Redaktion der pilger

Mittwoch, 10. April 2019

Herzenswunsch ging in Erfüllung

Pater Hermann-Joseph Hubka vom Kloster in Waghäusel überreicht Schwester Theresia unter anderem das weiße Ordenskleid und den Rosenkranz. Foto: Landry

Schwester Theresia Ludwig im Kloster St. Magdalena eingekleidet

Ein Blick sagt bekanntlicherweise mehr als tausend Worte. Bei Schwester Maria Theresia Ludwig ist es ihr Strahlen, das gar nicht mehr aus ihrem Gesicht weichen will. Am 23. März ging ihr Herzenswunsch in Erfüllung. An diesem Tag, dem sie voller Aufregung und Freude entgegenfieberte, wurde die 30-Jährige im Rahmen einer feierlichen Vesper in der Klosterkirche von St. Magdalena in Speyer eingekleidet. Seitdem gehört sie dem Orden der Dominikanerinnen an.

Zu Beginn der Vesper zog Theresia Ludwig, wie sie mit ihrem bürgerlichem Namen heißt, mit ihren Eltern, den Vorgesetzten und Pater Hermann-Josef Hubka vom Kloster Waghäusel unter feierlichem Orgelspiel ein. Zu Beginn der Einkleidungszeremonie bat sie um die Aufnahme in das Noviziat und das Ordenskleid des heiligen Vaters Dominikus. Mit den Worten „Ich bin bereit“ bekundete sie ihre Bereitschaft zum Leben einer Dominikanerin mit dem Ordensideal Armut, Jungfräulichkeit und Gehorsam. Pater Hermann-Joseph übergab ihr das Ordenskleid, das Skapulier, den Gürtel, den Rosenkranz, den Mantel und schließlich den Schleier. Nach dem Umkleiden zog Schwester Theresia als neue Novizin mit ihrer Novizenmeisterin Luz Elena und der Generalpriorin Schwester Waltraud Langhans in die Kirche ein. Nun verkündete Pater Hermann-Joseph den Namen, den sie als Dominikanerin tragen darf: Schwester Maria Theresia. In seiner Ansprache ging er unter anderem auf die Bedeutung der einzelnen Bestandteile der Ordenskleidung ein.

Vor Schwester Maria Theresia liegen nun zwei Jahre, in denen sie als Novizin das Klosterleben in der Speyerer Altstadt kennenlernen und vertiefen kann. Erste Erfahrungen sammelte sie bereits im vergangenen halben Jahr, denn seit Anfang September weilte sie als Postulantin unter den Schwestern, nahm an den Gebetszeiten teil und erhielt so nach und nach Einblicke in den Alltag der Ordensfrauen (wir berichteten). Dafür ließ sich die verbeamtete Grundschullehrerin, die in einem kleinen Dorf zwischen Pforzheim und Stuttgart unterrichtete, sogar beurlauben.

Der christliche Glaube begleitet die junge Frau seit vielen Jahren. „Als ich 18 Jahre alt war, habe ich mich ganz bewusst dafür entschieden“, erläutert sie. „Seitdem bin ich auf dem Weg.“ Dieser führte sie unter anderem zur Gemeinschaft „Totus Tuus Neuevangelisierung“, die sich seit rund 20 Jahren die Neuevangelisierung, besonders der Jugend, zur Aufgabe gemacht hat.

Geboren ist Schwester Maria Theresia in Schweinfurt. 2009 zog sie mit ihren Eltern nach Waghäusel, wo ihr Vater im dortigen Kloster eine Stelle als Hausmeister antrat. Nach ihrem Abitur in Bruchsal studierte sie Grundschullehramt an der pädagogischen Hochschule in Karlsruhe. Während dieser Zeit kam sie immer wieder nach Speyer ins Kloster St. Magdalena, um an den Lobpreisgottesdiensten oder an den morgendlichen Heiligen Messen teilzunehmen. „Denn hier hatte ich mich immer sehr wohl gefühlt.“ Ein Leben hinter Klostermauern konnte sie sich allerdings noch nicht vorstellen. Sie sah in erster Linie ihre Berufung in ihrem Beruf als Grundschullehrerin.

Um ihren 27. Geburtstag herum habe sie auf einem Gebetsabend in Altötting, bei dem es um das Thema Berufung ging, plötzlich in sich eine Klarheit gehabt, wie sie es ausdrückt. „Ich habe auf einmal eine große Gelassenheit gespürt, ich wusste, ich möchte Nonne werden“, blickt Schwester Maria Theresia zurück. Den Kontakt zu den Menschen wollte sie nicht verlieren, weshalb ein kontemplativer Orden für sie nicht in Frage kam. Schließlich erinnerte sie sich an das Kloster St. Magdalena und daran, dass die Dominikanerinnen seit dem Jahr 2013 eine Grundschule unterhalten.

Und dann nahmen die Dinge ihren Lauf. Die junge Frau nahm Kontakt mit dem Orden auf, verbrachte immer wieder Wochenenden im Kloster in der Speyerer Altstadt. „Ich merkte mehr und mehr: Das kann mein Platz sein.“ Die innerliche Überzeugung, angekommen zu sein, verfestigte sich während dieser Zeit als Postulantin.

Im Kloster St. Magdalena kann sie ihre Berufung als Nonne und als Grundschullehrerin miteinander kombinieren. Schwester Theresia hofft, dass sie mit Beginn des neuen Schuljahrs im Sommer 2020 unterrichtet. Bis dahin muss geklärt werden, ob sie den Beamtenstatus beibehält oder nicht. Gleichzeitig widmet sie sich dem Klosterleben, hilft in Haus und Garten. Die leidenschaftliche Musikerin, die Klarinette, Saxophon, Gitarre und etwas Akkordeon beherrscht, erhält zudem im Haus der Kirchenmusik auf dem Gelände des Klosters St. Magdalena Orgel- und Klavierunterricht sowie Stimmbildung.

Schwester Theresia ist sich bewusst, „auf was ich verzichte“. Lange Zeit dachte sie daran, einmal zu heiraten und Kinder zu haben. „Doch der Wunsch nach einem Gott geweihten Leben ist einfach stärker.“ Froh ist die frisch gebackene Ordensfrau, dass unter ihren Mitschwestern viele Gleichaltrige sind, mit denen sie sich austauschen kann. „Sie kommen aus Peru oder Brasilien und sind so fröhlich wie ich; das passt gut“, freut sich die 30-Jährige, die gerne kleine Streiche ausheckt.

Etwa am 1. April. Als Schwester Luz Elena, die Novizenmeisterin des Ordens, Schwester Theresia und die zweite Novizin, Schwester Cladys, wie jeden morgen um 5.10 Uhr mit der Glocke wecken wollte, staunte sie nicht schlecht. Denn das Geläut blieb stumm. Der Grund: Schwester Theresia hatte den Klöppel mit Stoff klammheimlich umwickelt. Nicht nur die Novizenmeisterin nahm den Vorfall mit Humor.

Das Noviziat von Schwester Theresia Ludwig endet nach zwei Jahren. Dann beginnt die Profess auf Zeit, die fünf Jahre dauert. Danach wird sie, wenn alles so läuft, wie es zur Zeit geplant ist, die ewige Profess ablegen. (zg/ch.kr./pede)

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