Redaktion der pilger

Donnerstag, 08. September 2011

Die ewige Verwandlung der Körper

Werke von Hans Arp sind bekannt für die runden Ausformungen: Hier die Skulptur „Muschel und Kopf“ von 1933. Foto: VG Bild-Kunst/Mick Vincenz

Der Künstler Hans Arp wurde vor 125 Jahren in Straßburg geboren

Er wollte die Natur nicht einfach nachahmen. „Wir wollen bilden, wie die Pflanze ihre Frucht bildet, und nicht abbilden“, beschrieb der deutsch-französische Künstler Hans (Jean) Arp (1886-1966) seine Auffassung von Kunst. Arp gilt als Wegbereiter für die Entwicklung der „biomorphen Plastiken“, einer Bildhauerei, die sich an organischen Formen orientiert. Vor 125 Jahren, am 16. September 1886, wurde der Bildhauer, Maler und Lyriker in Straßburg geboren, das damals zum deutschen Kaiserreich gehörte. 

Arp war einer der Begründer der Dada-Bewegung in Zürich. „Dada ist unsinnig wie die natur und das leben. Dada ist für die natur und gegen die kunst“, schrieb er. Seine Rebellion galt traditionellen Werten und ästhetischen Normen in der Kunst. 

Geboren als Sohn eines deutschen Zigarrenfabrikanten und dessen französischer Ehefrau studierte Arp bildende Kunst an der Kunstschule in Weimar und an der Académie Julian in Paris. 1911 wurde er Mitbegründer der Künstlervereinigung Moderner Bund in der Schweiz und fand Anschluss an die Künstlergruppe Blaue Reiter. Er hinterließ auch ein bedeutendes lyrisches Werk in deutscher und französischer Sprache. 

1920 nahm Arp an der Ersten Internationalen Dada-Messe in der Berliner Galerie Otto Burchard teil. Zugleich veröffentlichte er den Gedichtband „Die Wolkenpumpe“, dessen Texte Arp als „Textcollagen“ bezeichnete. Er soll Gedichte eigens in schwer leserlicher Handschrift geschrieben haben, „damit der Drucker gezwungen werde seine Phantasie spielen zu lassen und beim Entziffern meines Textes dichterisch mitzuwirken“.

Seine Inspiration zog er aus der Natur, ihren Formen und Materialien. Mit Pinsel und Tusche zeichnete Arp abgebrochene Äste, Wurzeln, Gräser, Steine. „Diese Formen vereinfachte ich und vereinigte ihr Wesen in bewegten Ovalen, Sinnbildern der ewigen Verwandlung und des Werdens der Körper.“ Seine Skulpturen tragen Titel wie „Pflanzengriffel“, „Felsgehirn“ oder „Muschel und Kopf“. Mit seiner Kunst wollte der Pazifist gegen die beiden Weltkriege protestieren, gegen Technisierung und später, in den 1950er Jahren gegen „Atompilz-Züchter“. 

Ein Jahr nach der Heirat mit der Schweizer Künstlerin Sophie Taeuber zog Arp 1923 nach Paris, wo er sich den Surrealisten anschloss. 1940 wurden Arps Werke von den Nationalsozialisten als „entartete Kunst“ eingestuft. Der Künstler fand zunächst im unbesetzten Teil Frankreichs Zuflucht, später in Zürich. Ohne Atelier, nur mit einfachen Materialien zur Hand, entstanden seine Fingerzeichnungen und die zerknitterten oder zerschnittenen Papiere, die er nach dem Zufallsprinzip ordnete. 

Sophie Taeuber-Arp starb im Januar 1943 in Zürich an einer Kohlenmonoxidvergiftung, ein schwerer Verlust für Arp. Er widmete seiner Frau viele seiner Werke.

In der Nachkriegszeit schuf Arp mehrere Großplastiken für die Universitäten von Harvard und Caracas. 1954 wurde er in Venedig auf der Biennale mit dem Internationalen Preis für Skulptur geehrt, das New Yorker Museum of Modern Art widmete ihm 1958 eine umfassende Retrospektive. 

Hans Arp starb 1966 in Basel. Alleinerbin war seine zweite Ehefrau Marguerite Arp-Hagenbach. Sie übertrug die Verwaltung für einen Teil des Arp-Nachlasses an den Verein „Stiftung Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp“, den der Kunstsammler und Mäzen Johannes Wasmuth 1977 in Remagen gründete. Wasmuth setzte sich für die Errichtung eines Arp Museums ein, das jedoch erst 30 Jahre später Realität wurde.  

Kritiker warfen dem privaten Verein „eine wundersame Werk-Vermehrung“ des Künstlers vor und bezweifelten die Echtheit einiger Exponate. Der Streit drehte sich darum, ob es sich um vom Künstler zu Lebzeiten autorisierte Werke oder um spätere Nachgüsse und Repliken handelte. Nach jahrelangen Verhandlungen einigten sich Arp-Verein und das Land Rheinland-Pfalz, das dem Verein rund 400 Kunstwerke abgekauft hatte, auf eine gemeinsame Stiftung für das Museum. 

Im September 2007 eröffnete das Arp Museum Bahnhof Rolandseck bei Remagen. Der US-amerikanische Stararchitekt Richard Meier hatte einen Neubau entworfen, der durch zwei Tunnel mit dem alten Bahnhofsgebäude verbunden ist. Die Kosten betrugen 33 Millionen Euro.

Doch nur knapp zwei Monate nach der Museumseröffnung beendete das Land die Zusammenarbeit mit dem Arp-Verein, weil dieser mindestens 14 Kunstwerke heimlich verkauft hatte, die eigentlich als Dauerleihgabe an das Museum gehen sollten. Das Land übernahm die alleinige Trägerschaft des Arp Museums Rolandseck, das 2008 unter neuer Leitung neu startete. 

Zum 125. Geburtstag würdigt das Museum seinen Namensgeber nun mit der Ausstellung „Biomorph! Hans Arp im Dialog mit aktuellen Künstlerpositionen“ die bis zum 15. Januar 2012 den Künstler als Vorreiter der zeitgenössischen organischen Abstraktion zeigt. (Andreas Rehnolt/epd)

Hinweis:
Das Arp Museum ist dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet.
Im Internet:
 www.arpmuseum.org oder www.stiftung-arp-ev.de

 

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