Redaktion der pilger

Mittwoch, 04. Mai 2022

Ein Glücksfall, kein Notfall

Die Marienkirche in Landau. (Foto: Mathes)

Gemeindereferentin Bärbel Grimm leitet Osternachtfeier in der Landauer Marienkirche

Ostern – das wichtigste christliche Fest. Und die Osternacht am Abend des Karsamstages – der Hauptgottesdienst im katholischen Festjahr. Ausgerechnet jetzt kommt das halbe Pastoralteam in Corona-Quarantäne. Ein Notfall?

Was tun: Am Mittwoch der Karwoche den Gottesdienstplan für die Gemeinden der Großpfarrei kurzfristig umwerfen? Gottesdienste ausfallen lassen? „Diese Option stand im Team nicht zur Debatte – zumindest nicht für die Pfarrkirche St. Maria“, berichtet Bärbel Grimm, Gemeindereferentin in der Landauer Pfarrei Mariä Himmelfahrt. Das hätte eine der beiden anderen großen Kirchen getroffen. „Dann war der Tenor im Team: Warum nicht mal in St. Maria ein Zeichen setzen und dort eine Wortgottesfeier in der Osternacht feiern?“

Die Kirchgänger am Karsamstag in der Marienkirche erleben also eine Überraschung: Gemeindereferentin Grimm leitet den Wortgottesdienst zur Osternacht, der auch ins Internet übertragen wird. Zu Beginn ihrer Predigt sagt die erfahrene Seelsorgerin: „Ein wenig ins kalte Wasser geworfen, so stehe ich heute Nacht hier, halte eine Osternacht. Und wenn ich jetzt meinen Puls messen würde, müsste ich wohl einen Arzt aufsuchen.“

Aufgeregtheit ist ihr in diesem Augenblick anzuhören. Die scheint zu verfliegen mit den ersten Sätzen der Predigt zum Evangelium, „das startet mit einigen Frauen, die sich zum Grab aufmachen, um das zu tun, was zu tun war“. An einem Punkt dieser Ostererzählung bliebe sie immer hängen, bekennt die Gemeindereferentin: „Dieser Stein, dieser Felsen am Grab. Warum nehmen die Frauen keine Männer mit, die ihnen helfen? Nein, sie gehen mit Gottvertrauen los, dass sie das schon irgendwie hinkriegen.“ Einen solchen Stein gibt es in vielen Situationen, im Leben vieler Menschen, sagt die Seelsorgerin in ihrer Predigt.

Den Stein hat sie in der Karwoche vielleicht selbst gespürt. Im Austausch mit dem „pilger“ verrät Grimm ihre Überlegungen: „Natürlich hatte ich den Gedanken, ja, jetzt wo Not am Mann, am Pfarrer ist, da darf ich einspringen, es ist ja sonst niemand da. Will ich das?“ Als erster habe sie ihr Ehemann bestärkt. „Er rief mir aus der Küche zu: ,Das machst du!‘“ Auch ihr Chef, Dekan Axel Brecht, ermutigte sie: „Du kannst das, das ist doch klar!“ Bärbel Grimm begreift es „als Chance, dass auch Frau durchaus einen solch hohen Feiertag leiten kann, dass auch Frau durchaus gut predigen kann“. Dass daran keine Zweifel bestehen, beweise Grimms Predigt, der lange Applaus am Ende der knapp zweistündigen Feier und außerdem Kommentare auf dem Youtube-Kanal der Pfarrei. „Bisher erhielt ich keine einzige negative Rückmeldung bezüglich ,Frau am Altar‘, im Gegenteil“, sagt sie. Axel Brecht bestätigt. „Anrufer haben sich für die stimmige und aussagekräftige Feier bedankt.“

Stimmig – so hat es der Pfarrer selbst wahrgenommen. „Natürlich habe ich zu Hause am Computer die Feier mitverfolgt. Ich habe mich sehr gefreut, wie sie das gemacht hat. Authentisch. Es hat mir gutgetan.“ Schön sei es zu merken, dass Haupt- wie Ehrenamtliche an einem Strang ziehen. Es läuft, selbst wenn der Pfarrer ausfällt. „Es ist bei uns etwas Vertrautes, dass wir vielfältige und verschiedene Gottesdienste miteinander gestalten und feiern.“

Bärbel Grimms Fazit: „Trotz aller Aufregung bin ich sehr froh, diese Herausforderung angenommen zu haben und vielleicht ein Zeichen gesetzt zu haben.“ Das „Zeichen“ besteht auch darin, einige Gebetstexte „durch eine besser verständliche Sprache“ zu gestalten, „denn irgendwie musste auch ich mich in diesem Gottesdienst wiederfinden und nicht nur eine vorgegebene Liturgie abspulen“. Neben dem Wunsch, dass dies keine Eintagsfliege war, ist Grimms Anliegen: „Liturgie mal neu zu denken und neu zu überarbeiten. Das heißt nicht, dass traditionelle Elemente abgeschafft werden, aber dass wir sie ,aufpolieren‘“.

War diese Osternacht in Landau-St. Maria ein ganz besonderer Gottesdienst? Ja und nein. Ja, weil Christen angesichts von Pandemie und Krieg die Hoffnung feierten, dass Leid und Tod letztlich vom Leben überwunden werden. Nein, weil die Besonderheit nicht darin besteht, dass eine Frau (und nicht ein Priester) die Feier leitete. Das war höchstens ungewohnt. Auf Zukunft gesehen ist es kein Einzelfall. Dekan Brecht geht noch etwas weiter: „Es ist ein Glücksfall, kein Notfall.“ (hm)

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