Redaktion der pilger

Donnerstag, 10. Oktober 2013

Wie sagt man? Nix!

Warum fällt es Menschen so schwer, „danke“ zu sagen? Zum Sonntagsevangelium nach Lukas 17, 11–19.

Die beiden Großväter stehen mit ihrer dreijährigen Enkelin vor der Wursttheke in der Metzgerei. Die nette Verkäuferin streckt der Kleinen einen Wurstzipfel entgegen, den sie strahlend annimmt. Alle Blicke fallen auf das Kind. „Und wie sagt man?“, ermahnt der eine Opa seine Enkeltochter. Die schaut alle der Reihe nach an, um dann demonstrativ zu rufen: „Nix“.
Szenenwechsel: Seit einigen Jahren veranstaltet der Ökumenische Beirat der Polizeiseelsorge im Juli in der Kapelle bei Johanniskreuz einen Dankgottesdienst für alle Polizeibediensteten der Präsidien Rheinpfalz und Westpfalz, die in diesem Jahr ein Dienstjubiläum begehen konnten. Von den etwa 150 Beamtinnen und Beamten, die auf 25 oder 40 Dienstjahre zurückschauen, kommen durchschnittlich 15 bis 20  zu diesem Gottesdienst. Mir fällt dabei jedes Mal diese Stelle im Evangelium vom heutigen Sonntag ein, bei der auch  nur zehn Prozent der Geheilten sich bei Jesus bedankten.
Aber um diesen Dank, so werden Exegeten einwenden, geht es dem Evangelisten Lukas nicht in erster Linie. Vielmehr möchte Lukas deutlich machen, dass bei dieser Geschichte eine „Zweistufen-Heilung“ vorliegt. In der ersten Stufe heilt Jesus die zehn Aussätzigen mit den Begriffen: „Rein werden“ und „geheilt werden“, die für die medizinische Heilung stehen. Diese Heilung sollen die zehn Kranken bei den Hohen Priestern beglaubigen lassen, vergleichbar einer Untersuchung bei einem Amtsarzt heute.
Für die Zusage Jesu zur Heilung an dem Mann, der zurückgekehrt ist, verwendet Lukas aber das Wort „retten“. Dabei ist mehr gemeint als körperliche Genesung: Es geht um den ganzen Menschen mit allem, was ihn körperlich, psychisch, sozial und religiös ausmacht. Das „Retten‘“ bedeutet Heilung in der Tiefe, eine Neuschöpfung des Menschen vor Gott.
Der Mann aus Samarien, also ein Nichtjude, scheint das begriffen zu haben. Darum kehrt er um und dankt als Einziger für seine Heilung. Und was ist mit den neun Juden?
Sie gehen davon aus, dass Krankheit die Strafe Gottes für ein sündhaftes Leben ist. Darum hat man einen Anspruch auf Heilung dann, wenn man belegen kann, dass man ein anständiges Leben geführt hat. So wie es im Psalm 112 beschrieben steht: „Wohl dem Mann, der den Herrn fürchtet und ehrt, und sich herzlich freut an seinen Geboten.“  Wenn man die Gebote Gottes treu erfüllt hat, dann hat Gott keine Gründe, die Menschen mit beispielsweise Krankheiten oder dem Aussatz zu bestrafen. Also ist die Heilung vom Aussatz der Lohn für die eigenen Bemühungen, dafür, dass man ein ordentliches Leben geführt hat. Dann ist Dank überflüssig.
Anders der Mann aus Samarien: Für ihn wird die Krankheit zu einem Neuanfang, zu einem dankbaren Leben im Angesicht Gottes. Also kann trotzdem aus dieser Stelle im Evangelium die Dankbarkeit in den Blick genommen werden. Und da kann man schon die Frage stellen, warum es Menschen so schwer fällt, sich zu bedanken?
Danken kann aus tiefstem Herzen kommen, es kann aber auch als Floskel benutzt, ja vielleicht sogar fehl am Platz sein. Dann nämlich, wenn der Dank zur reinen Routine oder sogar zu einem unfreiwilligen zwanghaften Ritual wird.
Denn Dankbarkeit bezieht sich auf das, was wir nicht selbst gemacht haben, was uns von anderen gegeben, geschenkt worden ist. Wer dankt, ist sich bewusst, dass er nicht Ursprung seines Lebens, seines Glückes ist. Man hat keinen Anspruch und ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Beschenkter.  
Deutlich wird dies besonders an Jahresfesten wie Geburtstagen oder dem Beginn eines neuen Jahres. Man schaut zurück auf die vergangene Zeit und spürt eine tiefe Dankbarkeit, selbst wenn schlimme Erfahrungen diese Zeit prägen. Am Leben zu sein, die Sonne scheinen zu sehen,  geliebten Menschen begegnen zu dürfen, lässt den erahnen, dem wir dies alles „zu verdanken“ haben. Und da können wir den Dank des Mannes aus Samarien nachvollziehen.
Die kleine Enkelin bekam ein Geschenk und spürte auch gleich die Erwartungshaltung, die mit dieser Gabe verbunden war. Der wollte sie nicht gerecht werden, in diesem Alter eine völlig normale Reaktion. Schade, dass sie in Laufe des Lebens verloren geht.

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