Redaktion der pilger

Donnerstag, 18. November 2010

Für die Zukunft, die jetzt beginnt

Gottes Reich ist in dieser Welt, aber nicht von ihr – ein Beitrag von Pastoralreferent Bernhard Marondel

Sie haben Geschichte geschrieben, die Könige dieser Welt; oder besser gesagt: Sie haben Geschichte schreiben lassen. Nicht immer war das, was da in die Geschichte eingegangen ist ein Ruhmesblatt für die Könige dieser Welt. Angefangen bei den alten Ägyptern bis fast in unsere Tage hinein prägten Könige gesellschaftliches und politisches Leben. Heutige Königshäuser, sie mögen es mir verzeihen, schreiben weniger Geschichte, als vielmehr Geschichtchen für die Regenbogenpresse. Es soll zwar auch heute noch viele Fans der illustren Königsfamilien geben, aber der Grund dafür liegt wohl eher irgendwo zwischen voyeuristischer Neugier und der Sehnsucht, etwas von dem  Glanz der noblen Gesellschaft abzubekommen als in echter Bewunderung oder Wertschätzung. Für vernünftige, aufgeklärte Menschen mit echter demokratischer Gesinnung  haben Könige ausgespielt, so die vorherrschende Meinung. Könige sind von gestern oder gerade mal noch gut für besonders festliche Anlässe. 

Das scheint auch für „unseren“ König zu gelten, für Christkönig. Für christliche Maßstäbe ein noch sehr junges Fest (erst 1925 eingeführt), spielt es auch im Bewusstsein  vieler Katholiken kaum noch eine Rolle.  Das liegt sicher nicht nur daran, dass Monarchien insgesamt eher aus der Mode gekommen sind, sondern vielleicht eher daran, dass mit so einem König wie Jesus sowieso kein Staat zu machen ist; weder Glanz noch Gloria und auch nicht Geld und Macht lassen sich mit dem Königtum Jesu in Verbindung bringen. 

Als Papst Pius XI. vor 85 Jahren dieses Fest einführte, wollte er damit ganz bewusst ein Zeichen setzen gegen die zerstörerischen Kräfte dieser Zeit. Als hätte er eine Vorahnung gehabt, gewann das Christkönigsfest in der Zeit der Nazidiktatur für die katholische Jugend in unserem Land an enormer Bedeutung. Immerhin haben die Jugendlichen dieser Zeit mit ihrem Bekennermut so viel Staat gemacht, dass die Nazis die Prozessionen, die Demonstrationen des Glaubens am Christkönigsfest verboten haben. Vielleicht spürten sie, dass bei diesem König mehr dahinter ist als nur der schöne Schein, den Könige sonst allzu oft  produzieren.

Heute geht an Christkönig niemand mehr auf die Straße, eigentlich schade. Als politisch denkender Katholik bedaure ich das sehr, denn es gäbe heute viele Gründe  Flagge zu zeigen und mit unserem König Staat zu machen. Nur sollte gerade das Christkönigsfest kein Tag zum Jammern sein; auch kein Tag, an dem man wehmütig zurückschaut. Das Königtum Christi lebt nicht aus der Vergangenheit, sondern ist auf Zukunft ausgerichtet. Die beginnt aber nicht erst am jüngsten Tag, sondern heute. Und sie ereignet sich da, wo nicht mehr die Maßstäbe dieser Welt gelten, sondern Maß genommen wird am Evangelium. 

Das Reich Gottes ist mitten unter euch, diese Worte Jesu sind eine Verheißung, die nicht nur in biblischen Tagen gilt. Wer aber etwas von der Königsherrschaft Jesu erfahren will, der bleibt dennoch auf das Evangelium verwiesen. Sätze wie: Wer der Größte unter euch sein will, der sei der Diener aller. Oder:  Wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin. Sie lassen keinen Zweifel daran, was für ein König Jesus ist. Ja, sein Königtum ist nicht von dieser Welt. Zu einem weltlichen Königtum passt dieser Jesus nicht und zwar vom Anfang bis zum Ende. Von der Krippe bis zum Kreuz ist keine wirklich königliche Geschichte. Und mit welchen Typen der sich abgibt: Mit den Letzten der Letzten sitzt er am Tisch und teilt das Brot. Und auch sein Hofstaat, seine Jüngerinnen und Jünger, sie gehören nicht zu den oberen Zehntausend. Mit Reichtum und Ansehen hat er nichts am Hut und auch Macht ist nicht sein Ding. Während andere Könige sich vor ihrer Thronbesteigung herausputzen, wäscht er seinen Freunden die Füße. Sein Thron ist und bleibt das Kreuz, selbst wenn er im Lauf der Geschichte immer wieder auch wie ein traditioneller König auf dem Thron sitzend dargestellt wurde. 

Das Königtum Jesu war und ist eine Herausforderung für die Menschen. Damals, in biblischer Zeit, haben ihn die einen ausgelacht und verspottet, andere haben ihn bekämpft, weil er ihr Selbstbild und ihren Status in Frage gestellt hat. Und einer, Pilatus, der hat ihn ans Kreuz schlagen lassen. Und er hat auch den Grund dafür genannt: Weil er ein König ist. Es waren nicht die Jünger Jesu, die Christus schon vor Ostern als König erkannten. Es war Pilatus, sein Henker, und ein Verbrecher, der neben ihm gekreuzigt wurde, der sagte: „Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst.“ Schon bemerkenswert, und es sollte uns als seine Kirche nachdenklich bleiben lassen, von wem Jesus zuerst als König erkannt wurde.  

Christkönig: Einer, der die Maßstäbe dieser Welt und die Mächtigen dieser Welt hinterfragt und deren Glanz und Gloria ins Wanken bringt. Bis heute.   Christus, der König, eignet sich nicht für die Geschichtsbücher der Vergangenheit und auch nicht für die Klatschblätter der Gegenwart. Sein Königtum hat Zukunft und die beginnt jetzt. Unsere evangelischen Schwestern und Brüder geben diesem letzten Sonntag im Kirchenjahr einen Namen, der wirklich gut mit dem Christkönigsfest harmoniert. Sie feiern heute Ewigkeitssonntag. Das zeigt die Richtung, auf die es schon heute ankommt. 

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