Redaktion der pilger

Donnerstag, 15. September 2011

Papstbesuch in Deutschland: Hoffnungen und klare Ansagen

Papst Benedikt XVI. besucht seine deutsche Heimat.

Er kann einem fast leidtun. Vor der Deutschlandreise des Papstes haben Politiker, Bischöfe und Laien, aber auch Papst- und Kirchenkritiker ganz unterschiedliche Erwartungen formuliert, was Benedikt XVI. tun und sagen muss, soll oder wird.

In einer Zeit, in der die katholische Kirche in Deutschland unter den Folgen des Missbrauchsskandals leidet und einen Dialogprozess in Gang gesetzt hat, werden Worte und Gesten des Kirchenoberhaupts besonders genau beobachtet. Programmpunkte wie das Treffen mit der Spitze der evangelischen Kirche in Erfurt sorgen ebenfalls für hohe Erwartungen.

Die katholischen Bischöfe sind deshalb hin- und hergerissen: Von einem „Jahrhundertereignis“ spricht der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch. Doch andererseits mahnen Zollitsch und der Sekretär der Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer, immer wieder davor, den Besuch des Papstes mit falschen Hoffnungen zu überfrachten. Am Ende könnte sonst Enttäuschung stehen.

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner erhofft sich vom Papst klare Ansagen für Katholiken und Protestanten. Der Erfurter Bischof Joachim Wanke erwartet ein ermutigendes Wort dazu, wie die Menschen in den neuen Bundesländern die gewonnene Freiheit noch stärker nutzen können. Und er geht davon aus, dass Benedikt XVI. die Christen in Ostdeutschland dafür loben wird, wie stark sie zur Wende von 1989 beigetragen haben. Zollitsch hofft vor allem auf „ein Fest, das Interesse an Gott weckt und viele Christen im Glauben stärkt“.

Dabei hatte der Freiburger Erzbischof kürzlich ganz konkrete Erwartungen geweckt, als er eine „barmherzige Lösung“ im Umgang der Kirche mit geschiedenen und wiederverheirateten Katholiken anmahnte. Einen Wunsch, den auch Alois Glück, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, formuliert: Er wünsche sich in dieser Frage ein Signal. „Es wäre eine wichtige Ermutigung für uns, wenn der Papst den innerkirchlichen Dialogprozess würdigen würde.“ Doch solche Hoffnungen hat Zollitsch inzwischen wieder gedämpft: Es handele sich um Fragen, die „theologisch zu durchdringen“ seien. Er gehe deshalb davon aus, „dass es bei diesem Besuch nicht zu konkreten Aussagen kommen wird“.

Hohe Erwartungen und dämpfende Mahnungen auch in der Ökumene. So betonte der Papst-Botschafter in Berlin, Jean-Claude Perisset, ein gemeinsames Abendmahl mit evangelischen Christen stehe derzeit nicht zur Debatte. Meisner erwartet sich von der Begegnung des Papstes mit protestantischen Vertretern zwar eine „Klimaverbesserung“. Dennoch werde der Papst nicht von der umstrittenen Erklärung „Dominus Iesus“ abweichen, in der Kardinal Ratzinger die Einzigartigkeit der katholischen Kirche betont hatte.

Zollitsch setzt darauf, dass Benedikt XVI. in Erfurt ein konkretes Signal für den Dialog zwischen beiden Kirchen geben wird – Konkreteres wollte er allerdings noch nicht sagen. Der Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff lenkt den Blick auf die Bewertung Luthers und der Reformation, deren 500. Jahrestag 2017 ansteht. Er könne sich vorstellen, dass beide Kirchen eine gemeinsame Erklärung darüber erarbeiten könnten, was die Reformation der Christenheit gebracht habe.

Auch die evangelische Kirche dämpft Erwartungen. Schon der Besuch des Papstes im evangelischen Augustinerkloster sei ein „ökumenisches Zeichen von hoher Symbolkraft“, sagte der Vizepräsident des Kirchenamts der EKD, Thies Gundlach. Aber: „Es wird auch danach noch eine evangelische und eine katholische Kirche geben“.

Natürlich richten sich auch mit Blick auf den Dialogprozess der katholischen Kirche viele Erwartungen an den Papst: Die Dachorganisation der katholischen Jugendverbände BDKJ erklärte, die große Mehrheit der Jugendlichen wünsche sich Fortschritte bei der Gleichberechtigung, in der Ökumene, bei der Mitsprache von Laien und eine modernere Sprache in der Kirche. Doch der BDKJ-Bundesvorsitzende Dirk Tänzler mahnt: „Wir befürchten, dass sich in absehbarer Zeit nichts Gravierendes ändert. Aber wir sind sicher, dass der Papst ein offenes Ohr für die Anliegen junger Menschen hat.“

Erwartungen formuliert auch die Politik: Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) erhofft sich „neue Impulse“ für das christliche Leben und „ein Zeichen des Zusammenhalts aller Christen in Deutschland“. Kauder würdigte es als „besonderes Verdienst“ Benedikt XVI., die weltweite Christenverfolgung „in das Bewusstsein gerückt zu haben“.

Papstbesuch: Im Fernsehen live mit dabei sein

Wenn Papst Benedikt XVI. nächste Woche zum ersten offiziellen Besuch in
sein Heimatland reist, werden die öffentlich-rechtlichen Sender, aber
auch die Privaten und Bibel TV umfassend dabei sein. ARD und ZDF planen
jeweils mehr als 13 Stunden Sondersendungen und Live-Übertragungen,
Phoenix 17 Stunden. Dazu kommen aktuelle Berichterstattung in den
Nachrichten und Sendungen, die sich mit der katholischen Kirche und
religiösen Fragen befassen. Zur Einstimmung wird Papst Benedikt XVI.
kurz vor seiner Deutschlandreise am Samstag (17. September) das „Wort zum Sonntag“ in der ARD sprechen.

Am Donnerstag (22. September) überträgt das ZDF von 10.03 Uhr bis 13 Uhr live aus Berlin die Ankunft des Papstes auf dem Flughafen Tegel,  anschließend den Empfang durch Bundespräsident Christian Wulff in
Schloss Bellevue und die Begegnung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Die Rede des Papstes vor dem Bundestag ist dann ab 15.55 Uhr in der ARD
zu sehen – genau wie die Messe, die Benedikt XVI. danach im Berliner
Olympiastadion feiern wird.

Am Freitag (23. September) ist das katholische Kirchenoberhaupt zu Gast
in Thüringen. Das ZDF überträgt von 10.40 Uhr bis 13 Uhr die Begrüßung
in Erfurt, danach den Besuch des Erfurter Doms, die Begegnung mit  Vertretern des Rates der EKD und einen Ökumenischen Wortgottesdienst.

Am Samstag (24. September) reist der Papst ins Erzbistum Freiburg. Zuvor feiert er eine Messe vor dem Erfurter Dom, die die ARD von 8.35 bis 11.40 Uhr überträgt. Ab 18.30 Uhr berichtet das ZDF von der Vigil-Feier des Papstes mit Jugendlichen auf dem Messegelände Freiburg.

Am Sonntag (25. September) schließlich, dem letzten Tag des Deutschlandbesuchs, überträgt das ZDF von 9.30 Uhr bis 13.00 Uhr vom Flughafengelände in Freiburg die Messe mit Predigt, Angelusgebet und Ansprache. 

In der pdf-Datei unten finden Sie weitere Sendungen und Sendezeiten des deutschen Fernsehens anlässlich des Papstbesuches zum Herunterladen und Ausdrucken.

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