Redaktion der pilger

Freitag, 13. August 2010

Evangelium zum Hochfest Mariä Himmelfahrt (Lesejahr C)

Studiendirektor i.R. Dr. Raimund Bard schreibt den Beitrag zum Lukas-Evangelium 1, 39–56

Welches sind die schönsten und bekanntesten Marienlieder – sozusagen die „Top-ten“? Dann werden sicher genannt: „Sagt an, wer ist doch diese“ (Gotteslob Nr. 588), „Maria breit den Mantel aus“ (595), „Maria zu lieben, ist allzeit mein Sinn“ (594). „Wunderschön prächtige“ (89o). Diese Lieder kennt jeder, wir singen sie gerne und können zumindest die erste Strophe auswendig. Sie sind aber relativ jung, im 17. bis 19. Jahrhundert entstanden.

Wer den Mittelgang im Speyerer Dom (der ja ein Mariendom ist) betritt und nach vorne zum Altar schreitet, findet im Boden  vier Inschriften: „O clemens, o pia, o dulcis virgo Maria“. Das ist der Abschluss des „Salve Regina“, den Bernhard von Clairvaux (1091 bis 1153) der Überlieferung nach bei seinem Besuch in Speyer angefügt haben soll. Das „Salve Regina“ (Gotteslob Nr. 570) ist also fast 1000 Jahre alt. Das älteste und eindrucksvollste Marienlied steht aber im heutigen Evangelium, ein Lied, das die Gottesmutter selbst gesungen hat. (Zugegeben: Hier ist Maria  die handelnde, singende Person; sie lobt Gottes Wundertaten. In den traditionellen, oben angeführten Liedern singen wir als gläubige Gemeinde und bitten Maria um ihre Fürsprache bei ihrem Sohn.

Warum aber, so könnte gefragt werden, wird kein Text aus dem Neuen Testament gelesen, der über die Aufnahme Mariens in den Himmel berichtet? Antwort: weil in der Bibel darüber nichts steht. Die letzte Erwähnung Mariens finden wir in der Apostelgeschichte nach der Himmelfahrt Jesu: „Sie stiegen in den Obersaal hinauf ... , sie alle verharrten einmütig im Gebet ... mit Maria, der Mutter Jesu“ (Apostelgeschichte 1,13 – 14). Die Kirche hat aber schon in den ersten Jahrhunderten ein Fest „Heimgang Mariens“ gefeiert, nachweislich spätestens nach dem Konzil von Ephesus (431), wo bekanntlich die Gottesmutterschaft Mariens als Dogma verkündet wurde; der byzantinische Kaiser legt im 6. Jahrhundert als Feiertag den 15. August fest. Im Laufe der Zeit entstanden viele Bilder in Kirchen, die die Aufnahme Mariens künstlerisch darstellen. Höhepunkt und Abschluss dieses theologischen Festgedankens war die feierliche Dogmenverkündigung am 1. November 195o durch Papst Pius XII.: „Maria ist nach Vollendung ihres irdischen Lebenslaufes mit Leib und Seele zur himmlischen Herrlichkeit aufgenommen“.

Noch einmal zurück zum Tagesevangelium. Lukas erzählt die anrührende Geschichte von der schwangeren Maria, die ihre Verwandte Elisabet, die ebenfalls schwanger ist, besucht. Dem geht voraus, dass der Engel Gabriel zu Maria sagt: „Auch Elisabet, deine Verwandte, hat in ihrem Alter noch einen Sohn empfangen ..., sie ist schon im sechsten Monat“ (Lukas-Evangelium 1,36) Aus Neugierde, Zweifel, mütterlicher Freude macht sich jetzt Maria auf und „eilt“(!) ins Bergland. Und jetzt berichtet Lukas diese wunderbare Szene vom „begeisterten“ Treffen der beiden Frauen. Maria ist glücklich, sie jubelt ihr Lob und singt: „Magnificat“. Lukas bedient sich hier wohl alttestamentlicher Vorlagen, komponiert diese neu und legt sie (im wörtlichen Sinn) Maria in den Mund. 

Maria ist von Gott besonders begnadet, berufen – eine „Szene“ dieses besonderen Lebens wird hier berichtet. Es gibt wahrlich andere Szenen voll Leid und Wehmut: Flucht nach Ägypten, Kreuzigung ihres Sohnes. Auch diese Ereignisse haben Maler und Musiker dargestellt. Dass Maria von Gott mit Gnade beschenkt wurde, findet den theologischen Abschluss im heutigen Fest: Aufgenommen in den Himmel – mit Leib und Seele! So geht sie uns voran; wir beten im CREDO: wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt. 

Eine musikalische Schlussbemerkung: Johann Sebastian Bach hat den Text des Magnificat vertont für Chor, Soli und Orchester. Im Satz „Suscepit Israel“ (Vers 54), der von einem dreistimmigen Frauenchor gesungen wird, intoniert die Oboe einen alten, eher ungewohnten Psalmton (Tonus peregrinus, der dem Psalmton in GL 689 entspricht). Genau diesen Psalmton hat auch Wolfgang Amadeus Mozart in seinem „Requiem“ übernommen mit dem Text „Exaudi orationem meam“ – erhöre mein Gebet, zu dir kommt alles Fleisch. Vielleicht ein musikalisch-theologischer Hinweis über das Lob Gottes durch Maria und durch uns hier auf der Erde bis hin zum ewigen Lob der Dreifaltigkeit in den Harmonien des Himmels.

E-mail Adresse: raimund.bard@gmx.de

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