Redaktion der pilger

Mittwoch, 02. Oktober 2013

„Walhalla der Pfälzer“ mit Fragezeichen

In die „Walhalla der Pfälzer“ aufgenommen wurden auch Edith Stein (zweite Reihe, Zweite von links, mit Hut), Paul Josef Nardini (hinten Mitte im Priestertalar) sowie links daneben Helene Schäffer.

Eine „Walhalla der Pfälzer“ gibt es natürlich nicht, so wenig wie es ein „Königreich Pfalz“ gab. Nur in Speyer, im Historischen Museum der Pfalz, gibt es beides vorübergehend, in der Ausstellung, die jenes imaginäre „Königreich Pfalz“ im Titel trägt.

Die Aufmerksamkeit wird auf die kurze Geschichte von 1806 bis 1918 gelenkt, in der Bayern Königreich war und die Pfalz dazugehörte. Oft wird kolportiert, dass es umgekehrt sei, wofür in der Tat einiges spricht. Und die „Walhalla der Pfälzer“ ist eine witzige Pointe dieser Ausstellung, mehr nicht, und es ist auch nicht daran gedacht, eine solche „Walhalla“ dauerhaft als ein Monument zu errichten, obwohl es natürlich genügend verdiente Persönlichkeiten gibt, deren ehrenhaftes Gedenken darin bewahrt werden könnte.
Nachempfunden ist die „Walhalla der Pfälzer“ jener Walhalla, die der bayerische König Ludwig I. bei Donaustauf in der Nähe von Regensburg errichten ließen: ein neoklassizistischer Bau im Stil eines griechischen Tempels, in dem bedeutende Persönlichkeiten „Teutscher Zunge“ mit Marmorbüsten und Gedenktafeln geehrt werden bis heute.
Eigentlich ist das Walhall in der nordischen Mythologie die Ruhestätte ehrenden Angedenkens von Soldaten, die auf dem Schlachtfeld gefallen waren, und dann auch der „Wohnort“ der Götter. Nicht so hier: In dieser Walhalla sollen Männer und Frauen geehrt werden, die sich um Volk und Vaterland verdient gemacht haben, auf welche Weise auch immer. Diese Intention hat der Freistaat Bayern fortgeführt, heute entscheidet der Bayerische Ministerrat, wer zur Ehre der Walhalla kommt. Inzwischen bevölkern 130 Büsten und 65 Gedenktafeln die Walhalla, also 195 Persönlichkeiten werden geehrt. Bei der Einweihung der Walhalla 1842 waren es bereits 160 Persönlichkeiten.
Dies nun hat die Ц„Walhalla der Pfälzer“ in der Ausstellung „Königreich Pfalz“ mit der echten Walhalla gemein: Zwar nicht in Büsten und Gedenktafeln, sondern in kolorierten zeitgenössischen Fotografien sind hier ganz unterschiedliche Persönlichkeiten, 42 an der Zahl, versammelt, denen eines gemeinsam ist: Sie haben prägende Spuren in der Pfalz hinterlassen, die meisten von ihnen auch weit darüber hinaus; und sie sind auch nicht auf die königlich-bayerische Zeit begrenzt, sondern ihre Bedeutung, ihre Einflüsse reichen bis in unsere Zeit und in die Zukunft. Natürlich dürfen die bayerischen Regenten nicht fehlen, doch um sie schart sich eine illustre Gesellschaft von Männern und  einigen Frauen, aus allen Sparten des gesellschaftlichen Lebens, allesamt Menschen, die ihre besondere Fähigkeit und Begabung in den Dienst der Gesellschaft gestellt haben.  
Natürlich spielen auch die Kirchen eine prägende Rolle in der Gestaltung der Gesellschaft. Dies kommt in der „Walhalla der Pfälzer“ in der zugegeben kleinen Zahl von drei Persönlichkeiten zum Tragen: die Diakonisse Helene Schaeffer (1885 bis 1916), die wesentlich zum Erstarken der Diakonissen-Anstalt und des diakonischen Wirkens in der Pfalz beitrug; der selig gesprochene Pfarrer Paul Josef Nardini (1821 bis 1862), der als Seelsorger die Bedeutung des sozialen Engagements in den notvollen Entwicklungen seiner Zeit vor allem in Pirmasens erkannte,  und die heilige Edith Stein (1891 bis 1942), die entscheidende Jahre ihres Lebens in Speyer verbrachte und von hier aus mit ihrer Philosophie und Theologie weit über die Pfalz hinaus wirkte. In der Ausstellung können Besucherinnen und Besucher zunächst testen, ob sie die einzelnen Persönlichkeiten erkennen, sich dann aber auch elektronisch vergewissern und einiges über sie, ihr Wirken und ihre Bedeutung erfahren, eine recht lebendige Geschichtsstunde.  
Beim Bild von Edith Stein allerdings scheint der Gag der Ц„Walhalla der Pfälzer“ allzu weit getrieben zu sein: Bei näherer Betrachtung ist an ihrem linken Ohr ein Kreuz zu sehen, wie ein Schmuckstück. Dies mag einen Bezug zu ihrer Lebensprägung durch Kreuz und Nachfolge Jesu herstellen zu wollen, geht aber völlig daneben: Nie hat Edith Stein Schmuck getragen, schon gar nicht ein solches Kreuz, zudem hätte sie sich gegen eine solche Kreuz-Darstellung heftig gewehrt. Und beim Namen Paul Josef Nardini wurde ein „von“ hinzugefügt; gewiss ist damals mit dem „von“ nicht gerade sparsam umgegangen worden, und Paul Josef von Nardini hört sich gut an, ist aber abwegig und falsch. Gott sei Dank ist diese „Walhalla“ nicht für ewig. Als Gag der Ausstellung „Königreich Pfalz“ mag es kopfschüttelnd gerade noch durchgehen. Edith Stein wird es großmütig vergeben. 

Die Ausstellung „Königreich Pfalz“ läuft noch bis zum 27. Oktober. Historisches Museum der Pfalz, Domplatz 4, 67346 Speyer. Geöffnet Dienstag bis Sonntag, jeweils 10 bis 18 Uhr; im Internet unter www.museum.speyer.de

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