Redaktion der pilger

Donnerstag, 01. September 2011

Gebraucht werden Menschen mit Überzeugungen

Die Religionslehrerinnen und Religionslehrer gestalteten den Gottesdienst im Dom mit – hier bei der Gabenbereitung. Foto: Landry

500 Religionslehrer bei Begegnungstag in Speyer

Begegnung, Gottesdienst, Dank, Impulse – das waren die wichtigsten Punkte beim Tag der Religionslehrerinnen und Religionslehrer am 26. August in Speyer. Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann hat dabei die besondere Bedeutung der Arbeit der Religionslehrer/innen für Kirche und Gesellschaft herausgestellt. Für die Demokratie sei es eine Überlebensfrage, dass junge Menschen mit Überzeugungen erzogen würden, die auch den Mut hätten, für eine letzte Wahrheit einzustehen, betonte der Bischof beim Gottesdienst zum „Tag der Religionslehrerinnen und Religionslehrer“ im Speyerer Dom. Gerade ein Staat, der neutral sein wolle, müsse den Quellen, aus denen Überzeugungen lebten, Raum geben, sagte Bischof Wiesemann mit Blick auf den Religionsunterricht. Der Begegnungstag mit rund 500 Teilnehmer/innen fand in dieser Form – aus Anlass der Geistlichen Jahres 2011 – erstmals im Bistum Speyer statt.

Das Leitwort des Geistlichen Jahres „Gottes Tempel seid Ihr“ (1. Kor 3,17) war auch das Thema der Predigt. Bischof Wiesemann hob hervor, der Dom – ein Tempel aus Steinen – sei ein wichtiger Ort der Gottesverehrung, der Begegnung, der Stille. Nicht zuletzt Kinder spürten das Heilige dieses Ortes sehr genau. Der Dom beeindrucke; aber Jesus habe in seiner Person den „Tempel“ sozusagen mobil gemacht, ihn aufgebrochen in Raum und Zeit. Der Mensch selbst, in dem Gottes Geist wohne, sei der sichtbar erfahrbare Ort der Gegenwart Gottes. In diesem Sinne seien auch die Religionslehrerinnen und -lehrer gefordert als Zeuginnen und Zeugen mit ihrer ganzen Person.

Der Bischof verwies darauf, dass Religionsunterricht sich vor allem drei Aufgaben stellen müsse: der Vermittlung von strukturiertem und lebensbedeutsamem Grundwissen über den Glauben der Kirche, dem Vertrautmachen mit Formen gelebten Glaubens und der Förderung religiöser Dialog- und Urteilsfähigkeit. Dieser Unterricht bedeute gerade heute eine große Herausforderung für die Lehrkräfte. „Ich bin Ihnen sehr dankbar dafür, dass Sie sich dieser Aufgabe stellen“, so Bischof Wiesemann.

Als „wichtige Brückenbauer“ bezeichnete zum Abschluss des Gottesdienstes Domdekan Dr. Christoph Kohl, Leiter der Hauptabteilung Schulen, Hochschulen und Bildung im Bischöflichen Ordinariat, die Religionslehrerinnen und Religionslehrer. Sie seien Vermittler für den christlichen Glauben in die Lebenswirklichkeit junger Menschen und „schlagen den Bogen von Jesus Christus in unsere Zeit“. Auf der anderen Seite würden Sorgen, Impulse, Anliegen und Zukunftsfragen durch die jungen Menschen in die Kirche hinein getragen. Den Tag der Religionslehrer wollte Christoph Kohl als „Dankeschön des Bistums“ sehen, als Ermutigung und Einladung zu einer engen Zusammenarbeit.

Im Anschluss an den Gottesdienst, den die Maria Ward Schule Landau sowie Domorganist Markus Eichenlaub musikalisch gestalteten, bot das Bistum die Möglichkeit einer Begegnung zwischen Kirche, Schule und Religionsunterricht an. Rund 40 Kooperationspartner und Verbände –  von der Caritas bis zur Jugendkirche, vom Familienbund bis zu den Religionspädagogischen Arbeitsstellen – stellten ihre Arbeit an Ständen am Dom vor und zeigten Möglichkeiten für die Schule auf.

In seinem Festvortrag fand Professor Dr. Markus Schiefer vom Institut für Katholische Theologie an der Universität Koblenz-Landau einen sehr ungewöhnlichen Zugang zum Leitwort „Gottes Tempel seid Ihr“. Er zitierte den bekannten spanischen Schriftsteller Javier Marias in Analogie zum Hitchcock-Thriller „Das Fenster zum Hof“: „Der Leser ist immer gezwungen, ein Spion zu sein, und wahrscheinlich ist er es auf dreifache Weise: Spion dessen, was man ihm erzählt und was man ihm nicht erzählt, und in dem er dieses tut, spioniert er auch noch sich selbst hinterher.“ Ebenso müssten heutige Leser, so Professor Schiefer, bei der Lektüre des ersten Korintherbriefs unterscheiden: Was erfahren sie über die Gemeindesituation der damaligen Briefempfänger tatsächlich. Aber auch: Wo ist das Informationsfeld aufgrund der zeitlichen Distanz so sehr eingeschränkt, dass sie sich unter Umständen eher selbst im „Textfenster“ gespiegelt finden. Das Ziel von Paulus sei es gewesen Juden- und Heidenchristen in der Gemeinde gleichermaßen anzusprechen, zu überzeugen, „dass zentral ist, Jesus Christus als Mitte zu finden“. 
Der Tag für die Religionslehrerinnen und Religionslehrer in Speyer endete mit einem geistlichen Impuls, den Schulseelsorger/innen im Dom gestalteten.(Redaktion)

Hinweis: Hier finden Sie Bilder vom Tag der Religionslehrer in einer umfangreichen Bildergalerie.

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