Redaktion der pilger

Mittwoch, 27. Oktober 2021

„Menschenrechtlich unerträglich“

Hinterm Zaun: ein Mann im neuen Flüchtlingscamp auf der griechischen Insel Samos. (Foto: imago/NurPhoto)

Die Kirchen in Deutschland kritisieren die Flüchtlingspolitik der Europäischen Union

Geflüchtete und Migranten bräuchten menschenwürdige Bedingungen, betonen die Deutsche Bischofskonferenz und die EKD in einem Gemeinsamen Wort.

Die Kirchen in Deutschland fordern einen menschenwürdigen Umgang mit Flüchtlingen und Migranten. Es brauche einen „migrationsethischen Kompass“, heißt es in einem Gemeinsamen Wort, das die Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) am Donnerstag vorstellten. Dauerhafte, einfache Lösungen könne es in diesem Bereich nicht geben.

Der stellvertretende Vorsitzende der Bischofskonferenz, Franz-Josef Bode, erinnerte an die „Willkommenskultur“, die zwischen 2014 und 2016 „maßgeblich durch Beiträge aus dem Raum der Kirchen“ ermöglicht worden sei. Die Kirchen wüssten um ihre bleibende Verantwortung, auch die langfristige Herausforderung der Integration betreffend, so Bischof Bode. Derzeit sei es angesichts hoch.kochender Emotionen etwa im Blick auf die belarus-polnische Grenze besonders wichtig, dass die Kirchen sich gemeinsam positionierten.

Während man über politische Versäumnisse offen debattieren müsse, sei jeder Form von Rassismus entgegenzutreten, betonen die Kirchen. „Der Anstieg rechtsextremer Gewalttaten stellt eine Bedrohung für die offene Gesellschaft dar.“ Durch die Corona-Pandemie hätten sich Herausforderungen im Migrationsbereich verschärft. Auch „ungelöste Probleme innerhalb und zwischen den Mitgliedstaaten“ der EU hätten sich weiter zugespitzt, heißt es in dem ökumenischen Papier. „Das selbstgesteckte Ziel der EU, ein gemeinsamer Raum des Schutzes und der Solidarität zu werden“, sei „weitgehend verfehlt“ worden: Dies zeige sich am Umgang mit Flucht über die Seewege oder an der „menschenrechtlich unerträglichen Situation“ auf den griechischen Inseln.

Werbung für eine „aktivereEinbürgerungspolitik“
„Eine gemeinsame Flüchtlingspolitik, die den Geist der Humanität und Solidarität atmet, ist in Europa derzeit nicht in Sicht“, kritisieren die Kirchen. Eine Reform bleibe „eine Aufgabe für die Zukunft“. Im Bezug auf Deutschland werben die Kirchen für eine „aktivere Einbürgerungspolitik“. Wenn Zugewanderte und ihre Nachfahren über viele Jahre von politischer Mitwirkung ausgeschlossen blieben, lasse sich dies „in einer Einwanderungsgesellschaft mit dem demokratischen Prinzip nicht vereinbaren“, betonte Bode. 1997 hatten die Kirchen erstmals ein Gemeinsames Wort zu den Herausforderungen durch Migration und Flucht veröffentlicht.(kna)
 

Mehr Würde für die Flüchtlinge

In Zeiten, in denen der weißrussische Diktator Lukaschenko Not leidende und Hilfe suchende Flüchtlinge aus Nahost an der Grenze seines Landes zu Polen auf zynische Art und Weise als Waffe gegen die Europäische Union einsetzt, ist das ökumenische Grundlagenwort der Kirchen zu Migration und Flucht wichtiger denn je. Zu Recht pochen die Kirchen auf einen menschenwürdigen Umgang mit Flüchtlingen und Migranten und fordern nicht weniger als einen migrationsethischen Kompass. Die Gespräche beim EU-Gipfel haben uns vor Augen geführt: Von einer gemeinsamen humanen Einwanderungs- und Asylpolitik ist die EU meilenweit entfernt; dagegen setzen gleich zehn Staaten auf möglichst hohe Stacheldrahtzäune.

