Redaktion der pilger

Donnerstag, 29. September 2011

Glaubensfest und klare Worte

Papst Benedikt XVI.: In Berlin herzlich empfangen und in Freiburg herzlich verabschiedet. Fotos: KNA

Hunderttausend beim Papst-Gottesdienst in Freiburg

Hunderttausend Christen waren bei herrlichem Spätsommerwetter am Sonntagvormittag zu dem Gottesdienst auf einem nahe bei Freiburg gelegenen Flugfeld gekommen. Bei seiner Fahrt durch die Menge segnete der Papst immer wieder Säuglinge und Kleinkinder, die ihm ins Papamobil gereicht wurden. In seiner Predigt sagte Benedikt XVI., eine Erneuerung der Kirche könne nur durch Umkehr und einen erneuerten Glauben kommen. Zugleich sei es wichtig, nicht in Gewohnheiten und Strukturen zu erstarren: „Agnostiker, die von der Frage nach Gott umgetrieben werden; Menschen, die unter unserer Sünde leiden und Sehnsucht nach dem reinen Herzen haben, sind näher am Reich Gottes als kirchliche Routiniers, die in ihr nur noch den Apparat sehen, ohne dass ihr Herz vom Glauben berührt wäre.“ Der Papst ergänzte, dass keinesfalls alle kirchlichen Mitarbeiter „eher als fern von Jesus und Gottes Reich einzustufen“ wären. Er bedankte sich ausdrücklich bei den „vielen haupt- und nebenamtlichen Mitarbeitern“, ohne die kirchliches Leben nicht denkbar wäre.

Freiburgs Erzbischof Robert Zollitsch hob hervor, dass der Gottesdienst mit dem Papst die große Weite der Weltkirche anschaulich vor Augen führe: „Ich freue mich, dass Christen aus unseren Nachbarländern Schweiz und Frankreich, aber auch aus ganz Europa, ja sogar aus unserem Partnerland Peru nach Freiburg gekommen sind.“ Von den anwesenden 100 Bischöfen käme ein Fünftel aus dem Ausland.

Bei einer mit Spannung erwarteten Grundsatzrede im Freiburger Konzerthaus ermahnte Benedikt XVI. am Sonntagnachmittag die Kirche, nicht auf weltliche Privilegien zu setzen. Zugleich wandte er sich gegen eine oberflächliche kirchliche Reform. Die Kirche laufe Gefahr, sich den Maßstäben der Welt anzugleichen, warnte er. Dann gebe sie Organisation und Institutionalisierung größeres Gewicht als ihrer Berufung.

Der Papst veranschaulichte seine Ideen mit einem historischen Exkurs: Frühere Phasen der Säkularisierung seien eine Hilfe für die Kirche gewesen: Die Enteignung von Kirchengütern und die Streichung von Privilegien bedeuteten „jedes Mal eine tiefgreifende Entweltlichung der Kirche, die sich ja dabei gleichsam ihres weltlichen Reichtums entblößte und wieder ganz ihre weltliche Armut annahm“. Bereits am 24. September hatte sich der Papst vor Vertretern des Zentralkomitees der deutschen Katholiken sehr kritisch zum Zustand der Kirche in Deutschland geäußert (Beitrag auf Seite 9).

Bei einer abendlichen Gebetsfeier am Samstag (24. September) rief der Papst rund 30000 Jugendlichen zu einem entschiedenen Leben als Chris­ten auf. Es brannten Zehntausende Lichter, um zu zeigen, dass Jesus als „Licht der Welt“ die Finsternis erhellt. Bei einer Begegnung mit Vertretern der orthodoxen Kirchen hob der Pontifex die besondere Nähe der Katholiken zu den Orthodoxen hervor. Katholiken und Orthodoxe dürften deshalb „hoffen, dass der Tag nicht zu fern ist, an dem wir wieder gemeinsam Eucharistie feiern können“, sagte der Papst am Samstagnachmittag in Freiburg.

