Redaktion der pilger

Donnerstag, 25. November 2010

Ohne Laien ist kein Staat zu machen

Weihbischof Otto Georgens im Gespräch mit Elisabeth Freitag von Adveniat, Pablo Vicaino Prado, Bischof der Diözese Suchitepequez-Retalhuleu und Vorsitzender der Bischofskonferenz von Guatemala, sowie mit Carolina Mayer, einer der Verantwortlichen für die Gesundheitspastoral in Guatemala (von rechts).

Adveniat-Eröffnung in Speyer: Weihbischof Georgens hofft auf inspirierende Impulse aus der Weltkirche

Erstmals in der Geschichte des Lateinamerika-Hilfswerks der deutschen Katholiken findet die bundesweite Eröffnung der Adveniat-Weihnachtsaktion in diesem Jahr im Bistum Speyer statt. Höhepunkt ist ein festliches Pontifikalamt an diesem Adventssonntag, 28. November (10 Uhr), im Dom. „pilger“-Chefredakteur Norbert Rönn hat sich mit Weihbischof Otto Georgens, dem Beauftragten des Bistums für die Weltkirche, über die Bedeutung dieses Ereignisses unterhalten.


Herr Weihbischof, welchen Stellenwert hat für Sie der Eine-Welt-Gedanke mit Blick auf unsere Kirche – auch in unserem Bistum?

Wir sind stolz darauf, dass die Adveniat-Aktion 2010 bei uns im Bistum Speyer eröffnet wird. Im Mittelpunkt der Aktion steht das Engagement von Laien in den lateinamerikanischen Kirchen. Das Thema hätte nicht besser gewählt werden können. Die Errichtung größerer Pfarreien im Blick auf 2015 stellt uns im Bistum vor die Frage, wie die bisherigen Pfarreien, also die Gemeinden vor Ort, im größeren Raum ihre Identität behalten können. In Lateinamerika gibt es zahlenmäßig noch weit größere Pfarreien, als sie bei uns geplant sind. Innerhalb dieser Pfarreien gibt es kirchliche Basisgemeinschaften und Lokalgemeinden, in denen Kirche gelebt wird. Dies wäre nicht möglich ohne das Engagement der Laien, ohne Wortgottesdienste, die von Laien geleitet werden, weil ein Priester sehr selten präsent sein kann. Es scheint, dass das, was im weltkirchlichen Maßstab die Regel ist, auch bei uns mit der Zeit Platz greifen wird. Das Konzept Gemeindepastoral nennt neben Spiritualität, Evangelisierung und Anwaltschaft ausdrücklich Weltkirche als leitende Perspektive der Seelsorge in unserem Bistum. Impulse aus der Weltkirche können uns inspirieren und anregen, unseren ureigenen Weg zu finden.

Die Adveniat-Aktion stellt in diesem Jahr die Bedeutung der Laien für das kirchliche Leben in Lateinamerika einmal mehr in den Mittelpunkt. Wo sehen Sie hier Schnittmengen und Lernfelder?

Ohne Laien ist in der Kirche „kein Staat zu machen“ – weder in Lateinamerika noch bei uns. Alle Getauften und Gefirmten haben ihre eigene unverlierbare Berufung. Das ist das Band, das uns alle in der Kirche verbindet, noch vor der besonderen Berufung zum Priestertum und Ordensstand. Man muss den Laien nicht erst besondere Aufgaben übertragen, damit sie in der Kirche tätig sein können, sie handeln aus eigener Verantwortung, die aus Taufe und Firmung erwächst. Freilich muss das spezifische Charisma der Laien geweckt, gestärkt, gefördert und begleitet werden, damit es anderen nützt und die Gemeinde aufbaut – wie der Apostel Paulus sagen würde. Viele Laien engagieren sich in unserem Bistum als Gottesdiensthelferinnen und -helfer, als Katechetinnen und Katecheten und im Bereich der Caritas. Sie prägen weithin das kirchliche Leben. Die Delegados de la Palabra waren Schrittmacher für die Verlebendigung der Gemeinden in Honduras. Auch wir sollten das Engagement der Laien wertschätzen und die Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen, von Priestern und Laien verstärken.

Sie haben mit einer kleinen Gruppe im Frühjahr Honduras und Guatemala besucht. Was hat sie dabei besonders beeindruckt?

Ich habe erleben dürfen, wie Schwestern und Brüder, mit denen wir in der einen Kirche verbunden sind, in – im Vergleich zu uns – viel ärmeren Verhältnissen ihren Glauben leben, wie ihnen der Glaube Stütze und Halt ist. Ein Glaube, der im Leben dieser Menschen seine Kraft entfaltet und sie motiviert, die Herausforderungen und Probleme anzupacken. Ich bin Schwestern und Brüdern begegnet, die durch die Ausbildung und Begleitung, die sie in kirchlichen Einrichtungen erfahren haben, menschlich gereift sind und in ihrem Selbstvertrauen gestärkt wurden. Menschen, die ihr Charisma entdeckt haben und leben, die sich uneigennützig und vorbehaltlos für die Kirche engagieren. Laien, die ihrer Gemeinde ein Gesicht geben und dem Evangelium ihre Stimme, getragen vom Vertrauen ihres Bischofs und ihrer Gemeinde. Bei solchen Begegnungen empfinde ich ein starkes Gefühl der Dankbarkeit und Freude, zur weltweiten katholischen Kirche zu gehören, einer Kirche, die den Menschen hilft zu leben, einer Kirche, die den Menschen dient.

Die katholische Kirche in Deutschland und auch im Bistum Speyer hat zur Zeit mit vielen Problemen zu kämpfen, auch in finanzieller Hinsicht. Sie sind in unserer Diözese für den Bereich Weltkirche verantwortlich. Befürchen Sie hier Einschnitte?

Der Bereich Weltkirche ist keine Insel, die bei knapper werdenden finanziellen Mitteln unberührt bleiben kann. Ich hoffe aber, dass der Zwang zum Sparen uns noch ideenreicher werden lässt, dass wir uns darüber verständigen können, was in Zukunft wichtig bleibt oder sogar noch wichtiger werden wird, dass sich unser Gesichtsfeld nicht auf die eigene Situation verengt, dass wir offen bleiben für das größere Ganze der Weltkirche und sensibel für die Not der Menschen auf unserem Planeten Erde.

Die Aktion Silbermöwe des „pilger“ besteht in diesem Jahr 50 Jahre. Was schätzen Sie an dieser Initiative der Leserinnen und Leser besonders?

Die Aktion Silbermöwe ist einmalig in der Kirche in Deutschland. Sie fördert Projekte in über 40 Ländern der Erde, sie unterstützt wirksam die Arbeit der Missionarinnen und Missionare, der Entwicklungshelferinnen und Entwicklungshelfer aus unserem Bistum und darüber hinaus, sie leistet sowohl Einzel- als auch Not- und Katastrophenhilfe. Darauf können wir mit Recht stolz sein. Ich bin der Redaktion und den Leserinnen und Lesern des „pilger“, den Pfarreien, Verbänden und Initiativen sehr dankbar für diese tatkräftige Hilfe. Es zeichnet unsere Diözese aus, dass viele Menschen und Gruppen über den eigenen Kirchturm hinaus denken, dass sie offen und sensibel sind für ihre Mitmenschen in der Einen Welt. Ich wünsche mir, dass die Aktion Silbermöwe auch in Zukunft an der Brücke zu den Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika weiterbaut und zu einem dauerhaften partnerschaftlichen Miteinander beiträgt.

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