Redaktion der pilger

Freitag, 07. Februar 2014

Zukunft des Bistums mitgestalten

Maria Faßnacht, Vorsitzende des Diözesan-Katholikenrates. Sie wünscht sich bei Finanzen mehr ehrenamtliche kompetente Laien in den Gremien. Foto: privat

Maria Faßnacht über wichtige Themen des Katholikenrates

Am 15. Februar tagt im Christophorushaus in Bad Dürkheim die Vollversammlung des Speyerer Diözesan-Katholienrates. Wir haben mit der Vorsitzenden Maria Faßnacht über wichtige Themen der Tagesordnung gesprochen.

Frau Faßnacht, das Bistum hat seine Finanzen offengelegt. Der Katholikenrat hatte das Thema beim zurückliegenden Forum zur Gemeindepastoral 2015 auf die Tagesordnung gesetzt. Sind Sie zufrieden?
Der Katholikenrat hat diesen Antrag gestellt, als gerade die Situation im Bistum Limburg eskalierte. Die dortige Krise hat sehr stark an der Glaubwürdigkeit der Kirche gerüttelt. Massive Austrittszahlen sind dafür Ausdruck. Die Öffentlichkeit forderte Konsequenzen. Dass die deutschen Bistümer aufgrund der Geschichte Vermögen haben, ist an sich noch nicht ehrrührig. Aber notwendig ist Transparenz auf allen Ebenen, damit nachgewiesen werden kann, wofür das Geld eingesetzt wird. Wie sagte Papst Franziskus: „Geld muss dienen und darf nicht regieren.“ Deshalb hat der Katholikenrat die Offenlegung der Finanzen gefordert, und das Bistum hat sie versprochen. Die Zusage wurde eingehalten. Das wissen wir zu würdigen. Zum 22. Januar wurden erstmals alle diözesanen Haushalte im Internet veröffentlicht. In den kommenden  Vollversammlungen des Pastoralrates und des Katholikenrates haben alle Mitglieder Gelegenheit, kritisch nachzufragen.

Abgesehen vom Diözesansteuerrat sitzen in den Aufsichtsgremien für die diözesanen Haushalte nur Priester, Mitglieder der Bistumsleitung bzw. Beschäftigte des Bischöflichen Ordinariates. Halten Sie es für sinnvoll, dass diese Gremien geöffnet werden, zum Beispiel für vom Katholikenrat benannte Mitglieder?
Ja unbedingt. Ich bin auch sicher, dass sich ehrenamtliche Fachleute finden würden, die mit Sachverstand und Sensibilität in den jeweiligen Aufsichtsgremien Kontrollfunktionen wahrnehmen könnten. Auch das würde zur Transparenz und Glaubwürdigkeit beitragen.

Bei der kommenden Vollversammlung des Katholikenrates geht es erneut um Gemeindepastoral 2015. Wo sehen Sie hier derzeit besonderen Gesprächsbedarf?
Unsere beiden diesjährigen Vollversammlungen dienen jeweils der Vorbereitung der beiden Foren 2014. Es geht vor allem um Entscheidungen für die Rätestrukturen in den neuen Pfarreien und zukünftigen Gemeinden und die Standards für die Grunddienste.  Ehe wir unser Votum abgeben, müssen wir noch einmal genau auf die Erfahrungen der vier Projektpfarreien hinschauen.

Bistumsleitung und Katholikenrat treffen sich derzeit bei Jugendforen mit jungen Leuten. Wie „laufen“ die Veranstaltungen?
Diese sechs Jugendforen gehören zu der Dialoginitiative unseres  Bistums, die der Katholikenrat 2011 initiiert hat. Wie bei den 27 Dialogabenden im letzten Jahr stellen sich  der Bischof und der Generalvikar sowie Vorstandsmitglieder des Katholikenrates den Fragen. Die Jugendforen sind sehr gut vorbereitet und bestens beworben. Die vorgeschlagenen Themenbereiche berühren die ganze Bandbreite der Lebenswelten junger Menschen. Trotzdem ist die Beteiligung an den zurückliegenden beiden Tagesveranstaltungen äußerst mager. Es wird dadurch erschreckend deutlich, dass Kirche für viele junge Menschen kaum noch eine Rolle spielt, ja dass noch nicht einmal Bedarf zur kritischen Nachfrage besteht. Dennoch nehme ich positiv wahr: Die wenigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten ohne Scheu auf hohem Niveau und waren beeindruckt, dass der Bischof keine Fragen tabuisiert.