Am Samstagmorgen (24. September) hatte Benedikt XVI. bei einem Gottesdienst auf dem Erfurter Domplatz den Widerstand vieler Christen gegen das DDR-Regime gewürdigt. Viele hätten wegen ihres Glaubens persönliche Nachteile erlitten. Der Mauerfall 1989 sei „entscheidend durch die Sehnsucht nach Wahrhaftigkeit“ motiviert gewesen. Zugleich fragte Benedikt XVI. kritisch, ob die neue Freiheit „uns auch ein Mehr an Glauben“ gebracht habe.

Der Papst hatte seit 22. September  Berlin, Erfurt, das Eichsfeld und Freiburg besucht. Zu den fünf großen Gottesdiensten kamen rund 300000 Menschen. Als erster Papst hielt Benedikt XVI. im Bundestag eine Rede. In Erfurt würdigte er bei einer Begegnung mit den Spitzen der evangelischen Kirche das Glaubenszeugnis Luthers; dort traf er auch mit Missbrauchsopfern zusammen. (kna)

Stimmen zum Papstbesuch aus dem Bistum Speyer

Bereits früh am Morgen starteten die Busse mit zahlreichen Gläubigen aus dem Bistum Speyer nach Freiburg. Ziel: das Flughafengelände, wo Papst Benedikt XVI. mit rund 100000 Menschen einen Gottesdienst feierte. Der „pilger” hat nachgefragt, welche Motivation hinter der Teilnahme an der Wallfahrt steht. Hier einige Antworten – auf der Hinfahrt und auf der Rückreise.

– Das Erlebnis, mit dem Heiligen Vater die Heilige Messe zu feiern.

– Wir nehmen die Anstrengung  gerne in Kauf, weil wir unseren Papst sehen wollen.  

– Wenn schon unser Papst – ein Landsmann – nach Deutschland kommt, möchten wir die Gelegenheit nutzen, um mit ihm Eucharistie  zu feiern.

– Der Gottesdienst mit dem Heiligen Vater bedeutet  für mich eine Stärkung des Glaubens.

– Wir  möchten mit unserer Teilnahme dem Heiligen Vater zeigen, dass wir hinter ihm stehen. 

 

– Eine nicht geglaubte Begeisterung hat sich breit gemacht. Die Ausstrahlung, die von Papst Benedikt  ausgeht, ermutigt und gibt Kraft.

– Ich bin überwältigt von der gelebten Gemeinschaft.

– Die Vielfalt in der musikalischen Gestaltung hat uns zusätzlich bereichert.

– Beeindruckend war das gemeinschaftliche Bekenntnis des Glaubens aller, darunter die vielen Kinder und Jugendlichen, die diesen Gottesdienst mit gefeiert haben.“

– Die Predigt hat mich begeistert, sie wird mich noch lange bewegen.

– Für mich war es wohltuend, dass der Heilige Vater das Ehrenamt so hervorgehoben hat und allen Engagierten  seinen Dank ausgesprochen hat.

– Ich finde es cool, dass ich den Papst sehen durfte.

– Für mich war die Generationen übergreifende Gemeinschaft ein Erlebnis. Es war für mich das Sinnbild der universellen Kirche.

– Erstaunlich fand ich – bei der großen Zahl der Gottesdienstteilnehmer – die große Andacht und die Stille während der Eucharistie.

– Ein tolles Gefühl die vielen Jugendlichen zu sehen mit ihren Benedetto-Rufen.

– Wichtig war für mich, dass über den eigenen Kirchturm hinaus geschaut wurde.

– Das Erlebnis dieses Tages ermutigt und gibt Kraft,  den Glauben weiterzutragen.

– Es war schön, den Papst zu sehen und ihn ganz normal zu erleben. 

– Beeindruckend war die Atmosphäre, die Begeisterung beim Eintreffen das Heiligen Vaters. Angesprochen hat mich auch die Stille nach der Predigt und nach der Kommunion – Momente, die in einer ansonsten unruhigen, schnelllebigen Zeit Oasen der Reflexion über das Gehörte und Empfangene waren.

– Für mich als Priester war es ein tiefes Erleben, in der Nähe der Altarinsel stehen zu dürfen beim Hochgebet und beim Vaterunser. Inmitten so vieler Mitbrüder spürte man Weltkirche.

Die Stimmen hat Horst Heib für den „pilger“ gesammelt.

 

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