Redaktion der pilger

Donnerstag, 17. Oktober 2013

Von Kirchensteuer bis Bischöflicher Stuhl

Die Kirche und die Verwendung des Geldes wird nun offengelegt. Foto: Landry

Wie die katholische Kirche in Deutschland ihre vielfältige Arbeit finanziert – Kirchensteuer hat größte Bedeutung

Der millionenteure Umbau des Limburger Bischofssitzes bringt auch grundsätzliche Fragen zur Finanzierung der katholischen Kirche in die öffentliche Diskussion.

Kirchensteuer
In Deutschland haben die Kirchen das von der Verfassung gesicherte Recht, von ihren Mitgliedern Kirchensteuern zu erheben. Sie ist die wichtigste Finanzquelle zur Wahrnehmung kirchlicher Aufgaben in Seelsorge, Bildung und Sozialwesen. Im vergangenen Jahr erreichte die katholische Kirche in Deutschland einen Rekordwert von 5,19 Milliarden Euro an Kirchensteueraufkommen. Die Kirchensteuer wird aus Kostengründen vom Staat eingezogen; er erhält für diesen Dienst zwei bis vier Prozent des Aufkommens.
Hinzu kommen Spenden und Kollekten sowie Einnahmen aus Vermietungen und Verpachtungen, aus Stiftungen, Pensionsfonds, Kapitalerträgen und Immobilienbesitz.
Die Ein- und Ausgaben eines Bistums werden in einem jährlichen Haushalt zusammengefasst. Dieser Haushalt, der auf der Einnahmenseite vor allem die Einnahmen aus der Kirchensteuer hat, muss alljährlich vorgestellt werden.

Finanzleistungen des Staates
Darüber hinaus beziehen die Kirchen auch Finanzleistungen des Staates, die teilweise historische Wurzeln haben. So wurden 1803 zahlreiche deutsche Reichsfürsten für Gebietsverluste auf der linken Rheinseite durch Kirchengüter auf der rechten Rheinseite entschädigt. Die Fürsten verpflichteten sich im Gegenzug, den Kirchen regelmäßige Dotationen zu gewähren. Diese sogenannten altrechtlichen Staatsleistungen umfassen unter anderem die staatliche Übernahme der Gehälter von Bischöfen, Domherren und – in wenigen Fällen – auch Zuschüsse zu Pfarrergehältern. Insgesamt machen diese Leistungen rund 450 Millionen Euro für beide großen Kirchen pro Jahr aus. Mittlerweile gibt es in mehreren Bundesländern Verhandlungen über eine Rückführung oder Ablösung solcher Leistungen.

Freiwillige Fördermaßnahmen
Davon zu unterscheiden sind freiwillige Fördermaßnahmen des Staates, zu denen etwa Zuschüsse im Alten-, Sozial- und Jugendbereich, die Finanzierung der Militärseelsorge, der theologischen Fakultäten sowie des Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen gehören.

Der Bischöfliche Stuhl
Neben dem Bistum als solchem gibt es  den so genannten „Bischöflichen Stuhl“ als eigenständige Körperschaft des öffentlichen Rechts. Der Bischöfliche Stuhl kann Vermögen für kirchliche Zwecke erwerben, verwalten und veräußern. Er verwaltet auch das „Bischöfliche Tafelgut“, die „mensa episcopalis“, dessen Erträge ursprünglich dem Lebensunterhalt von Klerikern und Armen dienten. Die Ursprünge des Bischöflichen Tafelguts liegen im Mittelalter. Es stammt etwa aus Stiftungen oder Erträgen weltlicher Herrschaft vor der Säkularisierung zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Gemäß dem in der Weimarer Verfassung 1919 erstmals verankerten Selbstbestimmungsrecht der Kirchen sind die Bischöfe über die Einkünfte und Ausgaben des „Bischöflichen Stuhls“ gegenüber staatlichen Stellen nicht zur Rechenschaft verpflichtet.  

Das Domkapitel
Mit dem Domkapitel existiert eine dritte eigenständige Körperschaft des öffentlichen Rechts in einem Bistum. Auch dieses verwaltet sich selbst und ist zur Offenlegung seines eigenen Haushalts nicht verpflichtet.

 

Diözesen geben Einblick in die Finanzen der Bischöflichen Stühle

Im Zusammenhang mit der Baukostenexplosion im Bistum Limburg haben neben Speyer mehrere katholische Diözesen in Deutschland zu Wochenbeginn die Finanzen des Bischöflichen Stuhls öffentlich gemacht.

