Redaktion der pilger

Donnerstag, 04. November 2010

Die Gretchenfrage unserer Zeit

„Wie hältst Du´s mit dem Glauben an die Auferstehung?“ – ein Beitrag von Diakon Hartmut von Ehr

„Nun sag', wie hast du's mit der Religion.“ Mit dieser Frage quält Gretchen in Goethes „Faust“ ihren Geliebten, und dieser  weiß darauf keine rechte Antwort. Seine erste  Reaktion würden wir heute so umschreiben: „Lass gut sein, mein  Kind, aber über Religion spricht man nicht. Sie ist reine Privatsache und bedarf keiner weiteren Nachfrage.“ Diese Antwort wird von einer Umfrage unter Jugendlichen heute, 200 Jahre nach dem Erscheinen von Goethes „Faust“, erhärtet. Laut einer Umfrage gehört ein Viertel aller befragten Jugendlichen keiner Glaubensgemeinschaft an, im Osten sind es 80 Prozent. Lediglich zwischen 20 Prozent und 30 Prozent besuchen ab und zu einen Gottesdienst. 

Innerhalb dieser Gesamtsituation ist ein Aspekt besonders bedrückend: Je mehr man sich dem Kern des christlichen Glaubens nähert, desto schwächer wird der Glaube. So werden  die Auferweckung Jesu und die Auferstehung der Toten von den jungen Leuten kaum noch akzeptiert! Hier hat eine weitere Umfrage des Instituts Allensbach zutage gefördert, dass die meisten Christen – 81 Prozent der Katholiken und 73 Prozent der Protestanten – davon überzeugt sind, dass Jesus gekreuzigt wurde, gestorben ist und begraben wurde. Allerdings bekannten sich nur noch 50 Prozent der Katholiken und 25 Prozent der Protestanten zum Glauben an das ewige Leben! Der damals erkennbare Trend schlug auch bei den Jugendlichen durch. Ergebnisse der Shell-Studie von 2006: Von der katholischen männlichen Jugend glauben nur noch 28 Prozent an das „Weiterleben“, bei der evangelischen sind es 32 Prozent. Unter den Mädchen und jungen Frauen liegen die Anteile bei 43 Prozent.

Hier scheint sich die Zeit Jesu von der heutigen kaum zu unterscheiden. Auch im Judentum kannte man verschiedene Richtungen. Eine davon war die der Sadduzäer, die – wie in der Bibelstelle gesagt – nicht daran glaubten, dass der Mensch nach dem Tod auferstehen wird. Und diesen Sadduzäern ging es darum, Jesus und seinen Glauben an die Auferstehung mit einem komplizierten und konstruierten Fall lächerlichen zu machen.

Die angesprochene Ehegeschichte kommt uns heute fremd vor. Damals war es üblich, dass der Bruder eines verstorbenen Ehemannes die Witwe, sofern sie keine Kinder hatte, quasi übernahm. Mehreren Seiten kam so eine Schwagerehe zugute: Der Verstorbene bekam Nachkommen (zumindest sah man das so) und damit rechtmäßige Erben. Die Witwe war vor dem sozialen und finanziellen Abstieg gerettet, und durch Kinder auch die Altersversorgung gesichert.

Jesus antwortet der Frage recht umfassend und geht auf die Ironie nicht ein. Auferstehung ist nicht einfach die Fortsetzung des irdischen Lebens. In der Welt der Auferstehung herrschen andere Bedingungen. Die angesprochene Witwe braucht im Himmel nicht mehr zu heiraten. Interessant auch,  dass Jesus die eigentliche Frage „Wessen Frau wird sie nun bei der Auferstehung sein?“ gar nicht beantwortet.

Doch dann versucht Jesus die Sadduzäer mit ihren Worten zu überzeugen. Er beruft sich auf jene Schriften, die die Sadduzäer anerkennen, darunter das Buch Exodus. Dort offenbart sich Gott gegenüber Mose als der Gott seines Vaters und als Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Und das setzt voraus, dass sie bei ihm leben. Daher heißt es abschließend: „Er ist doch kein Gott der Toten, sondern der Lebenden.“ So macht Jesus den Sadduzäern mit ihren Worten deutlich, wie Auferstehung zu denken und zu verstehen ist.

Hier nun muss auch unsere Argumentation bei den Jugendlichen ansetzen. Wir haben gewiss strukturell in der Kirche unsere Probleme. Aber diese sind weitaus geringer zu betrachten im Hinblick auf unser zentrales Anliegen, den Kern unseres Glaubens auszudrücken. Paulus formulierte es in seinem ersten Brief an die Korinther so: „Wenn aber verkündigt wird, dass Christus von den Toten auferweckt worden ist, wie können dann einige von euch sagen: Eine Auferstehung der Toten gibt es nicht? Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, ist auch Christus nicht auferweckt worden.  Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos. Wir werden dann auch als falsche Zeugen Gottes entlarvt“ (erster Korintherbrief 15,13–15a).

An dieser Frage entscheidet sich die Qualität unserer Verkündigung, sie ist die Gretchenfrage unserer Zeit.

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