Redaktion der pilger

Montag, 05. Juli 2010

Zum Sonntagsevangelium:Gott ist nahe an jedem Ort

Ein Beitrag von Pastoralreferentin Regina Mettlach zum Lukas-Evangelium Kapitel 10, 25–37.

Wir befinden uns im Lande Moab, östlich vom Jordan in der Wüste. Es ist um das Jahr 1250 vor Christus. Mose und sein Volk stehen kurz vor dem Einzug in das Gelobte Land. Mose wird das Land der Verheißung nicht mehr betreten, er weiß, dass er bald sterben wird. Doch er möchte seinem Volk noch einmal eindringlich ans Herz legen, was ihm selbst so sehr am Herzen liegt. Er erinnert die Israeliten an den Bund, den Gott mit ihnen geschlossen hat, und an die Weisungen, die er ihnen gegeben hat, damals am Sinai, als sie gerade aus Ägypten, dem Land der Sklaverei, entkommen waren. Er – Mose – hatte die steinernen Tafeln mit den Zehn Geboten aus der Hand Gottes empfangen und sie an die Israeliten weitergegeben.

Nun erinnert Mose sie also noch einmal an alles, was damals geschehen war. Er übergibt sozusagen zum zweiten Mal die Gebote Gottes an sein Volk. Deshalb trägt auch dieses Buch des Alten Testamentes, aus dem die heutige erste Lesung genommen ist, den Namen „Deuteronomium“, „Zweites Gesetz“.

Das Buch Deuteronomium ist eine literarische Komposition. Es enthält zum Teil sehr alte Texte, die bis in die Zeit nach Mose (die Zeit der Richter) zurückreichen. Unser Text jedoch ist vermutlich erst in der späten Zeit der Verbannung in Babylon (586 bis 538 vor Christus) entstanden. Der Schreiber des Textes legt seine Worte dem scheidenden Mose in den Mund. Solche stilisierten Abschiedsreden waren in der antiken Literatur sehr beliebt: Angesichts des herannahenden Todes einer bedeutenden Persönlichkeit wurden deren wichtigste Anweisungen darin an die nächste Generation weitergegeben. Es wurden prophetische Weissagungen ausgesprochen, Verhaltensanweisungen gegeben und es wurde um den Segen Gottes gebetet.

In unserem Text geht es um die Erneuerung des Bundes mit Gott. Der Verfasser unseres Textes will sein Volk ermutigen, auch in der Zeit der Verbannung die Hoffnung nicht zu verlieren. Gott ist nahe an jedem Ort. Der Text stellt das Hauptgebot des alttestamentlichen Bundes in die Mitte: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele.“ Israel soll immer wieder zur ersten Liebe zurückkehren. Denn es würde nicht viel nützen, wenn die Weisung Gottes nur auf den steinernen Tafeln vom Sinai stünde. Wichtig ist, das Liebesgebot zu leben. Gott zu lieben –und damit immer verbunden den Nächsten – darauf ist der Mensch angelegt, wenn wir ernst nehmen, was die Bibel sagt: „Gott schuf den Menschen nach seinem Bild.“

Gott als das tragende Element unseres Lebens ist uns so nahe, dass wir ihn oft gar nicht beachten. Doch Gott gehört zum Menschen. Der Mensch ist Bild Gottes, Kind Gottes, Partner Gottes. Solange es Menschen gibt, wird die Frage nach Gott immer neu gestellt, der Mensch wird mit Gott nie fertig. Und der Durst nach Gott kann nur mit Gott gestillt werden. Wie der Fisch nicht ohne Wasser, wie der Vogel nicht ohne Flug, so kann der Mensch nicht ohne Gott leben, sagt Mechthild von Magdeburg. An Land geworfen, springt der Fisch in die Höhe und sucht nach Wasser. Der Vogel im Käfig verkümmert. Der Verlassene klagt über die verlorene Liebe.

Wer von Gott ständig redet, sagt ein weiser Mensch, der hat ihn im Kopf, aber nicht im Herzen. Der Fisch schwimmt im Wasser. Der Vogel schwingt sich in die Luft. Der Liebende genießt die Liebe. Wer in Gott lebt, der hat das Leben und die Liebe gewählt und glaubt, dass sie ihm in Fülle geschenkt werden.

Angesichts unserer säkularisierten Welt scheint sich die Frage nach Gott für viele Menschen erledigt zu haben. Martin Buber nennt es die Gottesfinsternis unserer Tage. Wie sich bei der Sonnenfinsternis der Mond zwischen die Sonne und die Erde stellt und unseren Blick auf die Sonne verdunkelt, so haben sich heute Hindernisse zwischen Gott und den Menschen gestellt, die den Blick auf Gott verdunkeln. 

Doch der ungestillte Hunger nach wesentlicherem Leben veranlasst immer wieder Menschen zum Aufbruch aus ihrem bisherigen Leben, zu einem Aufbruch, der sie Gott in die Hände treibt. So kann auch in der Gottesferne unserer Tage in uns der elementare Hunger nach Gott erwachen und uns aufbrechen lassen zu ihm hin.

(Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag an die Autorin Regina Mettlach.)

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