Redaktion der pilger

Freitag, 03. Juni 2022

Zuwachs im Institut St. Dominikus

Das „Haus St. Maria“ (rechts) bietet Platz für 29 Bewohnerinnen. Ein Glasbau verbindet den Neubau mit dem Hauptgebäude des Mutterhauses. (Foto: Landry)

Speyer: Neubau St. Maria erweitert Gebäudekomplex des Mutterhauses und gibt Ordensfrauen neue Heimat

Das Mutterhaus des Instituts St. Dominikus in Speyer hat räumlichen und personellen Zuwachs bekommen: Im Februar sind 16 Dominikanerinnen des Ordens in ein neues Wohngebäude eingezogen, das den Namen „Haus St. Maria“ trägt. Am 24. Mai wurde der Neubau feierlich eingeweiht und von Weihbischof Otto Georgens gesegnet.

Das Haus besteht aus drei Geschossen und bietet auf insgesamt rund 1 600 Quadratmetern Platz für 29 Bewohnerinnen. Es wurde in Stahlskelettbauweise errichtet und aus 48 vorgefertigten Modulen zusammengesetzt. Die Photovoltaikanlage auf dem Dach erzeugt 20 Prozent des Strombedarfs für das gesamte Mutterhaus. Ein Glasbau, in dem sich der Fahrstuhl befindet, verbindet das Haus St. Maria mit dem Hauptgebäude des Mutterhauses. „Begonnen hat die Maßnahme mit der Errichtung des Fundaments im Oktober 2020; abgeschlossen wurde sie im Januar dieses Jahres“, berichtet Jürgen Juchem, der Leiter der Ordensverwaltung. Für die Genehmigung des Hauses musste auch die Denkmalschutzbehörde einbezogen werden, denn das gesamte Ensemble des Mutterhauses befindet sich in einer Denkmalschutzzone. Das umliegende Areal liegt noch brach. Dort soll ein Garten mit einem Teich, der auch als Zwischenspeicher für Regenwasser dient, entstehen. Die Kosten des Neubaus belaufen sich auf 4,6 Millionen Euro, finanziert aus Rücklagen.  

Im Haus St. Maria haben 13 Ordensfrauen eine neue Bleibe gefunden. Sie lebten bislang im Schwesternwohnheim am St. Marienkrankenhaus in Ludwigshafen. Das asbesthaltige achtstöckige Gebäude aus den 1960er- bzw. 1970er-Jahren ist stark renovierungsbedürftig. Manche Zimmer sind nicht mehr nutzbar. „Die Vermieterin des Hauses, die St. Dominikus Krankenhaus und Jugendhilfe gGmbH, teilte uns mit, dass sie die Verantwortung für das marode Objekt nicht mehr übernehmen könne“, berichtet die Generalpriorin des Instituts St. Dominikus, Schwester Gisela Bastian. „Daraufhin sagten die Schwestern: Wenn wir schon umziehen müssen, dann möchten wir keine Zwischenlösung, sondern direkt ins Mutterhaus übersiedeln.“ Die 13 Ordensfrauen sind nicht die einzigen Bewohnerinnen des Hauses St. Maria. Drei weitere Schwestern, die bereits in Speyer lebten, zogen ebenfalls ein.

Die neuen barrierefreien Räumlichkeiten sind hell und freundlich gestaltet. Jeder Bewohnerin stehen 21 Quadratmeter Wohnfläche und eine Nasszelle zur Verfügung. Das mittlere Geschoss dient als Pflegestation. Jede Ebene ist auch als ambulante Wohngemeinschaft nutzbar. Bei der Vergabe der Wohneinheiten seien die Räume mit Blick auf die Mariengrotte besonders begehrt gewesen, verrät Verwaltungsleiter Juchem.

2022 blicken die Dominikanerinnen auf ihr 170-jähriges Bestehen zurück. 1852 wurde das „Institut der Armen Schulschwestern“ – so der ursprüngliche Name des Ordens – vom damaligen Bischof Nikolaus von Weis gegründet. Der Speyerer Oberhirte hatte die Nonnen mit der Bildung und Erziehung junger Mädchen und Frauen beauftragt. Und so unterrichteten die Schwestern in den Volksschulen, wirkten in den Pfarreien, in Handarbeitsschulen, Kindergärten und übernahmen schließlich zusätzlich die ambulante Krankenpflege. Zudem entstanden ordenseigene Schulen, Fachschulen und Krankenhäuser.

