Redaktion der pilger

Donnerstag, 22. September 2011

„Besuch ist eine große Chance“

Ein Willkommensgruß am Freiburger Münster. Foto: KNA

Hoffnungen: Erzbischof Robert Zollitsch zum Besuch von Papst Benedikt XVI.

Der Papst wird die Katholiken bei seinem Deutschlandbesuch ermutigen und zugleich ökumenische Zeichen setzen. Davon ist der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, im Interview mit der Katholischen Nachrichtenagentur überzeugt.

Herr Erzbischof, in diesen Tagen reist der Papst in seine deutsche Heimat. Was fasziniert Sie an Benedikt XVI.  –  als Papst und Theologe?

Ich kenne Joseph Ratzinger schon sehr lange und konnte beeindruckende Gespräche mit ihm führen. Auch ist mir ein gemeinsamer Gottesdienst mit Mutter Teresa im Freiburger Münster im Jahr 1978 eindrücklich in Erinnerung. Er ist ein herausragender Theologe, der sehr ernst die Fragen der Zeit aufgreift und es dabei auf besondere Art und Weise versteht, seine Gedanken den Menschen zu vermitteln. Im persönlichen Gespräch fasziniert mich, wie genau er zuhört und auf jede Frage eingeht. Er verfolgt interessiert, was in Deutschland passiert. Und ich gehe jedes Mal ermutigt aus unseren Begegnungen heraus und bin tief beeindruckt von der Bescheidenheit und Glaubensfestigkeit dieses Mannes.

Was wird für Sie der Höhepunkt des viertägigen Deutschlandbesuchs?

Als Freiburger Erzbischof freue ich mich besonders, dass der Papst in den Südwesten kommt. Darum ist für mich der große Gottesdienst auf dem Freiburger Flugplatz mit erwarteten 100000 Teilnehmern ein Höhepunkt des Besuchs. Ich freue mich aber ebenso über die Begegnung mit der Jugend am Abend zuvor, weil die Jugend die Zukunft der Kirche ist. Das Thema, wie der Glauben an die Jugend weitergetragen wird, ist dem Papst sehr wichtig. Als drittes möchte ich das Treffen und gemeinsame Gebet mit Vertretern der evangelischen Kirchen in Erfurt nennen.

Erwarten Sie sich vom Papst konkrete Signale oder Fortschritte in Sachen Ökumene und Aussöhnung der evangelischen und katholischen Kirche?

Es wäre für mich kaum denkbar gewesen, dass der Papst ins Land der Reformation kommt und keine ökumenischen Fragen anspricht. Nun setzt er ein deutliches Zeichen, indem er nach Erfurt reist, dorthin, wo Martin Luther gelebt hat. Allein das ist schon ein Signal. Damit wird auch deutlich, dass sein Besuch nicht nur eine allein katholische Dimension erhält. Sicher dürfen wir keine Sensationen erwarten, wie es der Papst ja selbst am Wochenende gesagt hat. Aber ich könnte mir doch vorstellen, dass der Papstbesuch uns voranbringt. Etwa indem Benedikt XVI. uns eine Art Arbeitsauftrag mitgibt. Ähnlich wie auch Johannes Paul II. bei seinem ersten Deutschlandbesuch. Und das trug dann Früchte, etwa bei der katholisch-evangelischen Einigung bei der Rechtfertigungslehre.

Mit welchen weiteren zentralen Botschaften des Papstes rechnen Sie? Hoffen Sie etwa auf eine Stärkung der Kirche in Deutschland nach der Missbrauchskrise und vor dem Hintergrund sinkender Katholikenzahlen?

Ja, er wird uns sicher Mut zusprechen, den Weg in die Zukunft in Vertrauen auf Gott gemeinsam zu gehen. Dabei wird er vielleicht auf den in der Kirche in Deutschland begonnenen Dialogprozess eingehen. Und ich rechne damit, dass der Papst der Frage nach Gott und nach der Weitergabe des Glaubens in der modernen Welt große Bedeutung einräumen wird, und was es heißt, im Glauben ein Fundament zu haben, das über diese Welt hinausreicht.

Kritik gibt es an den auf 25 bis 30 Millionen Euro geschätzten Kosten für den Besuch – sind dies berechtigte Anfragen?

Natürlich kostet der Besuch Geld, vor allem deshalb, weil wir erreichen wollen, dass möglichst viele Menschen dem Papst begegnen können. Und dabei müssen wir strenge Sicherheitsauflagen bei den Großveranstaltungen erfüllen. Aber ich denke, dieses Geld wird gut angelegt sein, weil es uns stärkt und auch ermutigt, anderen zu helfen. Die Kirche in Deutschland tut sehr viel für Menschen in Not, denken Sie etwa an die katholischen Hilfswerke. Sehr viele der 25 Millionen Katholiken in Deutschland freuen sich auf den Papst. Und es sind ja gerade diese Leute, die dann auch bei Misereor, Missio, Adveniat oder Caritas international spenden. Wenn uns der Heilige Vater besucht, dann darf uns das  auch etwas kosten. Zugleich zeigen wir Solidarität durch unseren Ostafrikafonds: Auch während der Reise machen wir deutlich, die Menschen in Ostafrika – über die derzeit kaum noch jemand spricht – sind nicht vergessen. (Interview: Volker Hasenauer)

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