Erzbistum Köln
Der Erzbischöfliche Stuhl in Köln umfasste Ende 2012 ein Vermögen von 166,2 Millionen Euro. Davon sind nach Angaben der Erzdiözese 15,4 Millionen Euro Beteiligungen im Bereich der Wohnungswirtschaft, der übrige Teil Immobilien. Aus diesem Vermögen wurden im Jahr 2012 knapp 9,6 Millionen Erträge erzielt. Die Erträge seien wie in den Vorjahren in den Bistumshaushalt eingeflossen und dort ausgewiesen, teilte die Pressestelle mit. In Köln hat der Erzbischof die Vertretung und Verwaltung des Vermögens des Erzbischöflichen Stuhls dem Generalvikar und seiner Verwaltung anvertraut. Der Erzbischöfliche Stuhl wird damit in gleicher Weise wie das Bistum vom Kirchensteuerrat kontrolliert. Beide Rechtsträger würden jährlich von einer externen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft geprüft.

Erzbistum München-Freising
Nach Angaben des Pressesprechers des Erzbistums, Bernhard Kellner, lag die Bilanzsumme des Bischöflichen Stuhls zum 31. Dezember 2012 bei insgesamt 27,6 Millionen Euro. Darin seien alle Werte wie Immobilien und Geldvermögen enthalten. Die Bilanz werde einmal im Jahr von einem externen Wirtschaftsprüfer testiert, so Kellner.

Erzbistum Hamburg
Der Pressesprecher des Erzbistums Hamburg, Manfred Nielen, erklärte, die Gesamtrücklagen des Bischöflichen Stuhls betrügen 35 Millionen Euro. Darin enthalten seien Beteiligungen an drei katholischen Krankenhäusern sowie zweckgebundene Rücklagen für fünf Einrichtungen, deren Träger die Erzdiözese Hamburg ist. Dabei handele es sich um zwei Altenheime, zwei Kinder- und Jugendhäuser sowie ein katholisches Studentenwohnheim. Es bleibe eine frei verfügbare Rücklage von 7,5 Millionen Euro, sagte der Sprecher. Ihr aber stünden wiederum Kreditverbindlichkeiten in Höhe von 8,2 Millionen Euro für die genannten fünf Einrichtungen gegenüber.

Bistum Aachen
Des Bischöfliche Stuhl in Aachen verfügt nach Darstellung des Bistums über ein Eigenkapital von 8,2 Millionen Euro. Der Jahresabschluss werde von einer externen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft geprüft und testiert, heißt es. Über die Verwendung der Mittel entscheide der Vermögensverwaltungsrat. Der Bischof von Aachen sei an die Entscheidung des Vermögensverwaltungsrates gebunden.

Bistum Münster
Nach Angaben des Münsteraner Generalvikars Norbert Kleyboldt kalkuliert der Haushalt des Bischöflichen Stuhls in diesem und im kommenden Jahr mit einem Volumen von rund 1 Million Euro. Der Bischöfliche Stuhl habe lediglich ein Geldvermögen von derzeit rund 2,37 Millionen Euro. Daneben ist der Bischöfliche Stuhl auch Eigentümer von Immobilien. Hierbei handelt es sich aber laut Kleyboldt nicht um Immobilien, die als Geldanlage gesehen werden könnten. Vielmehr befänden sich darauf Gebäude, die für dienstliche Zwecke des Bistums verwendet werden, etwa das Gebäude des Diözesancaritasverbandes, das Bildungshaus Franz-Hitze-Haus oder das Gebäude der Katholischen Fachhochschule Münster. Es handele sich hier daher nicht um Vermögen, über das der Bischof oder ein anderer frei verfügen könnte.

Bistum Essen
Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck will künftig neben dem Bistumshaushalt auch das Vermögen des Bischöflichen Stuhls zu Essen offenlegen und extern prüfen lassen. Nach Bistumsangaben umfasst der Bischöfliche Stuhl zu Essen derzeit Vermögenswerte in Höhe von 2,2 Millionen Euro. Davon könne der Bischof lediglich über knapp ein Zehntel frei verfügen. 

