Redaktion der pilger

Mittwoch, 30. Oktober 2013

Interessenvertretung für Priester und Diakone

Engagieren sich im Klerusverein für ihre Kollegen: Der Herxheimer Pfarrer Arno Vogt (links) und der Queidersbacher Pfarrer Steffen Kühn. (Foto: red)

Klerusverein im Bistum Speyer zählt rund 250 Mitglieder – Wichtiges Netzwerk in schwierigen Zeiten

In den gegenwärtigen Zeiten des Umbruchs und der Neuorientierung könne der Klerusverein für die Priester und Diakone eines Bistums eine wichtige Stütze sein, sagen Pfarrer Arno Vogt und Dekan Steffen Kühn. „Und darum bemühen wir uns“, unterstreichen Vogt, Vorsitzender des Speyerer Klerusvereins, und sein Stellvertreter im Gespräch mit dem „pilger“.

Im Bistum Speyer sind rund 230 Priester Mitglied des Klerusvereins und ebenso zwanzig Diakone. Im Klerusverband der bayerischen Diözesen, dem Dachverband der Klerusvereine, sind rund 3300 Geistliche organisiert. Aus historischen Gründen gehört das Bistum Speyer zur Bayerischen Bischofskonferenz. Im Gewerkschaftsjargon würde man von einem „hohen Organisationsgrad“ sprechen.
In der Tat hat der Klerusverein teilweise die Funktion einer Gewerkschaft, ist Interessen- und Standesvertretung der Geistlichen – wenn es um dienstrechtliche Fragen, um Arbeitsbedingungen oder auch um Neuerungen in der Besoldungsordnung geht. „Es ist wichtig, mit einer Stimme zu sprechen – auch gegenüber der Bistumsleitung“, betont Pfarrer Vogt, der lange als Seelsorger in St. Ingbert gearbeitet hat und seit Sommer 2012 Pfarrer von Herxheim ist.
Steffen Kühn, Pfarrer in Queidersbach und Kaiserslauterer Dekan, und Arno Vogt sind beruflich voll ausgelastet, aber das Engagement im Klerusverein ist ihnen wichtig – weil sie am Limit arbeiten und wissen, dass es den Kollegen ähnlich geht. Regelmäßige Treffen, Möglichkeiten zum Austausch – das sei in schwierigen Zeiten besonders wichtig. Hierzu dienen die Mitgliederversammlungen, die sich immer auch mit einem inhaltlichen Schwerpunkt beschäftigen. Meist nimmt der Generalvikar an den Treffen teil, um sich den Fragen, den Anliegen – und der Kritik der Geistlichen zu stellen. Tradition hat inzwischen der jährliche Nardinitag, ein Begegnungstag der Priester, zu dem Klerusverein und Bischof einladen. Pilgerfahrten, Studienreisen und Exerzitien haben auch das Ziel, Gemeinschaft wachsen zu lassen, wie Dekan Kühn erläutert. Treffen mit dem Bischof spielen für beide Seiten eine wichtige Rolle, denn das gute Verhältnis zwischen Oberhirten und Seelsorgern bestimmt  nicht unerheblich die Atmosphäre in einem Bistum mit.
Wenn Geistliche sie darum bitten, klinken sich Vogt und Kühn bei Unstimmigkeiten oder Klärungsbedarf ins Gespräch mit Personalchef, Generalvikar oder Bischof ein. Ganz praktische Dinge könnten das sein – etwa zur Berechnung des Kilometergeldes in Dias-pora-Regionen, wo die Seelsorger mit ihrem Privat-PKW enorme Strecken zurücklegen müssen. Aber genauso kann es um die Ursachen und Folgen gesundheitlicher Einschränkungen gehen. „Wir wollen Anwaltschaft für unsere Mitglieder übernehmen“, sagt Dekan Kühn. Angesichts zunehmender Belastungen für die Geistlichen, wäre ein Priesterseelsorger mit einer entsprechenden Ausbildung eine Hilfe. Man dürfe nicht übersehen, dass eine zunehmende Zahl von Priestern körperlich und psychisch krank werde. Gerade mit „Gemeindepastoral 2015“ zeige sich die wachsende Beanspruchung.
Trotz vieler positiver Aspekte mit dem Zukunftskonzept – Kühn erprobt es als Leiter der Projektpfarrei Queidersbach in der Praxis – schauen beide Priester nicht nur zuversichtlich darauf. Übereinstimmend sehen Vogt und Kühn die Gefahr, dass Priester mehr als bisher zu Einzelkämpfern werden und vereinsamen. „Wir müssen uns Räume von Begegnung und Gemeinschaft offenhalten, Freundschaften pflegen, übers Berufliche hinaus“. Denkbar seien Wohngemeinschaften für Priester.
Die Situation der Priester im Ruhestand nimmt der Klerusverein ebenso in den Blick. Die Lebensumstände der rund 140 Pensionäre sind höchst unterschiedlich, wissen Vogt und Kühn. Manche fühlen sich allein gelassen, man braucht sie nur noch, wenns irgendwo brennt.“ Mit Blick auf „Gemeindepastoral 2015“ fragen die beiden nach der künftigen Rolle der Pensionäre: „So lange er kann, soll jeder auch im Ruhestand so viel mitarbeiten können, wie er will“, sagt Vogt. Ganz praktisch denken Vogt und Kühn an „gestufte Modelle der Mitarbeit“, „einen gleitenden Übergang in den Ruhestand“, an „gemeinsame Mittagstische“ und an ein Priesteraltenheim.
Beim Thema „Gemeindepastoral 2015“ begrüßt der Klerusverein mehr Partizipation der Laien und die stärkere Teamarbeit. Und sieht noch manchen Klärungsbedarf, etwa zur Rolle der mittleren Ebene, der Dekanate. Zugleich hoffen Kühn und Vogt sehr auf die versprochene Verwaltungsentlastung der Pfarrer. (rn)

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