Um ihre Einrichtungen für die Zukunft zu sichern, gründete die Ordensleitung des Instituts St. Dominikus im Jahr 2003 die Dominikus Stiftung Speyer mit ihren Töchtern Gemeinnützige St. Dominikus Schulen GmbH und St. Dominikus Krankenhaus und Jugendhilfe gGmbH. Hintergrund war das weitgehende Ausscheiden der Ordensschwestern aus dem aktiven Dienst. 2015 wurde die Stiftungssatzung geändert. Seitdem benennt das Mutterhaus des Ordens zwei seiner Mitglieder in den Stiftungsrat, wovon eines den Vorsitz übernimmt. Derzeit übt dieses Amt die ehemalige Generalpriorin und Vorgängerin von Schwester Gisela, Schwester Gertrud Dahl, aus. Ihr Stellvertreter ist Jürgen Juchem.

120 Schwestern im Alter von 58 bis 98 Jahren zählt das Institut St. Dominikus; 80 von ihnen leben im Speyerer Mutterhaus. Niederlassungen mit einer kleinen Gruppe von Schwestern gibt es im Bistum Speyer unter anderem noch in Landstuhl, Silz, Maxdorf, Herxheim, St. Ingbert, Saarbrücken-Ensheim und Speyer. Dort bringen sich die Nonnen – soweit es ihnen möglich ist – noch ein. Nach und nach werden aber sie sich ebenfalls aus Altersgründen aus den Dörfern und Städten der Diözese zurückziehen müssen und ins Mutterhaus übersiedeln. Auch für sie wurde und wird für Wohnraum gesorgt. „Wir schaffen im gesamten Mutterhaus Kapazitäten für 90 Ordensschwestern“, erläutert Jürgen Juchem.

Unter anderem aus diesem Grund wird seit acht Jahren das Hauptgebäude des Mutterhauses nach und nach saniert, „im laufenden Betrieb“, wie der Leiter der Ordensverwaltung betont. Dort entsteht unter anderem eine Pflegestation für demente Schwestern. Mitte 2024 soll alles fertig sein.

Auch wenn die ursprünglichen Aufgaben des Ordens mehr und mehr in den Hintergrund treten, weil immer weniger Schwestern als Lehrerinnen oder Krankenschwestern tätig sind, ist die Generalpriorin davon überzeugt, „dass wir einen Auftrag haben, so lange wir da sind. Etwa begegnen und begleiten wir Menschen – auch im Gebet.“ Das Mutterhaus sei zudem offen für Einzelgäste und Gruppen.

Wichtig ist Schwester Gisela derzeit vor allem, dass sich die neuen Bewohnerinnen im Haus St. Maria gut einleben und an ihr verändertes Lebensumfeld gewöhnen. „Das bedeutet für jede von ihnen eine Umstellung“, weiß die Generalpriorin. Darüber hinaus ist es ihr ein Anliegen, dass sich alle Schwestern im Mutterhaus wohl fühlen und jede ihren Platz in der Gemeinschaft hat. Mit dem Einzug der 13 Ordensfrauen aus Ludwigshafen und der drei Schwestern aus Speyer befinden sich nun insgesamt fünf kleinere und größere Konvente unter dem Dach des Mutterhauses.

Mit Blick auf die Zukunft sind strukturelle Veränderungen angedacht. „Wir müssen eine neue Form finden, wie wir Gemeinschaft leben und gestalten“, bringt es die Generalpriorin auf den Punkt. Derzeit stehe der Orden am Beginn dieses Prozesses, der professionell begleitet werde. Sie selbst kann sich mittel- und langfristig noch weitreichendere Veränderungen vorstellen, etwa die Aufnahme von dementen Schwestern anderer Orden oder die Vermietung von Etagen im neuen Haus St. Maria. Die baulichen Voraussetzungen dafür sind gegeben. „Ziel ist, dass der gesamte Gebäudekomplex erhalten bleibt.“ (pede)

 

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