Redaktion der pilger

Donnerstag, 09. Dezember 2010

Botschaft von Liebe und Heil

Wir aber sind zur Mitwirkung aufgerufen – ein Beitrag von Pfarrer i.R. Bernhard Linvers

Umfragen unter der Bevölkerung zeigen uns, dass der christliche Glaube immer mehr „verdunstet“, aber die Bereitschaft, sich mit „Übersinnlichem“ zu beschäftigen nimmt zu. Der Glaube an die Auferstehung schwindet, an eine fernöstliche Wiedergeburtsvorstellung nimmt er zu. Eine neue „Konfession“ entsteht, deren Gläubige setzen sich ihre Religion zusammen in unverbindlicher Beliebigkeit. Patchwork-Religiosität wird das gerne genannt.

Auf diesem Hintergrund ist die Frage Johannes, des Täufers, mit der er aus dem Gefängnis seine Jünger zu Jesus schickt, ganz modern: „Bist du der, der da kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?“ Jesus gibt keine Antwort mit „ja“ oder „nein“, sondern er verweist die Fragenden einfühlsam auf das, was sie selbst erfahren können: Blinde erfreuen sich des Sonnenlichtes, Krüppel können ihre Glieder bewegen, Aussätzige verlieren mit der Krankheit ihre Isolation, Taube verstehen wieder den anderen, selbst Tote bleiben nicht im Tod, und die Verachteten im Land, Arme, Zöllner und Sünder, dürfen Gottes frohe Botschaft hören.

Das sind keine Versprechungen für eine ungewisse Zukunft, sondern Hinweise auf Ereignisse, die von allen wahrgenommen werden können, hier und jetzt. Und es sind Sätze aus der Bibel, wie die Propheten – vor allem Jesaja (auch in der ersten Lesung dieses Sonntages – die Ankunft des Reiches Gottes beschreiben. 

In welchem Umfeld ist dies erzählt? Israel als selbstständiger Staat existierte nicht, das Land war von den Römern besetzt. Und diese Besatzungsmacht war grausam. Die einheimische Regierung bestand aus Günstlingen der Besatzer. Der Bußprediger Johannes hat wohl gegen einen dieser Mächtigen etwas gesagt und war deshalb im Gefängnis. Er predigte gegen den Verfall der Sitten und hoffte – wie viele andere Juden auch – auf einen kraftvollen Messias, der die Besatzer vertreibt und mit Macht Gottes Reich errichtet. Und dann hört er von der Friedensbotschaft Jesu, von seiner Sorge um die kleinen Leute. Isoliert und verunsichert, seine Hoffnung auf den kommenden Messias war erschüttert, bleibt Johannes nicht in der Verzweiflung, sondern handelt und schickt seine Jünger, sich zu erkundigen. 

Johannes ist eine prägende Gestalt in seiner Zeit, aber er erkennt auch, dass ein Größerer nach ihm kommt. Er erkennt, dass dessen Botschaft weniger auf Drohung und Warnung ausgelegt ist, sondern eine Botschaft der Liebe ist und dass er damit eine neue Zeit des Heiles für alle Menschen verheißt, auch für die Sünder. Diese Liebe ist nicht weichlich, sie kann fordernd und hart werden. Fragen wir nach der Botschaft für uns.

Sind wir nicht auch „etwas Johannes“? Wünschen wir nicht manchmal, dass einer ein Machtwort spricht, damit alles wieder seine Ordnung hat (in Kirche und Gesellschaft)?  Sind unsere Enttäuschungen nicht oft eine Anfrage an Gott? Warum kannst du, Gott, zulassen, dass ich so einsam, so verlassen, so enttäuscht bin? Messen wir Gott nicht immer wieder an unseren eigenen Vorstellungen und Maßstäben? Je größer unsere Erwartungen, umso tiefer ist die Resignation, wenn sie nicht eintreten.

Wenn ich enttäuscht bin, kann es hilfreich sein, nicht über Gott zu klagen, sondern meine eigenen Vorstellungen und Wünsche in Frage zu stellen. Vielleicht will Gott mir etwas ganz Anderes sagen. Und was macht diese Botschaft des Heiles mit uns? Sie kann uns eine Botschaft der Orientierung sein, in einer Zeit, die richtungslos erscheint, in der jeder sich zusammensucht, was ihm nützlich erscheint, eine Orientierung, die hinweist, dass unser Leben mehr ist als Gewinn und Macht. Jesus Christus hat uns das Heil zugesagt – nicht nur den Mächtigen und Frommen, sondern allen – auch uns in  unseren Fehlern, Schwächen und Sünden.

Es ist nicht nur ein Geschenk für uns persönlich, das wir passiv annehmen, sondern es ist ein Geschenk an die Menschen der Welt. Wir sind als Glieder der Kirche eingeladen, dabei mitzuhelfen, dass Blinde in ihrem Leben wieder Hoffnungsschimmer sehen, dass in Beziehungen, die gestorben sind, wieder Leben kommt. Wir können mithelfen, dass Menschen, die ausgegrenzt wurden („Aussätzige“), wieder in Kirche und Gesellschaft aufgenommen werden.

In dem zurückliegenden Jahr sind viele Wunden, die in unserer Kirche geschlagen wurden, aufgedeckt worden. Unsere deutschen Bischöfe und das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken haben zu einem geschwisterlichen Dialog aufgerufen, um alle diese Probleme einer Lösung näher zu bringen.

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