Redaktion der pilger

Freitag, 28. Februar 2014

Ein heiliges Raumerlebnis

Hoch über der Bodenseelandschaft: die mehrfach ausgezeichnete Hauskapelle der Alpe Vordere Niederau. Foto: Schwitalla

Die Hauskapelle der Familie Feuerstein im Bregenzerwald ist mehrfach ausgezeichnet

andern im Winter ist ein besonderes Erlebnis. Beispielsweise auf dem Panoramarundweg im Bregenzerwald von der Bergstation Baumgarten in Bezau zur Alpe Vordere Niedere. Dort erwartet den Besucher nicht nur ein uriger Berggasthof. Ein Kleinod ist die Bergkapelle der Familie Feuerstein, der Wirtsleute des Gasthofs. Interessant, die noch junge Geschichte des Kirchleins.

Im Sommer ist die Bergwelt im Bregenzerwald ein beliebtes Wandergebiet. Doch auch im Winter ist die Region attraktiv. Eine Winterlandschaft, wie sie schöner nicht sein könnte. Hügel der nördlichen Voralpen und mit Schnee bedeckte Berge im südlichen Hinterland bilden die Kulisse. Gut erkennbar von der Bergstation ist das Wanderziel. Nur durch das Skigebiet getrennt, liegt die Alpe Vordere Niedere mit Gasthof, Stallung und Kapelle in Blickweite. Mit den Skiern gings schneller zum Ziel. Doch als Winterwanderer lässt man sich Zeit.
Knapp zwei Stunden führt der Weg durch die winterliche Bergwelt, vorbei an weiß gepuderten Tannen, vereinzelten Skifahrern und Markierungspfosten. Über den präparierten Winterwanderweg pfeift der Wind. Eiskalt ist es. Vereinzelte Wolken am hellblauen Himmel lassen der Februarsonne kaum eine Chance. Mal steigend, mal fallend führt der Weg in einem großen Bogen zur Vorderen Niederalpe.
Von der Bergkapelle lugt zunächst nur die Spitze der grauen Stirnwand hervor. Ein unberührtes Schneefeld trennt die Kapelle vom Wanderweg, der das letzte Stück der Piste entlang verläuft. Für Skifahrer ist das nahe gelegene Berggasthaus mit offenem Kamin eher eine Anlaufstelle. Bei jedem Schritt hin zur Kapelle bricht die Schneedecke, versinken die Unterschenkel im knirschenden Weiß.
Von weitem mehr einer Hütte ähnlich, befindet sich die Kapelle an exponierter Stelle über der Ortschaft Andelsbuch, immerhin 1711 Meter über Meereshöhe. Beeindruckend, die sich in der Ferne ausbreitende grüne Bodenseelandschaft. Schneeverwehungen füllen den geschützten Eingang zur Kapelle. Oberhalb der Tür verbirgt sich hinter einer ornamentartigen Schallöffnung eine kleine Glocke. Die Dachspitze ziert ein filigranes, metallenes Kreuz. So winterlich wie die Höhenluft, so nüchtern ragt die von der Witterung grau gefärbte Gebäudehülle gen Himmel.
Fichtenholz ist es, bei Vollmond geschlagen. Wie die Steine des Fundaments, stammt das Holz von der Alpe der Familie Feuerstein. Schneeverwehungen füllen den Eingangsbereich. Die Kapellentür bedarf zum Öffnen eines zusätzlichen Schulterschlags. So frostig die Atmosphäre um das Kirchlein, so einladend und wohltuend der Innenraum. Der helle Naturton des Fichtenholzes strahlt Wärme aus.
Schlicht und einfach das Interieur. Altar und drei Holzbänke bestechen durch ihre klare und geradlinige Form. Farbtupfer und einziger Schmuck ist in der Wandspitze hinter dem Altar ein kleiner mit blauem Glas gefüllte kreuzförmige Ausschnitt. Architektonisch reizvoll, ein in die Gebäudehülle eingelassenes Band aus Glas. Es betont die Altarwand und füllt den Raum je nach Tageszeit mit natürlichem Licht. Ein heiliges Raumerlebnis auf nur wenigen Quadratmetern. Ruhe und Geborgenheit umgeben den Besucher. Die Stille lädt ein zum Innehalten, zum Gebet, zum Lobpreis der Schöpfung.
Ich lasse das Gespräch mit Irene Feuerstein, der Erbauerin der Kapelle, Revue passieren. Der Mutter, die nach dem Tod ihres nur drei Tage alt gewordenen Sohnes Leo sieben Jahre später noch zwei Töchter, Jasmin und Tanja, zur Welt brachte und 2009 aus Dank über zwei gesunde Kinder die Bergkapelle errichten ließ. An der Errichtung der hölzernen Kapelle mitgeholfen haben Freunde und Bekannte der Familie.
Drei Laib Käse winkten den Architekten Curowicz-Nachbaur, den Siegern des Architekturwettbewerbs, der für das Objekt ausgeschrieben war. Die Kapelle wurde 2009 mit dem österreichischen Bauherrenpreis und 2011 mit dem Vorarlberger Holzbaupreis ausgezeichnet. Geweiht ist sie St. Theodul, dem Patron der Glocken und des Viehs. 15 Gehminuten liegt sie von der Bergstation Andelsbuch entfernt.
In den Sommermonaten ist die Kapelle Anziehungspunkt für Wanderer, ein Ort für Hochzeiten und Taufen. Eine Bergmesse wird in den Tagen um das Patrozinium des heiligen Theodul am 16. August gefeiert. Der Familie Leo Feuerstein, die den Berggasthof und Viehwirtschaft auf der Alp betreibt, ist sie ein ganz persönlicher Andachtsraum. Wenn Irene Feuerstein am siebten Tag der Woche in aller Herrgottsfrühe die kleine Glocke läutet und Platz in der Kapelle nimmt, ist das ihr Sonntagsgottesdienst. (Joachim Schwitalla)

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