Redaktion der pilger

Donnerstag, 11. November 2010

Eine sehr politische Papstreise

Papst Benedikt XVI. als als Pilger in Spanien. Aber es ging im Rahmen des Besuches auch um handfeste gesellschaftliche Fragen. Foto: KNA

Benedikt XVI. löste in Spanien Jubel und Debatten aus

So zufrieden wie bei seinem Besuch in Spanien am vergangenen Wochenende zeigt sich Benedikt XVI. selten. Gelöst, vor Freude strahlend, angesteckt von der herzlichen Wärme der Spanier absolvierte er ein kurzes, aber intensives Reiseprogramm, das ihn von Santiago de Compostela im ländlichen Westen des Landes bis in die weniger kirchentreue Hafenmetropole Barcelona im Osten führte. Die Reise war alles andere als eine „normale“ Pastoralreise, und sie war auch kein Staatsbesuch. Sie wird in Spanien noch lange in Erinnerung bleiben – zumal der Papst im Sommer 2011 erneut in Spanien erwartet wird.

Bei der ersten Etappe machte sich Benedikt XVI. zum Pilger unter Pilgern an einem der wichtigsten Wallfahrtsorte Europas, in der zweiten weihte er die wohl berühmteste moderne Kirche des Kontinents. Die beiden eher politikfernen Anlässe führten dazu, dass die grundsätzlichen und politischen Botschaften des Papstes gewissermaßen als sanfte Seitenhiebe verpackt waren. Der Klarheit seiner Aussagen tat das keinen Abbruch, und so wurde der eigentlich unpolitische Spanienbesuch schließlich doch eine sehr politische Papstreise.

Es begann bereits im Flugzeug, als der Pontifex in seiner „fliegenden Pressekonferenz“ beklagte, dass der aggressive Säkularismus und Antiklerikalismus der 1930er Jahre, dem im Spanischen Bürgerkrieg Tausende Geistliche zum Opfer fielen, heute in anderer Form wieder zum Vorschein komme. Ob er damit die stramm linksliberale Politik der heutigen sozialistischen Regierung oder die antiklerikalen Protes­te meinte, die es im Vorfeld der Reise gab, ließ der Papst offen. Tatsache ist, dass er mit diesen Sätzen eine heftige Debatte in den Medien auslöste.

Politische Botschaften kamen auch in Santiago de Compostela zum Tragen. Zwar lag der Hauptakzent zuerst im Menschlichen und im Theologischen. Unter dem Jubel Tausender Pilger aus aller Herren Länder legte der Papst den traditionellen Pilgermantel um und absolvierte in der Kathedrale des Apostels Jakobus jene symbolischen Stationen, die andere Pilger am Ende ihres langen Fußmarsches zurücklegen. Seine Predigt nutzte er aber auch zu einem Appell an die Völker Europas, der durch Intensität und Leidenschaftlichkeit überraschte: „Europa muss sich Gott öffnen, muss ohne Angst heraustreten zur Begegnung mit Ihm, muss mit seiner Gnade für die Würde des Menschen arbeiten.“ 

Ähnlich eindringlich waren auch seine Worte in Barcelona, wo er zur Weihe der Kirche „Sagrada Familia“ des katalonischen Architekten Antoni Gaudi predigte. Auch hier ging er weit über den eigentlichen Anlass hinaus und blieb nicht bei Gedanken über religiöse Kunst und Architektur stehen. In diesem kühnen Jahrhundertbauwerk, das einen architektonischen Vorgeschmack auf das himmlische Jerusalem bietet, schlug der Pontifex eine inhaltliche Brücke bis in die aktuelle spanische Familienpolitik: „Die Kirche fordert, dass das Leben der Kinder von der Empfängnis an als heilig und unantastbar verteidigt wird (...) sie widersetzt sich jeglicher Form der Ablehnung des menschlichen Lebens und hält das aufrecht, was die natürliche Ordnung im Bereich der Familie als Institution fördert.“

Die sozialistische Regierung unter Jose Luis Zapatero, der dem Papstbesuch bis auf eine kurze Begegnung am Schluss fernblieb, verstand diese Worte als Kampfansage. Doch der Papst betonte immer wieder, dass er nicht gekommen sei, Zwietracht zu säen, sondern der Eintracht des spanischen Volkes zu dienen. Dennoch konnte er nicht verhindern, dass in den Tagen nach seiner Reise die politischen Parteien die von ihm gesetzten Themen aufgriffen und so die Debatte um die gesellschaftliche Entwicklung in Spanien aufs Neue anheizten. Selbst die Frage, was es bedeute, dass der Papst in Barcelona Teile der Predigt und Teile der Liturgie in Katalanisch vortrug, löste intensive politische Debatten aus und befeuerte den Nationalstolz jener Katalanen, die sich als unabhängige Nation verstehen.

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