 

Bischöflicher Stuhl im Bistum Speyer verfügt über 46,5 Millionen Euro

Das Bistum Speyer hat am 14. Oktober die Finanzen des Bischöflichen Stuhls offen gelegt. Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann reagiert mit diesem Schritt auf die Verunsicherung vieler Katholiken angesichts der aktuellen Situation, die sich aus dem Fall um den Limburger Bischof Tebartz-van Elst ergeben hat.
Der Bischöfliche Stuhl ist eine selbständige Körperschaft des öffentlichen
Rechts, die in ihrer heutigen Form seit der Neuerrichtung des Bistums Speyer im Jahr 1817 besteht. Lange vor Einführung der Kirchensteuer zu Beginn des 20. Jahrhunderts lag die Funktion der Bischöflichen Stühle darin, die Ausgaben für bischöfliche Aufgaben und die Seelsorge in den Bistümern zu finanzieren.
Aktuell hat der Bischöfliche Stuhl im Bistum Speyer ein Vermögen in Höhe von rund 46,5 Millionen Euro. Es handelt sich um ein langfristig angelegtes
Stammvermögen, das nicht angetastet wird. Nur die Erträge werden verwendet, und zwar für kirchliche, mildtätige und caritative Zwecke. Mit den Erträgen aus dem Vermögen des Bischöflichen Stuhls werden pastorale und caritative Projekte im Bistum Speyer gefördert. Ein Beispiel für die Verwendung der Erträge aus dem Bischöflichen Stuhl sei das Geistliche Zentrum Maria Rosenberg, so Bistumssprecher Markus Herr. Vor der Übergabe der Trägerschaft im April 2012 an andere kirchliche Träger kam der Bischöfliche Stuhl für die ungedeckten Kosten des Bildungshauses, der Jugendhilfe- und der Altenhilfeeinrichtung auf dem Rosenberg auf. Auch die Renovierung der Gnadenkapelle wurde durch den Bischöflichen Stuhl unterstützt.
Der Bischöfliche Stuhl hat einen Verwaltungsrat unter dem Vorsitz des Bischofs. Ihm gehören der Generalvikar, der Kanzleidirektor und der Leiter des Bischöflichen Rechtsamtes an. Mit der Bewirtschaftung des Bischöflichen Stuhls ist die Bischöfliche Finanzkammer betraut.
In den letzten Tagen hatten sich viele Gläubige mit Sorge an den Bischof und das Bischöfliche Ordinariat gewandt. „Wir nehmen diese Sorgen ernst“, begründet Bischof Wiesemann seine Entscheidung zur Offenlegung der Finanzen des Bischöflichen Stuhls und stellt klar: „Es sind keine Kirchensteuern von Katholiken aus dem Bistum Speyer zur Finanzierung des Diözesan-Zentrums in Limburg verwandt worden.“ (red)   

 

Artikel teilen:

Weitere Nachrichten

04.08.21
Redaktion der pilger

Wir müssen solidarisch bleiben

Vor allem die Schwachen im Blick behalten. Die Corona-Krise in Deutschland ist nach...
04.08.21
Redaktion der pilger

Brauch aus dem Mittelalter

Am Samstag, 7. August, lädt die Saliergesellschaft Speyer zum 30. Mal zum...
04.08.21
Redaktion der pilger
News-Feed (RSS) von der Zeitungsseite in die Webfamilie

Thema Frieden im Blick

Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung sind zentrale christliche...
04.08.21
Redaktion der pilger

Täglich eine warme Mahlzeit

Das Heinrich Pesch Haus versorgt Bedürftige mit kostenlosem Mittagessen. Bislang...
28.07.21
Redaktion der pilger

Selbst handeln

Jesus appelliert an unsere Glaubenskraft
21.07.21
Redaktion der pilger

Große Solidarität nach der Flut

Der Ruf nach mehr Klimaschutz wird zunehmend lauter
21.07.21
Redaktion der pilger

Hilferuf aus Indien

Pater Franklin Rodrigues bittet um Unterstützung
21.07.21
Redaktion der pilger

Künstlerischer Zweiklang

Zweibrücken und Pirmasens präsentieren gemeinsame Doppelausstellung
21.07.21
Redaktion der pilger

Sich annehmen und neue Wege gehen

„Men‘s Spirit Group“ ist eine neues Angebot für Männer mit und ohne...
21.07.21
Redaktion der pilger

Sogar über Jesus herrschen wollen

Anfrage an das Selbstverständnis der Kirche
15.07.21
Redaktion der pilger

Schlechtes Gewissen nach Austritt

Warum Thomas Wolf nach zehn Jahren wieder in die Kirche eingetreten ist
15.07.21
Redaktion der pilger

Welche Zukunft wollen wir?

