Redaktion der pilger

Dienstag, 22. Oktober 2013

600 Jahre Geschichte mit großer Wirkung

Einer der Höhepunkte der Wittelsbacher-Ausstellung: Relief des Pfalzgrafen bei Rhein vom Mainzer Kurfürstenzyklus. Foto: rem/Carolin Breckle

Mannheim: Ausstellung „Die Wittelsbacher am Rhein“ im Museum Zeughaus und im Barockschloss

Vor 800 Jahren begann die reiche und zugleich wechselvolle Geschichte der Wittelsbacher am Rhein, die nahezu 600 Jahre dauern sollte – und die Kurpfalz zum Mittelpunkt Europas machte. Bis heute prägt sie das Gesicht dieser Region; ihre Spuren sind allgegenwärtig, nicht nur in großartigen Bauwerken, sondern auch in lebendigen Traditionen und – erstaunlicherweise – im Bewusstsein der Menschen. Diese 600 Jahre Geschichte zeigt derzeit in Mannheim die sehenswerte, große Ausstellung „Die Wittelsbacher am Rhein. Die Kurpfalz und Europa“.
1214 ist das „Startjahr“. Die Wittelsbacher erhielten von Stauferkaiser Friedrich II. die Pfalzgrafschaft bei Rhein, die das wichtigste weltliche Fürstentum im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation war. Dieses königliche Amt hatte einen höchsten Rang im Reichsgefüge, das in der berühmten „Goldenen Bulle“ von 1356 rechtlich – vor allem erbrechtlich – festgeschrieben wurde: die Pfalzgrafen bei Rhein erhielten das Recht der Kurstimme bei der Königswahl und vor allem den Vorsitz im Königsgericht, zeitweise trugen sie selbst die Königswürde. 1803 fand die Herrschaft der Wittelsbacher in der Kurpfalz – zusammen mit der Kurpfalz und dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation insgesamt – ihr Ende.
Diese sechs Jahrhunderte dauernde Geschichte ist nun in der Wittelsbacher-Ausstellung aufgearbeitet. Nach der Staufer-Schau vor drei Jahren ist dies die zweite die Bundesländer Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg übergreifende Ausstellung, die sich einem bedeutenden Herrschergeschlecht und seiner Geschichte widmet. Darüber hinaus nimmt sie die Kulturgeschichte dieser Region insgesamt in den Blick, mit ihren Auswirkungen auf die Reichspolitik, die Kirchengeschichte und Europa. Sie ist zweifellos der Höhepunkt dieses Wittelsbacherjahres 2013/2014.
Doch 600 Jahre Geschichte sprengen den Rahmen einer einzigen Ausstellung, weshalb sie auf zwei Orte verteilt wurde: Im Museum Zeughaus der Reiss-Engelhorn-Museen wird die Geschichte der Wittelsbacher im Mittelalter von 1214 bis 1504 präsentiert, im Mannheimer Schloss die der Neuzeit bis zur Auflösung der Kurpfalz 1803. Die Streiflichter – mehr kann eine solche Ausstellung selbst bei dieser Aufteilung nicht bieten – fügen sich zu eine repräsentativen Gesamtbild. Doch die Ausstellung zeigt nicht nur zahlreiche spektakuläre Exponate, über 600 an der Zahl, sondern basiert auf den neuesten Ergebnissen der Forschung, die in dem opulenten, zweibändigen Katalogbuch veröffentlicht sind, ein Standardwerk über die Dynastie der Wittelsbacher und die Geschichte der Kurpfalz.
Im Mittelalterteil der Ausstellung geht es zunächst um die Anfänge der Wittelsbacher-Herrschaft, die Herkunft der Familie und ihren Aufstieg im Reich: 1180 wurde Otto von Wittelsbach Herzog von Bayern, 1214 erhielt Herzog Ludwig I. die Pfalzgrafschaft bei Rhein, und 1356 wurden die Wittelsbacher Kurfürsten. Damit ist eine erste Blütezeit der Herrschaft festzumachen, die durch die zentrale Lage an Rhein und Neckar gefördert wurde; Heidelberg wurde nicht nur zur Residenz, sondern zum kulturellen und politischen Mittelpunkt, was sich vor allem auch in der Gründung der Universität 1386 ausdrückte.
Die Reformation und die Konfessionalisierung in der Kurpfalz steht am Beginn des Neuzeitteils der Ausstellung, ebenso die Ausweitung der Herrschaft bis hin nach Jülich und Berg am Niederrhein mit der Residenz in Düsseldorf. Ein wichtiger Punkt ist dann zweifellos die Verlegung der Residenz nach Mannheim 1720, der Bau der „Quadratestadt“ und des imposanten Barockschlosses – Mannheim wurde zu einem bedeutenden kulturellen und gesellschaftlichen Zentrum, in dem Kunst, Literatur, Musik, Theater, aber auch die Wissenschaften blühten. Diese glanzvolle Epoche endet mit dem Aussterben der bayerischen Wittelsbacher 1777, nach dem die Linien der Pfalz und Bayern vereinigt wurden: Die Residenz wurde nach München verlegt und diese Entwicklung mit dem Tod Carl Theodors 1799 endgültig besiegelt.
Eine Ausstellung lebt von bedeutenden Exponaten, und davon wird in Mannheim einiges geboten. So ist die Goldene Bulle von 1356 zu sehen, die seit diesem Jahr zum Weltdokumentenerbe gehört – sicher ein Höhepunkt der Ausstellung; ebenso wie zehn kostbare Bildhandschriften, die zur Bibliotheka Palatina gehören und aus dem Vatikan nach Mannheim kommen, zumindest für begrenzte Zeit. Auch wird die Darstellung des Pfalzgraf bei Rhein als Ritter in Rüstung gezeigt, ein Sandsteinrelief aus dem 14. Jahrhundert, das zum ersten Mal ausgeliehen wurde, der Codex Balduini Trevirensis, eine Bilderhandschrift ebenfalls aus dem 14. Jahrhundert, der „Böhmische Reichsapfel“ des „Winterkönigs“ Friedrich V., die Rüstung Friedrichs des Siegreichen sowie die Büste von Kurfürst Ottheinrich von der Pfalz, weitere beeindruckende Herrschergemälde, darunter auch interessante Familienbilder, unter anderem von Ludwig, dem ersten Pfalzgraf, und König Ruprecht; aus der Heiliggeistkirche in Heidelberg kam das Doppelgrabmal von König Ruprecht und seiner Gattin in die Ausstellung. Und dies sind nur einige wenige der vielen Exponate aus bedeutenden Sammlungen und Museen, die jetzt in Mannheim zu bestaunen sind. (kh)
 
Die Ausstellung „Die Wittelsbacher am Rhein. Die Kurpfalz und Europa“ ist bis zum 2. März 2014 in Mannheim zu sehen – im Museum Zeughaus der Reiss-Engelhorn-Museen (C 5) und im Barockschloss Mannheim. Öffnungszeiten (Museum und Schloss):
täglich, auch an Feiertagen (außer 24. und 31. Dezember), 11 bis 18 Uhr. Eintritt: 14 Euro (ermäßigt 12 Euro, weitere Ermäßigungen). Begleitprogramm, öffentliche Führungen. Katalog
(zwei Bände, 992 Seiten, reich bebildert): 39.95 Euro im Museum; 59 Euro im Buchhandel.
Weitere Informationen unter Telefon 0621/293-3150,
oder im Internet unter www.wittelsbacher2013.de

 

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