Redaktion der pilger

Donnerstag, 15. September 2011

Was macht ein Referent des Bischofs?

Domvikar Dr. Georg Müller arbeitete seit März 2008 als Persönlicher Sekretär und Theologischer Referent von Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann; derzeit bereitet er sich auf eine neue Aufgabe vor. Foto: Landry

Domvikar Dr. Georg Müller war mehr als drei Jahre die Rechte Hand von Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann

Seit März 2008 arbeitete Domvikar Dr. Georg Müller als Persönlicher Sekretär und Theologischer Referent von Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann. Offiziell endete seine Tätigkeit im direkten Umfeld des Speyerer Oberhirten am 1. September; endgültig ausscheiden wird er jedoch erst nach der vierwöchigen Einarbeitungszeit seines Nachfolgers Manuel Wluka am 1. Oktober. Gerne blickt der 38-jährige Pries­ter auf die dreieinhalb Jahre zurück, in denen er viele prägende Erfahrungen machen konnte; gleichzeitig freut er sich auf das, was noch kommen wird.

Nur noch wenige Tage führt ihn sein  morgendlicher Weg zwischen 7.30 und 8 Uhr ins Bischofshaus, wo gegen 9 Uhr die Post darauf wartet, geöffnet zu werden, und die Bearbeitung von E-Mail-Anfragen genauso zur alltäglichen Routine gehört wie Telefonate und Gespräche mit Bischof Wiesemann über anstehende Termine oder Vorgänge. Nach dreieinhalb Jahren an der Seite des Speyerer Oberhirten weiß Domvikar Müller, wie sein Chef „tickt“, welche Abläufe zu beachten sind – kurz: wie der Laden läuft. 

Wie anders war das noch im März 2008. Damals kam Bischof Wiesemann als Nachfolger von Dr. Anton Schlembach von Paderborn nach Speyer. Müller – in dieser Zeit noch Kaplan – wirkte in der Domstadt als Religionslehrer am Edith-Stein- und am Friedrich-Magnus-Schwerd-Gymnasium, zudem am Edith-Stein-Gymnasium als Schulseelsorger. Gleichzeitig hatte er die Aufgabe des Bischöflichen Zeremoniars inne und war damit für den Einführungsgottesdienst von Bischof Wiesemann am 2. März 2008 im Dom verantwortlich. „Es gab viele Dinge im Vorfeld abzusprechen, etwa bezüglich der Fernsehübertragung, so dass ich mit dem Bischof automatisch zu tun hatte“, erinnert sich der heute 38-Jährige. 

Kurzerhand bot Wiesemann dem jungen Priester eine Zusammenarbeit auf Dauer an, und zwar als sein persönlicher Sekretär – eine Aufgabe, die Müller gerade zu Beginn seiner Tätigkeit sehr in Anspruch nahm. „Das Sekretariat musste neu aufgebaut werden, da die Sekretärin von Bischof Schlembach in den Ruhestand gegangen war“, schildert der Domvikar die Situation vor mehr als drei Jahren. „Auch hatte mir der Erfahrungshorizont eines Sekretärs gefehlt, etwa bezüglich der Fülle von Terminen oder Gesprächsanfragen.“ Und nicht zuletzt musste Müller dem neuen Bischof gerade zu Beginn seiner Amtszeit in größerem Maße als Berater und Begleiter zu Gesprächen und Terminen zur Seite stehen, „da er das Bistum und noch niemanden kannte“. Lange Arbeitstage waren die Folge.

Im Laufe der Zeit stellte sich mehr und mehr Routine ein – auch Dank Ilona Spitzfaden, die als langjährige Sekretärin von mehreren Generalvikaren jede Menge Know how mitbrachte und Georg Müller im Sekretariat unterstützte. Eine zusätzliche Arbeitsbelas­tung kam im Oktober 2010 hinzu, als Georg Müller in Münster auf Wunsch von Bischof Wiesemann begann, Kanonistik (Kirchenrecht) zu studieren. Dies bedeutete für ihn jeden Sonntag eine Anreise von 380 Kilometer, den Besuch der Vorlesung montags und dienstags sowie die Rückreise dienstagsabends. „Mittwochs saß ich dann wieder an meinem Schreibtisch.“ Die Folge: Die Arbeit von fünf Wochentagen musste an drei Tagen erledigt werden.

Und das bei einem umfangreichen Aufgabengebiet. „Die Tätigkeit des Bischofssekretärs ist abhängig vom persönlichen Kalender des Bischofs. Dabei ist man Ansprechpartner nicht nur für ihn, sondern auch für Anfragen von außen; und man muss verschwiegen und loyal sein.“ Dazu gehöre auch die Vorbereitung von Texten, etwa von Grußworten. „Das Sekretariat ist eine Querschittsstelle, bei der vielfältige Informationen für oder vom Bischof zusammenkommen und wieder weitergegeben werden“, fasst der Priester zusammen. Sogar Autogrammwünsche erreichten das Büro jede Woche, verrät der „Noch“-Sekretär.

Verwundert war Georg Müller zu Beginn seines Sekretärsjobs über die Menge an Post und an Gesprächsanfragen mit dem Bischof – „vor allem wenn man bedenkt, dass die Bedeutung der Kirche in unserer Gesellschaft zurückgeht“. Bezogen auf Speyer führt der Domvikar dieses Phänomen darauf zurück, dass die Kirche in der Domstadt immer noch einen gesellschaftlichen und kommunalen Faktor darstellt – nicht zuletzt aufgrund der vielen kirchlichen Institutionen und Kulturgüter. Allgemein glaubt er, dass viele in unserer Gesellschaft auf Repräsentationsfiguren blicken, die etwas zu sagen haben. Die Kirche als Institution wer­de nach wie vor als selbstverständlich wahrgenommen. Und für viele sei der Bischof die personifizierte Institution. Dies führe auch dazu, dass er für Din­ge verantwortlich gemacht werde, für die er nichts könne. 

Müller bemängelt auch den Umgangston, „der spürbar rauher geworden ist“ – vor allem bei den E-Mail-Zuschriften. Der Seelsorger, der aus Dahn stammt und im Jahr 2000 in Rom zum Priester geweiht wurde, sieht die Ursache für diese Entwicklung darin, „dass für viele es eine höhere Hemmschwelle darstellt einen Brief zu schreiben als ein E-Mail zu versenden“. 

Künftig kann sich der Domvikar fast völlig seinem Studium widmen, das noch bis zum Sommer 2012 dauert. „Kirchenrecht ist eine spannende Sache, und ich bin froh, dass ich das machen darf“, schwärmt der junge Pries­­ter. Zusätzlich hilft er an den Wochenenden in der Ludwigshafener Pfarreiengemeinschaft Oppau, Pfingstweide und Edigheim aus sowie in der Stiftskirche in Neustadt, wo er tridentinische Messen halten wird. Wie es nach dem Studium weitergeht, ist noch offen. „Die Entscheidung liegt bei Bischof Wiesemann“, stellt Müller klar. 

Zunächst bleibt ihm aber erst einmal mehr Zeit für seine Hobbies, etwa das Klavierspielen, Freunde treffen, lesen oder ins Kino gehen. Und er hofft auf mehr Ruhe und Stille. Nicht zuletzt „freue ich mich darauf, dass nach dem Studium eine neue Aufgabe auf mich wartet. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.“(pede)

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