Der Katholikenrat beschäftigt sich mit sehr vielen innerkirchlichen Fragen. Wie steht es mit seinem Auftrag, in die Gesellschaft hineinzuwirken?
In der Tat: Schon seit der Ankündigung von „Gemeindepastoral 2015“ drehen sich viele Sitzungen um die Zukunft unseres Bistums. Wir haben die Möglichkeit, ernsthaft mitzureden und mitzugestalten; so sind viele unserer Kräfte gebunden. Aus zahlreichen Rückmeldungen wissen wir, dass viele Menschen in den Gemeinden dankbar sind, dass sich der Katholikenrat einmischt. Das ist eine große Verpflichtung für uns. Dass der Katholikenrat auch die Nöte der Welt im Blick hat, zeigt die Initiative „Allianz gegen Altersarmut“ und die Kampagne „Gutes Leben. Für alle!“.
Die bereits 2010 vom Katholikenrat bzw. seinem Ausschuss „Arbeit und soziale Gerechtigkeit“ ins Leben gerufene  Allianz wird von Gewerkschaften und kirchlichen Verbänden getragen und lädt jedes Jahr zu Veranstaltungen mit hochkarätigen Fachleuten ein.
Unser jüngstes Kind ist die im letzten Jahr gegründete Kampagne „Gutes Leben. Für alle!“, deren Träger der Katholikenrat, das Bistum Speyer und das Hilfswerk Misereor sind. Wir laden ein, Verantwortung für die Schöpfung und für mehr weltweite Gerechtigkeit zu übernehmen – verbunden mit Anregungen für eine Änderung des Konsumverhaltens zugunsten eines nachhaltigen Lebensstils. Dazu gehört auch, Menschen zu motivieren, sich politisch zu engagieren und einzumischen.
Um dieses Ziel nur annähernd zu erreichen, bedarf es vieler Anstrengungen und vor allem vieler Mitstreiterinnen und Mitstreiter. So bieten wir zur Zeit in allen Pfarrverbänden Informations- und Diskussionsabende an, um gemeinsam mit den Gremien und Verbänden vor Ort Projekte zu finden, wie „Gutes Leben für alle“ gelingen kann.

Bald beginnt die Fastenzeit, Gelegenheit zur Besinnung, zum Umdenken, zur Umkehr. Haben Sie solche Aspekte auch im Blick?
Wir sind uns bewusst, dass gerade wir Christinnen und Christen eine besondere Verantwortung für unsere Schöpfung und für weltweite Gerechtigkeit haben, und wir machen deshalb in diesem Kontext auch spirituelle Angebote. Für den Aschermittwochsgottesdienst gibt es Text-und Materialbausteine und für die Fastenzeit vom BDKJ ausgearbeitete Frühschichten zum Thema „Gutes Leben. Für alle!“ Alle Materialien werden in Kürze an die Gemeinden verschickt. Damit die Kampagne „Gutes Leben. Für alle!“ noch stärker in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, planen wir vor dem Palmsonntag, vom 10. bis 12. April, eine spektakuläre Bistumsumrundung per Fahrrad, die in vielen  Städten und Gemeinden an den Rändern unseres Bistums Halt macht und über die Anliegen der Initiative informiert. Erfreulich ist auch, dass der diesjährige Diözesan-Katholikentag am 6. Juli in Frankental unter dem Motto unserer Kampagne steht.    (Interview: Norbert Rönn)

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