Redaktion der pilger

Donnerstag, 02. Dezember 2010

Können unsere Gemeinden von Taizé lernen?

Frère Alois Löser (links) mit Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann während der „Nacht der Lichter“ im Speyerer Dom. Foto: Landry

Prior der ökumenischen Bruderschaft stellte sich den Fragen der hauptamtlichen pastoralen Mitarbeiter in der Diözese Speyer

Er wirkte bescheiden, fast ein bisschen scheu: Frère Alois Löser, der Prior der ökumenischen Gemeinschaft von Tai­zé, stellte sich am 24. November im Bistumshaus St. Ludwig in Speyer den Fragen von hauptamtlichen pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Diözese Speyer. Ihnen brannte vieles unter den Nägeln an diesem Nachmittag. Etwa die Frage, wie man es schaffen kann, dass die Begeisterung von Taizé oder von Weltjugendtagen auf unsere Gemeinden überspringt, so dass Jugendliche auch dort die Gottesdienste besuchen. Frère Alois hörte aufmerksam zu, schilderte mit ruhiger Stimme seine Erfahrungen von Taizé ohne den Anspruch zu erheben, auf alles eine Antwort zu wissen.

„Wir haben keine Erklärung, war­um in Taizé unsere Spiritualität ankommt“, bekannte der Prior. Eine Rolle spiele, dass der Gründer der ökumenischen Gemeinschaft, Frère Roger Schutz, erkannt habe, wie wichtig es sei, die Liturgie so zu gestalten, dass sich alle beteiligen können, etwa durch das gemeinsame Singen. Und als die Kirche zu klein geworden sei, habe Frère Roger beschlossen, dass sich die Jugendlichen auch auf den Boden setzen dürfen. „Da spüren sie, dass sie so sein können, wie sie sind; sie kommen gerne, weil sie sich wohlfühlen.“ Auch stehe der Seelsorger in Taizé den Menschen nicht frontal gegenüber, sondern an der Seite, betonte Frère Alois. Dies unterstreiche, dass das Gebet etwas Gemeinsames sei, Menschen verbinde. „Diese kleine Sache macht sehr viel deutlich.“ So mancher Ministrant verstehe in Taizé erst so richtig, was sein Dienst in seiner Gemeinde bedeutet. Bei anderen Jugendlichen wirke der Geist von Taizé jedoch nicht weiter. „Vielleicht müssen wir da nochmals nachdenken.“ 

Gleichzeitig zeigte der 56-Jährige auf, wie wichtig es ist, authentisch zu sein. „Wir repräsentieren in Taizé keinen Verein, sondern möchten unser Christsein persönlich gut vertreten. Mit dieser Haltung gehen wir auf die Menschen zu.“ Das Christsein im Nächsten zu finden und Eucharistie zu feiern, bedingten einander. Immer wieder richtete Frère Alois sein Augenmerk auf das persönliche Gespräch. „Wenn man in der pastoralen Verantwortung steht, ist es sehr wichtig, dass man zu den Menschen, die einem anvertraut sind, einen persönlichen Kontakt hat und sie mitträgt.“ In Taizé könnten er und seine Mitbrüder immer wieder die Erfahrung machen, dass die Jugendlichen im persönlichen Gespräch sich trauen zu sagen, was sie wirklich  bewegt.  

Die Gemeinschaft von Taizé, die 1940 von Frère Roger Schutz gegründet wurde, zählt heute an die hundert Brüder – Katholiken und Mitglieder verschiedener evangelischer Kirchen. Es ist eine zerbrechliche Gemeinschaft, wie Frère Alois verdeutlichte. Die große tägliche Herausforderung bestehe im Zusammenleben von Brüdern aus mehr als 20 Nationen. Was die Gemeinschaft trage sei, „dass Jugendliche und Erwachsene zu uns kommen“. 

Frère Alois ging auch auf die Situation der Kirchen insgesamt ein. Die meisten ihrer Mitglieder seien in einer flächendeckenden christlichen Zivilisation aufgewachsen und von ihr getragen worden. „Es ist schmerzlich, aber das liegt hinter uns.“ Diese Tatsache biete jedoch auch Chancen. Als Beispiel berichtete Frère Alois von 16 Dörfern mit Kirchen in der Umgebung von Taizé, in denen jeweils eine Familie Ansprechpartner für die Gemeinde ist. Zettel mit den Kontaktdaten hängen in den Kirchen aus. „Es sind Laien, die Verantwortung übernehmen. Sie müssen entsprechend anerkannt sein.“  


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