Redaktion der pilger

Mittwoch, 02. Oktober 2013

Ernst Gutting: Sein Leben bleibt Segen für das Bistum

Weihbischof Ernst Gutting fand schnell Zugang zu den Menschen. Seine Freundlichkeit schlug Brücken.

Am 27. September ist der emeritierte Speyerer Weihbischof Ernst Gutting im Alter von 94 Jahren gestorben.

Ernst Gutting stammte aus Ludwigshafen, wo er am 30. Januar 1919 geboren wurde. Sein Vater war christlicher Gewerkschaftssekretär, was die Familie nach 1933 ins Blickfeld der Nationalsozialisten brachte. Nach seiner Priesterweihe 1949 war Ernst Gutting Kaplan in Pirmasens, Landau und Kaiserslautern. 1956 wurde er Diözesanseelsorger für die Frauenjugend, bis ihm Bischof Isidor Markus Emanuel 1959 das Amt des Diözesanfrauenseelsorgers übertrug. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit in der Frauenseelsorge war der Aufbau eines Diözesanverbandes der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), die sich sehr bald zum mitgliederstärksten Verband im Bistum entwickelte.
Am Fronleichnamsfest 1971 gab Bischof Friedrich Wetter bekannt, dass Papst Paul VI. seiner Bitte nach einem Weihbischof entsprochen habe. Mit dem 52-jährigen Gutting hatte die Wahl des Papstes einen Speyerer Diözesanpriester getroffen, dessen Wirkungsbereich schon längst über die Grenzen des Bistums hinausgegangen war: Bereits 1968 war der damalige Speyerer Diözesan-Frauenseelsorger zum Generalpräses des Zentralverbandes der Katholischen Frauen- und Müttergemeinschaften Deutschlands gewählt worden; ein Jahr später hatte er auch die Leitung der Bischöflichen Hauptstelle für Frauenseelsorge in Düsseldorf übernommen. 1971 erhielt er im Speyerer Dom die Bischofsweihe.
Als Bischofsvikar für die Seelsorge hat Gutting, der seit 1974 auch das Amt des Dompropstes innehatte, manche neue Entwicklung in der Gemeindepastoral angestoßen und gefördert. Beispielsweise suchten unter seiner Leitung seit 1981 eine ganze Reihe von Pfarreien im Bistum ihre seelsorgliche Arbeit nach dem von der „Bewegung für eine bessere Welt“ entwickelten Modell der „Pfarrerneuerung“ auszurichten. Auch für die Umsetzung der Strukturreform in den siebziger Jahren hat er sich stark engagiert. Tiefstes Anliegen war ihm dabei immer der Aufbau einer Kirche, die in einer von Hass, Ungerechtigkeit und Krieg zerrissenen Welt zu einem Ort wirklicher Gemeinschaft und der heilenden Gegenwart Christi wird.
Bekannt geworden über das Bistum hinaus ist Weihbischof Gutting als Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für die Frauenseelsorge. In dieser Funktion hat er das 1981 erschienene Schreiben der deutschen Bischöfe „Zu Fragen der Stellung der Frau in Kirche und Gesellschaft“ maßgeblich mitverfasst. Guttings offene und mutige Worte für die Rechte der Frau in Gesellschaft und Kirche fanden nicht nur in katholischen Frauenkreisen Beachtung und Beifall. Sein 1987 veröffentlichtes Buch „Offensive gegen den Patriarchalismus – für eine menschlichere Welt“ ist ein leidenschaftliches Plädoyer für ein partnerschaftliches Miteinander von Männern und Frauen im Geist der biblischen Botschaft. Besonders eingesetzt hat sich Gutting auch für die Pfarrhaushälterinnen. Sein Engagement in der internationalen Arbeitsgemeinschaft der Pfarrhaushälterinnen hat er erst 2003 aufgegeben.
Außer der Frauenseelsorge galt das besondere Interesse Guttings der Arbeitswelt. Seit seinen ersten Kaplansjahren ist er der Christlichen Arbeiterjugend (CAJ) und der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) eng verbunden. „Die Kirche muss sich zu den Arbeitern bekehren“, so lautet einer seiner Leitsätze. Er selbst scheute sich nicht, für die Interessen der Arbeiter auf die Straße zu gehen. 1975 kämpfte er in einer Initiative der katholischen und evangelischen Kirche gegen den Abbau von 900 Arbeitsplätzen beim Speyerer Flugzeugwerk VFW mit, ebenso als die Schließung des Alcan-Aluminiumwerkes in Ludwigshafen drohte, ließ er sich von der Betriebsversammlung zum Mitglied der Verhandlungskommission wählen.
Wurde Weihbischof Gutting gefragt, wer ihn in seinem Denken am meisten beeinflusst habe, so verwies er auf die heilige Theresia von Lisieux. „Nur die Liebe zählt“ – dies testamentarische Wort, das Theresia auf dem Sterbebett sprach, wurde zu seinem Wahlspruch als Bischof. Unter diesem Leitwort hatte er schon 1965 ein Büchlein veröffentlicht, das zu den bekanntesten Einführungen in die Spiritualität der „Kleinen Therese“ in deutscher Sprache zählt. Im Leben und in der Lehre dieser Heiligen sieht Gutting, wie er im Vorwort zu dem Büchlein formulierte, „eine revolutionäre Botschaft für eine Gesellschaft, deren Götzen Leistung, Erfolg und Macht heißen, in der deshalb mehr Konkurrenz als Liebe das Zusammenleben der Menschen beherrscht“. Eine Erfahrung, die nichts an Brisanz verloren hat.
Mit Vollendung des 75. Lebensjahres hatte Gutting 1994 entsprechend dem Kirchenrecht den Papst um Amtsentpflichtung gebeten, zwei Monate später nahm Johannes Paul II. das Rücktrittsgesuch an. Damals bescheinigte der damalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Mainzer Bischof Karl Lehmann, dem Weihbischof, er habe für die Anliegen der Frauen in Kirche und Gesellschaft „viele weiterführende Anregungen gegeben und bleibende Akzente gesetzt“. Erzbischof Robert Zollitsch, derzeitiger Vorsitzender Bischofskonferenz, dankt zum Tod Guttings für dessen Wirken: „Weihbischof Gutting war für viele Gläubige ein beeindruckender Priester. Seine Predigten und Vorträge, seine Stärkung des Laienapostolats und sein Leben aus dem Geist des Konzils haben ihn geprägt.“

 

Bilder aus dem Leben und Wirken Ernst Guttings finden Sie hier in einer Bildergalerie.

 

Requiem und Beisetzung

Der Verstorbene ist aufgebahrt in der Kirche des Karmelitinnenklosters in Speyer. Die Kirche ist am Donnerstag, 3. Oktober, von 11 bis 18 Uhr, geöffnet. Requiem und Beisetzung im Dom zu Speyer am Freitag, 4. Oktober, um 11 Uhr. Der Dom ist ab 9 Uhr geöffnet.

Anstelle von Kränzen und Blumenspenden wird im Sinne des Verstorbenen um Spenden für die Indienhilfe (Pater Franklin) und für Projekte von Monsignore Pirmin Spiegel (Misereor) auf das Konto 50504 bei der Liga-Bank Speyer (BLZ 750903 00) mit dem Kennwort „Weihbischof Gutting“ gebeten.

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