Es ist wichtig, dass Christen sich im Bundestagswahlkampf einmischen
14.07.21
Redaktion der pilger
News-Feed (RSS) von der Zeitungsseite in die Webfamilie

Die dritte Kneipp-Kita im Land

Kindertagesstätte in Herxheim zertifiziert – Wasser, Bewegung, gesundes Essen
14.07.21
Redaktion der pilger

Bauen, falten, malen

Kreatives Ferienprogramm für Kinder im mpk
14.07.21
Redaktion der pilger

Gottes Werberin

Eva Jung ist davon überzeugt, dass Glaube und Werbung gut zusammenpassen
14.07.21
Redaktion der pilger

Wie Schafe ohne Hirten

Die Menschen suchen nach Orientierung
07.07.21
Redaktion der pilger

Tacheles zu Altersvorsorge geredet

Die „Allianz gegen Altersarmut“ hat sich in einem Workshop mit den Auswirkungen der...
07.07.21
Redaktion der pilger

Ein Stück Dom für zu Hause

Besondere Dom-Steine zum Welterbe-Jubiläum sind in Speyer schnell ausverkauft
07.07.21
Redaktion der pilger

Menschen nicht im Abseits lassen

Pandemie verschärft die Armut: Erzbischof Leonardo Steiner berichtet aus Manau
07.07.21
Redaktion der pilger

Pfälzer ist Sprecher der Hilfswerke

Pfarrer Pirmin Spiegel aus dem Bistum Speyer mit zusätzlicher Aufgabe
07.07.21
Redaktion der pilger

„Kultur des Ehrenamts“ etablieren

Bistum Speyer möchte freiwilliges Engagement durch konkrete Maßnahmen dauerhaft...
07.07.21
Redaktion der pilger

Kirche bedeutet Gemeinschaft

Der „Synodale Weg“ ist im Evangelium begründet
05.07.21
Redaktion der pilger

Ein Garten für alle Menschen

Der Garten der Religionen wurde offiziell am 24. September 2015 eröffnet....
05.07.21
Redaktion der pilger

„Wir feiern jeden Freitag Schabbat“

Viele Deutsche hätten noch nie einen Juden „live und in Farbe“ getroffen. Das sagt...
05.07.21
Redaktion der pilger

Brandaktuell

Der Prophet gilt nichts im eigenen Land
30.06.21
Redaktion der pilger
News-Feed (RSS) von der Zeitungsseite in die Webfamilie

Wer ein großes Feuer in sich trägt

Pfarrei Germersheim feiert den 200. Geburtstag ihres Namenspatrons Paul Josef...
30.06.21
Redaktion der pilger

Nur verschoben

In Duttweiler wird der Weltgebetstag nachgefeiert
28.06.21
Redaktion der pilger

Wandel – JETZT!

Online-Werkstatt zur öko-sozialen Transformation am 9. Juli von 15 bis 21 Uhr
24.06.21
Redaktion der pilger

Christen in der Vorreiterrolle

Großes Ziel für die Zukunft von Menschheit und Erde
24.06.21
Redaktion der pilger

Eucharistiewürdig?

US-Bischöfe überlegen, Politikern die Kommunion zu verweigern
24.06.21
Redaktion der pilger

Solilauf wieder virtuell

Unterstützung für Bau eines neuen Kindergartens in Uganda
24.06.21
Redaktion der pilger

Zutrauen lässt aufleben

Wie Jesus das tote Mädchen auferweckt und sich sorgt, dass sie zu essen bekommt
24.06.21
Redaktion der pilger
News-Feed (RSS) von der Zeitungsseite in die Webfamilie

Auf Spuren von Paul Josef Nardini

Fahrt für Leserinnen und Leser von „der pilger“ vom 1. bis 3. September
16.06.21
Redaktion der pilger

Papst mahnt Nachhaltigkeit an

Botschaft an UN-Ernährungsorganisation
16.06.21
Redaktion der pilger

Altes Gemälde aufpoliert

Förder- und Freundeskreis Maria Rosenberg ermöglicht Restaurierung
16.06.21
Redaktion der pilger

Kommen stärkere Stürme?

Ruhe wird es allein in Jesus Christus geben
16.06.21
Redaktion der pilger

„Es muss alles auf den Tisch“

Der Theologe Peter Dabrock erklärt, wie die Fehler der Politik in der Pandemie...
16.06.21
Redaktion der pilger
News-Feed (RSS) von der Zeitungsseite in die Webfamilie

Mit Mut und Kraft Neues ausprobieren

Generalpräses bestärkt die Kolpingfamilien
16.06.21
Redaktion der pilger

Bettelorden in Speyer

Vor 800 Jahren kamen die ersten Franziskaner nach Deutschland
09.06.21
Redaktion der pilger

Geduld und Sachverstand

Mit dem Eidechsenfänger Marco Wagemann auf Spurensuche
Treffer 1 bis 40 von 4297