Redaktion der pilger

Donnerstag, 10. Oktober 2013

Ein ganz besonderer Tag für Bruder Thomas

Gottesdienst mit Papst Franziskus auf der Vorplatz der Basilika in Assisi. Bild: actionpress.

Pfälzischer Franziskaner-Minorit stand in Assisi beim Papst-Gottesdienst mit am Altar.

„Dieser Papst hat es wirklich eilig, zu den Menschen zu kommen. Bereits um 7 Uhr 30 in der Frühe des 4. Oktober höre ich in meinem Zimmer das typische Rattern des Helikopters und bin kurz darauf von meinem Fenster aus Zeuge der Ankunft von Papst Franziskus in der Stadt seines Namenspatrons.“  – Bruder Thomas, aus der Pfalz stammender Franziskaner-Minorit und Seelsorger für die deutschsprachigen Assisi-Pilger, hat den Besuch des Papstes in der Stadt des großen Heiligen unmittelbar miterlebt. Beim feierlichen Gottesdienst mit  Papst Franziskus stand er als Diakon mit am Altar.
Seit der Zeit Papst Gregors IX. im 13. Jahrhundert steht die kleine Stadt in Umbrien im Blickpunkt der Päpste, und viele von ihnen waren hier, um das Grab dessen zu besuchen, der wie kaum ein anderer der Welt gezeigt hat, was Leben in den Fußspuren Jesu bedeutet. Wir Brüder des Sacro Convento bei der Grabeskirche des Heiligen schauen in gespannter Erwartung auf diesen Tag, seit 6 Uhr sind schon fast alle auf den Beinen, gilt es doch, die ersten Besucher zu empfangen. Die Konventsgemeinschaft feiert eine erste Messe in der Krypta am Franziskusgrab mit Bruder Marco Tasca, dem Generalminister der Franziskaner-Konventualen (Minoriten).

Verkündigung des Evangeliums
Am Vorabend war eine über dreistündige Probe für die Feier der Messe auf dem Vorplatz der Basilika angesetzt für die am liturgischen Dienst beteiligten Brüder und Seminaristen des umbrischen Regionalpriesterseminars. Guido Marini, der päpstliche Zeremoniar, erweist sich als sehr angenehmer Koordinator der liturgischen Funktionen und weist alle geduldig und freundlich in ihre Aufgaben ein. Als Diakon kommt mir die Verkündigung des Evangeliums zu, mit einer kurzen Gesangsprobe zeigt sich Marini zufrieden – wenn es nur morgen genauso gut klappt!

Den Menschen am Rand des Lebens nahe
Papst Franziskus beginnt sein prall gefülltes Besuchsprogramm mit einer Begegnung im Istituto Serafico, einer Einrichtung für schwerstbehinderte Kinder und Jugendliche. Unsere Gemeinschaft ist diesem Haus eng verbunden durch die tägliche Messfeier eines Mitbruders und die regelmäßigen Dienste der Novizen bei den Kindern. Das Zusammentreffen mit Kranken, Armen und Menschen am Rande der Gesellschaft durchzieht wie ein roter Faden das ganze Tagesprogramm. Franziskus bleibt seiner Maxime treu, eine Kirche auf der Seite der Armen zu proklamieren, dies tut er in Worten aber auch in deutlichen Zeichen.

Auf den Spuren des großen Heiligen
Der Besuch des Klosters San Damiano, wie auch später der Einsiedelei Carceri, der Kirche von Rivotorto und der Porziunkola-Kapelle, führt den Heiligen Vater an wichtige Ursprungsorte, an denen Franziskus seine Berufung zur Nachfolge des gekreuzigten Christus erkannte und verwirklichte.
In San Francesco ist derweil alles für die Ankunft des Papstes bereit. Meine Mitbrüder versammeln sich in der Oberkirche, um dort den Heiligen Vater zu begrüßen, der danach zu einem stillen Gebet in die Krypta an das Grab des Poverello hinabsteigt. Wir vom liturgischen Dienst stehen derweil schon in der Unterkirche bereit, jeder an seinem vorgesehenen Platz. In der Begleitung des Papstes sind auch die acht Kardinäle aus verschiedenen Kontinenten, die in den Tagen zuvor ihre erste Zusammenkunft in Rom hatten, um künftig den Papst bei der Kurienreform und der Leitung der Weltkirche zu beraten. So kommt es zu einem frohen Wiedersehen mit dem Münchener Kardinal Reinhard Marx, der vor ein paar Jahren bereits in Assisi zu Gast war. Scherzhaft ermutige ich ihn, uns doch öfter zu besuchen, wenn er jetzt hin und wieder in Rom zu tun habe.
Feierlicher Gesang eröffnet die Messfeier, ausgeführt vom Chor der Basilika San Francesco, unter der bewährten Leitung unseres Padre Giuseppe Magrino; eigens für den Papstbesuch hat er neue Messgesänge komponiert.
Die anfängliche Aufregung aller Beteiligten legt sich schnell, denn der Papst selber steht als ruhender Pol inmitten der Zelebranten. So sehr er einerseits in der Begegnung mit den Menschen seine Fröhlichkeit und sein energisches Temperament versprüht, so sehr bleibt er während der Liturgie ruhig, gesammelt und ernst. Der Evangelientext des Tages nach Matthäus gibt dem Papst dann auch ein Stichwort für seine Predigt: „Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, denn ich bin gütig und von Herzen demütig“.
Es ist ein eigenes Gefühl für mich, als Diakon bei der Liturgie die ganze Zeit an der Seite des Papstes zu sein. So außerordentlich und besonders es ist, so sehr aber doch auch wieder beruhigend und einfach. Papst Franziskus ist wirklich ein aufrechter und authentischer Mensch, der in seiner Person Stärke und Demut verbindet.

