Redaktion der pilger

Freitag, 07. Februar 2014

Verwirrung um Valentin

Büstenreliquiar des heiligen Valentin in der Pfarrkirche St. Valentin in Kiedrich. Foto: Andreas Praefcke/wikipedia.de

Wie ein Heiliger für Blumengeschenke herhalten muss

Der Valentinstag ist der Festtag der Verliebten und Brautleute, für Blumen- und Süßwarenhandel einer der umsatzstärksten Tage im Jahr. Dabei berufen sich die Geschäftsleute gern auf einen Heiligen namens Valentin, von dem allerdings niemand ganz genau weiß, ob es ihn überhaupt gegeben hat. Kein Wunder, dass die Kirche das Fest des heiligen Valentin Anfang der 1970er Jahre vom Kirchenkalender strich. Nur in den Bistümern Mainz, Fulda und Limburg wird an seinem Gedenken noch festgehalten.
Dass Valentin überhaupt bei uns seine Anhänger hat, verdanken wir genau betrachtet der Mainzer Synode, die im Sommer 813 das Weihnachtsfest auf den 25. Dezember terminierte. Bis dahin feierte man Christi Geburt am 6. Januar – und 40 Tage später nach mosaischem Gesetz das Fest der Darstellung des Herrn (Mariä Lichtmess) am 14. Februar. Mit der Verlegung des Weihnachtsfestes – und der Vorverlegung des Weihnachtszeitendes – entstand so eine kalendarische Lücke, die es schnell wieder zu füllen galt. Da folgte man gern den Christen in Rom, die schon damals am 14. Februar eines Bischofs gedachten, der im 3.Jahrhundert im heutigen italienischen Städtchen Terni gelebt und als Märtyrer gestorben sein soll.
Allerdings gab es in Rom einen weiteren Geistlichen namens Valentin, um den sich ebenfalls viele Legenden bildeten. So soll dieser frisch verheirateten Paaren gern Blumen aus seinem Garten geschenkt haben. Es ist eine von vielen Geschichten, die manchem Blumenhändler am Valentinstag gern als Verkaufsargument dienen.
Noch komplizierter wird die Geschichte, weil im Mittelalter ein weiterer Valentin aus Viterbo auftaucht, der im frühen vierten Jahrhundert ebenfalls als Märtyrer gestorben sein soll. Einige Historiker allerdings glauben, dass es sich bei allen Valentins wahrscheinlich um den gleichen gehandelt hat.
Um das Maß voll zu machen, erscheint im 5. Jahrhundert in der Schweizer Region Rätien noch ein weiterer Valentin. Ein Niederländer, der zu den ersten Bischöfen Passaus gehört haben soll und deshalb dort auch am 7. Januar als Bistumspatron verehrt wird.
Schon im Hochmittelalter jedenfalls hatte Valentin vielerorts in Deutschland seine Verehrer – vor allem am Rhein, wo der Heilige noch heute besonders verehrt wird. So belegt schon anno 1311 ein Dokument in Worms das Gedenken an den Bischof von Terni in der zum Andreasstift gehörenden Valentinuskapelle. Dort ausgestellte Valentinusreliquien sollen jährlich viele Tausend Wallfahrer angelockt haben.
Rudolf von Rüdesheim (1402-1482),  Wormser Domdekan und späterer Bischof von Breslau, teilte die Wormser Reliquien schließlich weiter auf. 1454 schenkte er der Pfarrkirche Kiedrich, wo er zuvor als Pfarrherr tätig war, einen Teil der Wormser Valentinusknochen. Einen weiteren Teil nahm er mit nach Breslau, von wo sie schließlich ins heute polnische Kulm gelangten. Als die Wormser Reliquien im Gefolge des pfälzischen Erbfolgekrieges Ende des 17. Jahrhunderts verloren gingen, gaben die Kiedricher anno 1875 einen Teil der Reliquien wieder zurück nach Worms, wo man bereits Anfang des 19. Jahrhunderts die nach dem Verlust der Reliquien eingeschlafene Valentinuswallfahrt wieder belebt hatte. Mit einem Hochamt und einer abendlichen Paarsegnung, die dem Patronat der Liebenden und Verlobten Rechnung trägt, wird der 14. Februar noch heute in der Nibelungenstadt groß gefeiert.
Gleich ein ganzes Valentinsskelett ruht in der Pfarrkirche St. Michael im schwäbischen Krumbach auf purpurroter Matratze in einem Glasschrein, eingehüllt in prächtig bestickte Gewänder. Auch hierher pilgern zu Valentin viele Liebes- und Ehepaare. Und auch im Fuldaer Dom liegen angeblich Schenkelknochen des Heiligen.
Angerufen wurde Valentin von Terni in der Regel gegen die „Fallsucht“, die Epilepsie, die damals auch „Valentins-Krankheit” oder „Valentins-Plage” hieß. In Kiedrich sollen die Wallfahrer mit Zweigen umliegender Eiben die Statue des Heiligen berührt und später dann daraus Tee gekocht haben.
Die bunten und duftenden Grüße der Männer an ihre Frauen aber, die den Blumenhändlern Jahr für Jahr gute Umsätze garantieren, fußen nicht in kirchlichem, sondern einem eher weltlichen Brauch, der sich im Mittelalter in England entwickelte. Dort führte man zum Valentinstag Paare zusammen, häufig wie beim Mailehen durch Losentscheid. Durch kleine Geschenke oder Gedichte versicherten sie sich ihrer Liebe: eine Art Partnerbörse war das, die erste Frühlingsgefühle kanalisierte. Vermutlich im späten 17. Jahrhundert wurde es schließlich mehr und mehr Sitte, im Rahmen dieser Kontakte Blumen zu verschenken. Ein Brauch, den Europas Auswanderer mit nach Amerika nahmen, von wo er Anfang der 1950er Jahre wieder nach Deutschland zurückkehrte. Hier stationierte US-Soldaten gehörten zu seinen ersten Anhängern, die am Valentines Day ihre Frauen mit Geschenken überraschten. (red)

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