Und in Deutschland? Im Bundestagswahlkampf spielten Zuwanderung und Migration keine Rolle, weil nahezu alle Parteien („kein Gewinnerthema“) es tunlichst vermeiden wollten. Die „Willkommenskultur“ ist längst abgehakt. Deshalb ist es nur zu begrüßen, dass die Kirchen den Finger in die Wunde legen und eine aktivere Einbürgerungspolitik fordern, obwohl das gerade unpopulär ist. Die Gewährung von Kirchenasyl bleibt auf der Tagesordnung; zugleich betont das vorliegende Migrationspapier zu Recht, dass dieses Instrument nicht inflationär eingesetzt werden solle.

Die Ampel-Parteien haben hier viel Arbeit vor sich, auch wenn anderes im Vordergrund zu stehen scheint. Es sollte aber eine der vornehmsten Aufgaben der selbst ernannten „Fortschritts- und Aufbruchs-Koalition“ sein, einen Spurwechsel zum Wohle der betroffenen Menschen zu schaffen. Die Unantastbarkeit der Würde eines jedes Menschen und der Respekt vor den Menschenrechten müssen dabei die Richtschnur sein und nicht etwa die Verhinderung von Migration um jeden Preis. (Gerd Felder)

Artikel teilen:

Weitere Nachrichten

21.01.22
Redaktion der pilger

„Alle sollen sich persönlich erklären“

Interview mit Jesuitenpater Hans Zollner zum Münchner Missbrauchsgutachten
21.01.22
Redaktion der pilger

„Seppelskasten“ wird Wohnquartier

Speyer: Gemeinnütziges Siedlungswerk des Bistums schafft dringend benötigte...
21.01.22
Redaktion der pilger
News-Feed (RSS) von der Zeitungsseite in die Webfamilie

Vielfältiges Programm

Die Heilsbach hat 2022 Angebote für jeden Geschmack und jedes Alter
21.01.22
Redaktion der pilger

Ruf nach mehr Fantasie

Was die Kirche aus den Erfahrungen der Pandemie lernen kann
21.01.22
Redaktion der pilger

Immer ist heute

Den Willen Gottes erfüllen, den Menschen Heil bringen
21.01.22
Redaktion der pilger

Lesen, schauen und entdecken

Sachkundig und kurzweilig – Theologe Karl-Markus Ritter legt neues Buch über den...
21.01.22
Redaktion der pilger

Aus der Anonymität holen

Gedenkstein für fünf jüdische Mitbürger, die Opfer der Naziverbrechen wurden
13.01.22
Redaktion der pilger

Zeitenwende im Kloster

Neue Generalpriorin der Dominikanerinnen von St. Magdalena stammt aus Brasilien
13.01.22
Redaktion der pilger

Fairness an der Ladentheke

Wie können Lebensmittelpreise sozialgerecht angehoben werden?
13.01.22
Redaktion der pilger
News-Feed (RSS) von der Zeitungsseite in die Webfamilie

Sogar Kamele waren im Einsatz

Bei der diesjährigen Sternsingeraktion ließen sich die kleinen Könige...
13.01.22
Redaktion der pilger

30 Millionen bis 2030

Bistum Speyer will jährliche Ausgaben drastisch reduzieren
13.01.22
Redaktion der pilger

Adveniat würdigt Grande

Seligsprechung des ermordeten salvadorianischen Priesters am 22. Januar
13.01.22
Redaktion der pilger

Digitale Erfolgsgeschichte

Ein junges, engagiertes Team streamt Gottesdienste nicht nur in Frankenthal
13.01.22
Redaktion der pilger

Adieu Christbaum

Auch ausrangierte Tannen können noch nützliche Funktionen haben
10.01.22
Redaktion der pilger

Erzeugerwechsel nach fünf Jahren

Weingut Anselmann stellt neuen Domsekt her
07.01.22
Redaktion der pilger

„Schluss damit!“

Papst Franziskus verurteilt zu Neujahr Gewalt an Frauen
07.01.22
Redaktion der pilger

Mit Hoffnung in die Zukunft

Am 4. März wird der diesjährige Weltgebetstag gefeiert – Vier...
07.01.22
Redaktion der pilger

