Redaktion der pilger

Freitag, 03. Juni 2022

Wenn Gott ins Spiel kommt

Wilfried Röhrig (Foto: Privat)

Interview mit Komponist Wilfried Röhrig – Musical-Aufführung in Herxheim

Eine Spurensuche nach Gott in unserer Welt – das bringt das Musical „Gottesspiel“ am 11. Juni im Herxheimer Schönstattzentrum „Marienpfalz“ auf die Bühne. Fragen an den Komponisten und Liedermacher Wilfried Röhrig, der „Gottesspiel“ geschrieben hat.

Herr Röhrig, in diesem Jahr ist Ihr drittes Musical auf die Bühne gekommen: „Gottesspiel“. Nicht historische Personen stehen im Fokus, sondern es geht um „Gott und die Welt“. Wie sind Sie darauf gekommen?


Seit Jahren treibt mich die Frage um, welche Rolle Gott und der Glaube an ihn in unserer Welt von heute spielen, genauer gesagt in der westlichen Welt, bei dir und bei mir. Besonders das monumentale Werk „Ein säkulares Zeitalter“ von Charles Taylor hat mir dabei geholfen, die heutige Glaubenssituation und die ganzen Veränderungen und Prozesse, die zu dieser Situation geführt haben, zu verstehen: Wie ist es dazu gekommen, dass aus einer Welt, in der der Glaube an Gott eine Selbstverständlichkeit war, eine Welt geworden ist, in der der Gottesglaube eine Option unter vielen ist?

Das klingt sehr komplex. Wie wollen Sie diese Entwicklung auf der Bühne darstellen?
Ich möchte Grundlinien der heutigen Szenerie beschreiben, also sozusagen das Spielfeld beleuchten, in dem sich der Glaube heute abspielt. Im Musical treten Personen auf, sozusagen Spielfiguren, die ganz unterschiedliche Vorstellungen in Bezug auf Gott haben: Da gibt es z. B. das existenzialistische Paar, das ganz auf eigene Faust lebt und in Gott den Konkurrenten ihrer Freiheit sieht. Da erscheinen traditionalistische Eltern, die das Heil im bloßen Festhalten an der gestrigen Kirche sehen. Da gibt es den frommen Fundamentalisten, der meint, Gott könne wie ein Zauberer die Welt retten. Es agiert ein Naturalist, für den nur diese rein weltliche Welt existiert. Und da gibt es schließlich, als Hauptfiguren, den Spurensucher und die Spurensucherin, denen Gott in ihrem Leben, in ihrem gewöhnlichen Alltag begegnet. Sie gehen einen Weg mit Gott, sind mit ihm im Gespräch, im Austausch, im Dialog.

Was verstehen Sie unter einem Spurensucher?
Spurensucher sind für mich Menschen, die Gott und Welt, Gottesglaube und heutige Lebenswirklichkeit  zusammenbringen. Ich bin seit meiner Jugend in der Schönstatt-Bewegung engagiert, bei der die Suche nach dem „Gott des Lebens“ eine zentrale Rolle spielt. Gott „spricht“ zu mir durch konkrete Erlebnisse und Erfahrungen in meinem Leben; er spricht durch meine persönliche Lebensgeschichte; er spricht durch gesellschaftliche Ereignisse; er spricht durch das, was uns umtreibt, was in unserem Inneren, in unserer Seele Anklang findet, was dort wächst und nach außen drängt. Es geht also um die Suche nach Gottes Spuren in unserem Leben, in der Welt von heute.

Die Geschichte ist frei erfunden?
Es ist eine fiktive Handlung: Thomas und Eva, zwei moderne „Spurensucher“, erwarten den lang ersehnten Nachwuchs. Die Vorfreude ist riesig. Doch schon bald wird die frohe Erwartung getrübt. In einem Gespräch mit seiner Firmenleitung erfährt Thomas, dass sein geplanter beruflicher Aufstieg mit einer Wochenendehe verbunden wäre. Die „heile Welt“ von Thomas und Eva bekommt einen weiteren, noch tieferen Riss, als Leo, ein guter Freund und Arbeitskollege von Thomas, plötzlich schwer erkrankt.

Sie haben das Musical „Gottesspiel“ getauft. Das Wort ist interpretationsbedürftig.
In der Tat, unter „Gottesspiel“ kann ganz Verschiedenes und Gegensätzliches verstanden werden: Spielen wir mit Gott? Nehmen wir ihn also überhaupt ernst? Umgekehrt: Spielt Gott mit uns? Sind wir nur Spielzeuge in seiner Hand? Oder: Spielen wir Gott? Wenn man die Aussagen von Spielforschern zu Grunde legt, beinhaltet  Spielen zum Ersten Zusammenspielen, Miteinander spielen, Interaktion. Spielen eröffnet zum Zweiten Freiräume: Da gibt es Möglichkeiten, Chancen. Und Spielen ist drittens „Selbstdarstellung“. Alle Beteiligten können ausprobieren, können sich ausprobieren, ausloten, was möglich ist.

Ist der religiöse Glaube nicht zu ernst, um ihn als „Gottesspiel“ zu etikettieren?
Nein, im Gegenteil. Verbundenheit, Freiheit, Darstellung, darum geht es auch im Gottesglauben. Glauben ist also ein offener Prozess, eine Beziehungsgeschichte, angefangen bei Adam und Eva über das Volk Israel, Jesus von Nazareth, die Geschichte der jungen Kirche bis zur Geschichte der Kirche und Welt heute und unserer je ganz persönlichen Lebensgeschichte.

Für wen ist das Musical gedacht?
Das Musical ist gedacht für offene, fragende Zeitgenossinnen und Zeitgenossen, sei es in der Kirche oder außerhalb. Da gibt es auch keine Altersbegrenzung. Ob alt, ob jung, alle sind willkommen. (zg)

 

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