Gedanken bei Weihbischof Gutting
Oft gehen meine Gedanken in diesen Momenten auch in meine Heimat, wo genau zur selben Stunde im Dom zu Speyer das Requiem für Weihbischof Ernst Gutting gefeiert wird, der in hohem Alter nach langer Krankheit verstorben war. Er hatte mich 1980 gefirmt und ist mir immer ein Vorbild gewesen in seinem Glaubenszeugnis und seiner Hilfsbereitschaft gegenüber Menschen mit Sorgen und Problemen – ein Bischof, an dem sicher auch Papst Franziskus seine Freude gehabt hätte.
Am Ende des Gottesdienstes folgt dann noch das alljährliche Ritual der Entzündung der Votivlampe, heuer durch die Präsidentin der Region Umbrien. Seit der Zeit Papst Pius XII brennt diese einfache Öllampe am Grab des Heiligen zum Zeichen dafür, dass Franziskus Patron Italiens ist.

Mitagessen mit Bedürftigen
Nach dem Abschluss der liturgischen Feier fährt Papst Franziskus zum Mittagessen in das diözesane Caritaszentrum im unteren Stadtgebiet, um dort mit Armen und Bedürftigen zusammenzusein. Doch auch im Speisesaal unseres Klosters versammelt sich eine bunt gemischte Menschenmenge. Neben den Kardinälen und Bischöfen sind die Bürgermeister der umbrischen Gemeinden und weitere Gäste anwesend, aber auch hier ist eine große Gruppe von Bedürftigen, Menschen in sozialer und finanzieller Notlage präsent, insgesamt an die 450 Personen – der Speiseplan ist der gleiche wie in der Armenküche am Bahnhof.
Am Nachmittag stehen für den Heiligen Vater noch verschiedene Begegnungen auf dem Programm. Mit Klerus und diözesanen Laiengremien in San Rufino, mit den Klausurschwestern in Santa Chiara und am Ende mit der Jugend in Santa Maria degli Angeli. Die Verabschiedung des Papstes führt dann wieder zurück an einen ganz urspünglichen Ort: Im Kloster von Rivotorto, an dessen Stelle der heilige Franziskus mit den ersten Gefährten die früheste Zeit des gemeinschaftlichen Lebens verbrachte.

Papst in seiner „Heimatstadt“
Ein großer Tag für die Stadt Assisi und besonders für die gesamte franziskanische Ordensfamilie geht zu Ende. Doch es wäre falsch und gerade nicht im Sinne der Worte des Papstes, sich darauf auszuruhen oder gar in sentimentaler Erinnerung zu schwelgen. Im Geiste seines Namenspatrons hat es der Heilige Vater an diesem Tag prägnant formuliert: Christsein bedeutet auf Christus hören, dann vor allem losgehen, sich in Bewegung hin zu den Menschen bringen und dort missionarisch Zeugnis zu geben. Nicht anders hat  Franz von Assisi das erkannt, was das berühmte Bild der Vogelpredigt zum Ausdruck bringt: Geht hinaus und verkündet die frohe Botschaft allen Geschöpfen, in der Gewissheit, dass Gott schon dort ist, erkennbar in seiner Schöpfung, die Spur ist, die zu ihm hin führt.
Arrivederci Papa Francesco – in deiner "Heimatstadt". Pace e bene.

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