ein, Pilger zu sein“, ist Albizuri überzeugt. Als der jetzt 68-Jährige vor fünf Jahren hierher kam, hat er sich viele Gedanken über das Kirchlein und seine Besonderheiten gemacht. Da sind einmal die Stufen – die erste  unter dem Turm. „Man soll sie ganz bewusst gehen, eine Stufe hinauf, wir werden emporgehoben in Gottes Bereich. Wir stehen nicht da, wir bewegen uns.“ Der Blick geht hin zum Altarraum, zum Tabernakel. „Wir schauen nach Osten, gehen hin zur aufgehenden Sonne, zu Gott.“ Dorthin führen weitere Stufen. „Zu Gott geht es immer höher hinauf“, sagt der Pfarrer. Er ist davon überzeugt, dass sich die Erbauer des einfachen, fast armseligen Dorfkirchleins dabei etwas gedacht haben. „Es sind Symbole, die haben die Menschen verstanden, obwohl sie nicht lesen konnten.“
St. Peter ist nicht die erste Bubenheimer Kirche. Doch Mitte des 12. Jahrhunderts beschließt das Prämonstratenser-Kloster Arnstein, dem das Dorf seit 1144 gehört, den Bau einer neuen Kirche. Bauherr ist ein Priester namens Godefried. Sein Name ist bekannt durch eine großflächige Einritzung auf einem Stein im Chorpfeiler: „Im Jahr der Menschwerdung des Herrn 1163 ... habe ich, Godefried, unwürdiger Priester dieses Haus ... erneuert. Darum bitte ich jeden, der in diesem Haus das Messopfer darbringt, dass er meiner gedenken und den Tag meines Todes, den 9. November, beachte“, so heißt es an der Wand, wo sich auch ein Bild des Priesters findet.
Die Prämonstratenser verkauften ihren Bubenheimer Besitz 1478 dem Martinsstift zu Worms, das in Bubenheim später einen Wirtschaftshof unterhielt – dessen gotische Torbögen haben sich bis heute nahe der Kirche erterhalten. Durch das Martinsstift wurde die Dorfkirche gotisiert, sie erhielt ein spitzbogiges Portal, der Altarraum wurde eingewölbt. Aus dieser Phase stammen auch die beiden Schlüsselsymbole am Schlussstein des Portals und am Scheitelpunkt des Kreuzgewölbes. Der Schlüssel steht sowohl für den Kirchenpatron Petrus, als auch für die Zugehörigkeit zum (damaligen) Bistum Worms, das den Schlüssel im Wappen trug – und ebenfalls den ersten Papst zum Bistumspatron hatte.
Nach der Reformation wurde die Kirche Bubenheims lutherisch, vieles von ihrer Ausstattung verschwand spurlos oder verfiel. Schadlos blieb das Gotteshaus im Dreißigjährigen Krieg und im Orléansschen Krieg, fast ein Wunder – während andere Pfälzer Landstriche völlig verwüstet wurden. Ende des 17. Jahrhunderts wurde die Kirche zunächst simultan genutzt, ehe sie mit dem Frieden von Rijswijk – dem Orléansschen Krieg folgend – wieder ganz in katholische Hände kam. Noch zu Wormser Zeit kam die barocke Umgestaltung, doch viel hatte man von dieser „Renovierung“ nicht mehr – die französische Revolution und in ihrem Gefolge Napoleon brachten halb Europa in Unruhe und Umbruch. Das Bistum Worms ging darin unter, ebenso das Bistum Speyer. Es wurde aber später als bayrische Diözese neu gegründet, zu der nun der Donnersberg und Bubenheim gehörten. Die Bubenheimer Katholiken mochten sich anfangs mit der neuen Situation schwer getan haben. Denn „Speyer“ löste schon 1821 die Pfarrei Bubenheim auf und schlug sie als Filiale der Pfarrei Ottersheim zu. Als in dem Nachbarort eine neue Kirche gebaut werden sollte, und die Bubenheimer zu Spenden aufgefordert waren, kam es zum Eklat. „Die Bubenheimer bekräftigten, dass sie ja schließlich eine Kirche hätten und keine neue in Ottersheim bräuchten“, so Dr. Ammerich. Auf die Weigerung folgte das bischöfliche Interdikt, das alle liturgischen Feiern in St. Peter verbot. Später lenkte man in Speyer ein und erlaubte eine sonntägliche Frühmesse in der altehrwürdigen Kirche. Dass der Speyerer Bischof zum 850-jährigen Kirchenjubiläum als Ehrengast und Liturge des Pontifikalamtes erwartet wird, beweist es: das Verhältnis zu Speyer und seinem Oberhirten hat sich ganz positiv gewandelt. 
Für Xavier Albizuri wird das Fest ein erster kleiner Abschied sein – Ende August siedelt er nach Bayern über, wo er seinen Ruhestand verbringen wird. „Die Menschen hier und die Kirchen auch, die werde ich vermissen“, sagt der Seelsorger. Denn die Peterskirche ist nicht das einzige bemerkenswerte Gotteshaus Albizuris. „Mitbrüder aus der Südpfalz, die mich von früher kennen und mich hier besucht haben, sagen, dass ich der Pfarrer mit den exotischsten Kirchen bin“, sagt Xavier Albizuri lachend – und fügt bedauernd hinzu: „Diese Gegend im Bistum ist leider vielen unbekannt. Ich selbst habe sie ja auch nicht gekannt.“
Albizuri freut sich, dass nicht nur ein großes Fest zum Kirchenjubiläum gefeiert wird, sondern es aus diesem Anlass auch einen neuen Kirchenführer geben wird. „Das haben Kirchengemeinde und Ortsgemeinde zusammen gemacht – und es ist ganz wunderbar gelungen.“ Auf 25 Seiten im Format DIN-A 5 und mit zahlreichen Bildern ist das wertvolle Kleinod erläutert, dass Kriege, Katastrophen und die Zeiten überdauert hat. Und hinter dessen dicken Mauern Menschen schon vor mehr als acht Jahrhunderten zu Gott beteten. (hm)

 

Das Jubiläumsfest

Das Kirchenjubiläum am Sonntag, 26. Mai, beginnt an der Bubenheimer Dorfgemeinschaftshalle. Dort wird um 9.15 Uhr der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann erwartet. Um 9.30 Uhr beginnt die Prozession quer durch das Dorf, begleitet von der Kolpingkapelle Zell. Der Bischof wird am Eingang zum Kirchhof eine neue Pilger-Muschel segnen, die die Jakobusgesellschaft Pfalz-Saar vor kurzem hier angebracht hat. Um 10 Uhr beginnt in und um die Kirche dann das Pontifikalamt. Da das Gotteshaus nur rund 80 Plätze zählt, wird die Feier in Bild und Ton auf das Freigelände um die Kirche übertragen. Nach der Messfeier führt die Prozession zurück zur Dorfgemeinschaftshalle, wo das ganze Dorf aus dem Festanlass zum Mittagessen erwartet wird. „Kirche und Dorf gehören zusammen, daher feiern alle mit“, sagt Pfarrer Xavier Albizuri.

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