Der Auftakt

Jesu Wirken beginnt. Das fordert auch uns
07.01.22
Redaktion der pilger

Zu Ehren von Edith Stein

Pontifikalamt: Vor 100 Jahren wurde sie in Bergzabern getauft
07.01.22
Redaktion der pilger

„Exodus90“ stimmt auf Ostern ein

Geistliches Trainingsprogramm für Männer beginnt am 17. Januar –...
29.12.21
Redaktion der pilger
News-Feed (RSS) von der Zeitungsseite in die Webfamilie

Die Pandemie verändert die Kirche

Hören, was die Pfarreien und ihre Gemeinden in diesen Corona-Zeiten bewegt, und...
29.12.21
Redaktion der pilger

An der Schule im Freiwilligendienst

Zwei junge Frauen bieten tatkräftige Unterstützung
29.12.21
Redaktion der pilger

Von guten Mächten wunderbar geborgen

Ein Gedicht und seine Geschichte – unsere Autorin Susanne Laun, Referentin in der...
29.12.21
Redaktion der pilger

Viele Gedenktage und Jubiläen im neuen Jahr

Kaiser und Künstler, Wissenschaftler und Ordensleute – das kommende Jahr...
29.12.21
Redaktion der pilger

An der Hand des Herrn

Vor hundert Jahren empfing die heilige Edith Stein das Sakrament der Taufe
22.12.21
Redaktion der pilger

Für alle ein Päckchen

Viele Spender und junge Christen erfüllen Kinderträume in Pirmasens
22.12.21
Redaktion der pilger

„Heilige Familie“ unterwegs auf dem Lastwagen

Mit „Christkind on Tour“ lädt Homburger Pfarrei zu mobilen Krippenspielen an...
22.12.21
Redaktion der pilger
News-Feed (RSS) von der Zeitungsseite in die Webfamilie

„Schließe dies fest in Deinem Glauben ein“

Weihnachtsgruß von Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann
22.12.21
Redaktion der pilger

Sterne der Hoffnung

Schulseelsorgerin in Winnweiler hat ein überraschendes Projekt initiiert
22.12.21
Redaktion der pilger

Wir sind die Familie Jesu

Wenn wir Gottes Wort hören und seinen Willen tun
16.12.21
Redaktion der pilger

Weihnachtskrippen in der Pfalz

Nach einleitenden Texten zur Geschichte und Bedeutsamkeit der Weihnachtskrippe...
16.12.21
Redaktion der pilger

Glocken läuten die Weihnacht ein

Was ist es nur, was das Läuten der Glocken zu Weihnachten zu etwas ganz Besonderem...
16.12.21
Redaktion der pilger

Die EU darf nicht tatenlos zusehen

Caritas International fordert Hilfe für die Migranten an der Grenze zwischen...
16.12.21
Redaktion der pilger

Kreativität zahlte sich aus

Frauen aus Lachen-Speyerdorf verkauften Origamisterne für Kitas in Flutregionen
16.12.21
Redaktion der pilger

Leben ist Begegnung

Darin auch finden wir zu Gott
16.12.21
Redaktion der pilger
News-Feed (RSS) von der Zeitungsseite in die Webfamilie

Ein Platz für Sternenkinder

Maria Rosenberg schafft ein neues Grabfeld auf dem Friedhof
10.12.21
Redaktion der pilger

2022 bringt Entlastungen

Zahlreiche Veränderungen in Pflege und Gesundheit im neuen Jahr
10.12.21
Redaktion der pilger

„Spiegel des Todes“

Papst Franziskus kritisiert Umgang mit Migration auf dem Mittelmeer
10.12.21
Redaktion der pilger
News-Feed (RSS) von der Zeitungsseite in die Webfamilie

Spenden wir – gerade jetzt!

Adveniat-Chef Martin Maier erklärt, warum Großherzigkeit in der Pandemie besonders...
10.12.21
Redaktion der pilger

Antike Bibel aufgemöbelt

Buchbinder-Paar aus der Südpfalz haucht alten Schätzen neues Leben ein
Treffer 1 bis 40 von 4447