Redaktion der pilger

Donnerstag, 04. November 2010

Geiselnahme im Irak fordert fast 60 Tote

Blutig ging eine Geiselnahme in dieser Bagdader Kirche zu Ende: Mindestens 58 Menschen fanden am vergangenen Sonntag hier den Tod.

Splittergruppe von El-Kaida greift katholische Kirche in Bagdad an.

Bei der Geiselnahme in einer katholischen Kirche in Bagdad sind nach bisherigen Informationen mehr als 50 Menschen getötet worden. Laut einem Bekennerschreiben gehörten die Angreifer zu einer irakischen Splittergruppe von El-Kaida. Papst Benedikt XVI., die Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) reagierten entsetzt auf den Anschlag vom 31. Oktober und sprachen den Christen im Irak ihr Mitgfühl aus. Derweil forderten christliche Vertreter in dem Land eine autonome Region für die Christen als Konsequenz der zunehmenden Gewalt von Terroristen – angestrebt wird eine selbstverwaltete Region in der Provinz Niniveh im Norden des Landes. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) sprach in Göttingen von einer berechtigten Forderung des Volksrates der Assyrer-Chaldäer-Aramäer. Es sei denkbar, die betreffende Region an Irakisch-Kurdistan anzuschließen, wo eine für den Nahen Osten vorbildliche Minderheitenpolitik vorherrsche.

Wie der britische Sender BBC an Allerheiligen unter Berufung auf das irakische Innenministerium berichtete, kamen am Sonntagabend mindestens 58 Menschen ums Leben, als irakische Sicherheitskräfte die von den Terroristen in der Gewalt gehaltene Kirche stürmten. Den Angaben zufolge sind unter den Toten 52 Geiseln und Sicherheitskräfte sowie mindestens sechs der Angreifer. In der chaldäisch-syrischen Kirche hatten sich den Angaben zufolge rund 100 Personen zu einer Abendmesse aufgehalten.

Die Angreifer hätten die Freilassung von El-Kaida-Mitgliedern verlangt, die im Irak und Ägypten inhaftiert sind. Das US-Zentrum für die Überwachung islamistischer Internetseiten (SITE) verbreitete das angebliche Bekennerschreiben. Nach diesem fordert die Terrorgruppe von den ägyptischen Behörden die Befreiung zweier Frauen von koptischen Priestern, die angeblich zum Islam übergetreten sind. Beide würden nach ihrer Bekehrung in einem koptischen Kloster festgehalten.

Papst Benedikt XVI. verurteilte das Blutbad. „Ich bete für die Opfer dieser absurden Gewalt, die umso schrecklicher ist, als sie wehrlose Menschen getroffen hat, die im Haus Gottes versammelt waren, das ein Haus der Liebe und der Versöhnung ist“, sagte er beim Angelusgebet auf dem Petersplatz. Er rief zu weiteren Bemühungen für Frieden im Mittleren Osten auf. Bestürzt reagierte auch die Deutsche Bischofskonferenz. „Wir sind tief erschüttert über diesen brutalen Überfall und beten für die Toten und die Verletzten, die in der Kirche friedlich zur Feier des Gottesdienstes versammelt waren“, sagte der Vorsitzende, Erzbischof Robert Zollitsch, in Bonn. Er appellierte an die internationale Staatengemeinschaft, die USA und die irakischen Behörden, der „kontinuierlichen Bedrohung des Christentums im Irak entschiedenen Widerstand entgegenzusetzen“. EKD-Auslandsbischof Martin Schindehütte erklärte, die Geiselnahme in einem Gottesdienst zeige, dass „die Attentäter vor Gott ohne jeden Respekt sind“. Der Koran spreche dagegen auch von der Achtung gegenüber dem Christentum.

Nach Angaben des Erzbischofs von Kirkuk, Louis Sako, sind im Irak seit Kriegsbeginn vor sieben Jahren rund 900 Christen ums Leben gekommen, darunter zwei Erzbischöfe. Wenn es nicht eine „radikale Lösung“ gebe, werde die christliche Minderheit verschwinden. Vor dem Krieg zählte die christliche Gemeinschaft im Irak 900000 Mitglieder; inzwischen seien es unter 400000. Wer im Irak kein Muslim sei, gelte als „Bürger zweiter Klasse“, sagte der Erzbischof der nordirakischen Stadt. Die christliche Minderheit sei nicht frei.

Nach den Worten des katholischen Islam-Experten Peter Hünseler haben die Christen eine 2000-jährige Geschichte im Irak. Doch gerade für El-Kaida stehe das Christentum als Synonym für den Westen und die USA und repräsentiere damit deren Feindbild. Deshalb seien immer wieder christliche Kirchen und Bischöfe Ziele von Terrorübergriffen.

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