Redaktion der pilger

Donnerstag, 11. November 2010

Wir werden das Leben gewinnen

In allem Unheil greift die Botschaft vom Heil - ein Beitrag von Pfarrer i.R. Monsignore Ernst Roth

Jeder erwachsene Mensch dieser Erde glaubt an seinen persönlichen Tod, besser gesagt: er weiß, dass er einmal sterben wird, auch bei steigender Lebenserwartung. Dass aber die gesamte Welt einmal untergehen wird, dass das ganze Universum, so wie es jetzt ist, einmal zerbrechen und sterben wird, ja sterben muss zu einer Verwandlung hin, das glauben heutzutage – so scheint es mir – viele nicht mehr. Ich weiß nicht, wie die Naturwissenschaften heute zu dieser Frage stehen, welche Erkenntnisse sie haben, welche Zukunftschancen sie unserem Kosmos geben? Eventuell eine Existenz in eine unbegrenzte, unendliche Zeit hinein? Wie auch immer. Ich halte mich in dieser Frage an die Botschaft Jesu Christi: sie sagt uns an vielen Stellen – wie im heutigen Evangelium – dass es ein Ende der Welt, ein Ende des Kosmos in der gegenwärtigen Gestalt geben wird, ja nach dem Plan Gottes geben muss.

Die zentrale Botschaft Jesu war die Botschaft vom „Reich Gottes“. Er sagt: Mit seinem Kommen auf diese Erde habe das „Reich Gottes“ begonnen, anfanghaft, zeichenhaft, verborgen, aber doch wirklich; und dieses „Reich Gottes“ wächst auf Erden und kommt ans Ziel, wird vollendet an dem Tag, an dem Christus als Menschensohn wiederkommen wird in großer Macht und Herrlichkeit. Wir Christen stehen heute zwischen diesen beiden Polen: Beginn des „Reiches Gottes“ mit Jesus Christus und Vollendung des „Reiches Gottes“ am Ende der Tage, in der Stunde der Verwandlung der Welt. Dem voraus geht der „Weltuntergang“, der Zusammenbruch des Kosmos in seiner jetzigen Gestalt. Somit gehört zur christlichen Existenz, zum Christsein, wesentlich dieser Bezug zur Zukunft Gottes, zur Zukunft, die Gott uns schenkt. Zum Christsein gehört wesentlich der Blick auf das Ziel, der Blick auf die Verwandlung der Welt, der Blick auf das Kommen Jesu in Herrlichkeit. Zum Christsein gehört wesentlich die Hoffnung auf die Vollendung unserer Erlösung, die Hoffnung auf die Vollendung des „Reiches Gottes“.

Diese Botschaft Jesu Christi, diese Hoffnung scheint heute bei vielen an Boden zu verlieren, und umso mehr wächst in unserer Gesellschaft die Angst, die Angst vor der Zukunft: die Angst vor einem atomaren Supergau, die Angst vor einer globalen Katastrophe, die Angst vor Zerstörung der Natur, der Umwelt, der Lebensbedingungen. Keine Frage: Das sind schwerwiegende Problemfelder, die uns große Sorgen bereiten, die uns in Zukunftsangst, denen wir gegensteuern müssen, um den Fortbestand unserer Erde und der Menschheit zu sichern – wenn wir es noch können! Neben dieser Sorge muss für einen Christen die Botschaft Jesu Christi stehen, die Botschaft vom Ende und der Verwandlung der Welt, die Botschaft der Hoffnung.

Das Evangelium nennt uns Zeichen; nicht Zeichen, dass das Weltende bevorsteht, sondern Zeichen, die uns mahnen sollen, Zeichen, die uns hinweisen sollen darauf, dass einmal das Weltende kommen wird. Den genauen Termin kennen wir nicht, ebensowenig wie den Termin des persönlichen Todes. Das kann, was den Kosmos betrifft, in Millionen von Jahren sein. Das Evangelium nennt drei Arten von Zeichen, die wir alle in unserer Gegenwart wiederfinden: Politische Zeichen: Kriege, Aufstände; heute würde man hinzufügen: Genozid, unkalkulierbarer globaler Terror, atomare Bedrohung. Kosmische Zeichen: Hungersnöte, Seuchen, gewaltige Erdbeben; heute wäre hinzuzufügen: Weltweit enorme Probleme durch Klimawandel. Schließlich Bedrängnisse für die Christengemeinden: Gewalt gegen Christen (in China, Nordkorea, Nigeria und anderen Ländern Afrikas). Christen werden ihres Glaubens willen vor Gericht gestellt, ins Gefängnis gebracht, verfolgt bis zum Tod – in den letzten hundert Jahren wurden weltweit mehr Christen verfolgt als je in einem Jahrhundert zuvor!

Unglaublich: Nachdem Jesus die drei Arten von Katastrophen aufgezählt hat, unmittelbar nach diesen düsteren Voraussagen für die Seinen hat Jesus den Mut anzufügen: „Und doch wird euch kein Haar gekrümmt werden. Bleibt standhaft, und ihr werdet das Leben gewinnen“. Für den Nichtglaubenden ein Paradox, ein unauflösbarer Gegensatz, für den nur wissenschaftlich Denkenden ein barer Unsinn, für den gläubigen Jünger Christi aber Kraft für das tägliche Leben und Zuversicht aus der Verheißung Gottes, christliche Hoffnung.

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