Redaktion der pilger

Freitag, 13. Mai 2022

Heiliges Spiel

á Nicht jeder Hut passt: Marion Witt in einer Szene ihres Stücks „Bis zum letzten Augenblick“. (Fotos: Marianne Menke (2), privat)

Schauspielerin Marion Witt schult Haupt- und Ehrenamtliche, die Gottesdienste gestalten

Mit dem Theater kennt Marion Witt sich aus. Wenn die Bremer Schauspielerin auf der Bühne steht, ist sie in ihrem Element: Authentisch und feinfühlig, mitreißend, offen und ehrlich – so berührt und begeistert sie ihre Zuschauer. Die 55-Jährige beherrscht ihr Handwerk.

Oft sind es Lebensthemen, mit denen die Theatermacherin ihre Zuschauer konfrontiert: Tod, Fremdsein, Ausgrenzung, Angst, Blindheit oder Epilepsie sind nur einige Inhalte der Produktionen ihres Gastspieltheaters „compania t“. Mit ihren Geschichten möchte Marion Witt unterhalten, wachrütteln, Haltungen entwickeln.

Nicht immer sind es leichte Themen, nicht immer gehen die Geschichten gut aus. „Aber es gibt immer Sinn und Hoffnung“, betont sie. So auch für die von ihr im Ein-Personen-Stück „Bis zum letzten Augenblick“ verkörperte lebensbedrohlich erkrankte Elisabeth: Sie ringt um das ideale Sterben. In der Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod findet Elisabeth schließlich Hoffnung und den Sinn ihres Daseins.

Bühnengesetze gelten auch im Altarraum
Dass ihre Botschaft beim Publikum ankommt, ist Marion Witt ganz wichtig. Sie tüftelt lange an ihren Ideen, recherchiert detailliert Inhalte und Themen. Oft geht die gläubige Katholikin während ihrer Tournee-Aufenthalte in ganz Deutschland auch in die Kirchen vor Ort, besucht Gottesdienste. Das stärkt sie, ist für sie Heimat. Ihr Glaube ist ihre Lebensgrundlage. Sie erzählt: „Einen guten Gottesdienst kann ich richtig genießen. Er gibt mir Kraft und Erkenntnis.“

Die Liturgie ist für die gebürtige Heidelbergerin das „Herz der Pastoral“, der Gottesdienst die wichtigste gemeinsame Feier der Christen, in die man sich als Zuschauer hin­einbegeben müsse. Sie bedauert: „Leider kommt es immer wieder vor, dass die Liturgie nicht ankommt.“ Oft weiß die Theatermacherin auch, warum.

Theater und Liturgie – Marion Witt vermeidet es, beides gleichzusetzen, „aber es gibt durchaus Parallelen“, sagt sie und nennt die Liturgie fast ein wenig ehrfürchtig das „Heilige Spiel“ – eine ritualisierte und spirituelle Inszenierung, für dessen Gelingen es ebenso wie für eine gute Theater­inszenierung Regeln und Handwerkszeug gebe. Und genau das vermittelt sie in der Liturgie tätigen Laien und Geistlichen im Bistum Osnabrück und im Erzbistum Hamburg. Die freie Bremer Theatermacherin schult angehende Priester, Pastoral- und Gemeindereferenten sowie Lektoren und gibt ihnen Tipps, wie sie ihre Botschaft überzeugend vermitteln können und eine gewisse Präsenz im Altarraum einnehmen. Ideen hat sie hierzu genug und spricht von Fokussierung, Authentizität, Tempowechsel in Sprache und Musik, einem roten Faden, lebensnahen Themen und Spannungsaufbau. Vermittele ich das, was ich vermitteln will? Diese Frage stellt sie den Teilnehmern. „Wenn ich dann sehe, wie sie spielen, sprechen, agieren und sich einlassen aufs Ausprobieren, dann macht mich das glücklich.“  

Ein paar handfeste Tipps hat sie natürlich parat: Zunächst einmal müssen die Akteure sich bewusst machen, dass sie im Laufe eines Gottesdienstes verschiedene Rollen einnehmen: Sie sind Gastgeber, Vorbeter, Prediger, Erzähler und auch Anweiser. Zu jeder Rolle, so Witt, gehöre eine entsprechende Sprache und Haltung. „Die Begrüßung spreche ich im normalen Tempo, bei Lesungen und Gebeten kann ich mit Pausen arbeiten.“

So ein Tempowechsel, auch in der Musik, mache einen Gottesdienst lebendiger. Ein guter Gottesdienst brauche darüber hinaus einen Spannungsbogen und ein Thema. „In der Einleitung deute ich es an, baue es im Hochgebet, beim Friedensgruß und am Schluss wieder ein“, erklärt sie. In der Theatersprache heißt das: „die inszenierte Idee“.

Die Expertin betont: „Es gibt Bühnengesetzmäßigkeiten, auch im Altarraum“, und sie zählt fünf Säulen auf: Sicherheit, Überraschung, Symbolik, sinnliche Befriedigung, Erkenntnisgewinn. Dabei gerät sie ins Schwärmen: „Symbolik, Bilder, Farbe, Gestaltung, das ist doch in der Kirche alles stark vorhanden.“

Die 2000 Jahre alten Bilder müssten aber überprüft und neu erklärt werden. So stehe die Wüste in der Bibel fürs Exil. „Heute denken die Leute aber an Urlaub und Strand, wenn sie das Wort hören“, erklärt sie. „Die Bibel hat eine wunderbare Symbolik, die Schriftlesungen sind Lebensthemen, das muss rüberkommen“, sagt sie und erzählt begeistert: „Mose geht über die Steppe hinaus, das bedeutet doch, er schaut über den Tellerrand. Oder: Der Vorhang im Tempel reißt, der Weg zu Gott ist offen. Das sind doch Wahnsinnsbilder. Das ist so reich, ich liebe das.“

Geschichten lehren und geben Kraft
Starke Bilder und Metaphern, farbiges Licht, Szenenwechsel, ruhige oder auch schrille Musik, damit berührt Marion Witt ihr Publikum, erzählt ihre Geschichten. „Geschichten lehren uns, sie geben uns Kraft, nähren uns. Wie die Gleichnisse sind sie Antworten auf die Frage nach dem Warum.“ Diese Frage stellt sich auch die von Marion Witt verkörperte Elisabeth auf der Bühne. Sie entdeckt, dass das Geheimnis des Sterbens in ihrem Leben verborgen ist. Ihre Botschaft hallt nach.(Astrid Fleute)

Zur Person
Der direkte Kontakt zum Publikum ist Marion Witt wichtig. Daher arbeitet sie nicht nur mit Profis im Theater, sondern auch mit Laien in Werkwochen und Projekten zu einem bestimmten Thema, das die Gruppe sich zuvor gemeinsam überlegt. Auch mit kirchlichen Gruppen studiert sie Stücke ein. Die Themen reichen dabei von biblischen, spirituellen, lebensnahen und kirchenpolitischen Themen bis etwa zum Namens­patron der Kirche, der Architektur des Gebäudes oder der Frage, was die Gemeinde zusammenhält. Auch über das alttestamentliche Buch Rut hat sie schon ein Theaterstück geschrieben. „Da kommt man überall an Lebensinhalte“, betont die Theatermacherin. Wer einen Theaterabend mit ihr oder ein Projekt buchen möchte, findet alle nötigen Informationen im Internet unter der Adresse www.compania-t.de

 

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