Redaktion der pilger

Mittwoch, 08. Juni 2016

Kein Platz für Schaukämpfe

Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (rechts), und Bundespräsident Joachim Gauck in Leipzig. Foto: KNA

ZdK-Präsident Sternberg zieht Bilanz nach dem Katholikentag

Der 100. Deutsche Katholikentag ist zu Ende. Für Thomas Sternberg war es der erste als Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). Im Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur zieht er Bilanz. Dabei verteidigt er auch den vieldiskutierten Entschluss, keinen Vertreter der AfD zu den offiziellen Veranstaltungen einzuladen.

Herr Sternberg, der Katholikentag von Leipzig ist zu Ende. Wie war's?
Es war ein großes Ereignis, es war wunderschön in einer tollen und gastfreundlichen Stadt. Die Wahl von Leipzig hat sich bewährt, und falls es irgendwo Vorurteile gab gegen Sachsen als „Hort der Rechtspopulisten“ – alles Unsinn!

Was waren aus Ihrer Sicht die wichtigsten Signale? Zum einen in die Gesellschaft?
Da ging es vor allem um die Frage, wie wir als katholische Männer und Frauen überzeugend auftreten können in einem säkularen Umfeld. Und wie wir klar Position beziehen. Etwa beim Thema Integration, beim Dialog – auch mit dem Islam, bei Fragen nach Europa und nach internationaler Gerechtigkeit. Oder bei der Frage, wie wir die Gesellschaft zusammenhalten können angesichts eines stärker werdenden Nationalismus und Rechtspopulismus. Dagegen setzen wir die Botschaft, dass wir uns auf die besten Traditionen Europas stützen wollen. Und das sind tatsächlich christliche Ideale wie Menschlichkeit, Nächstenliebe, Gerechtigkeit und Dialogbereitschaft.

Und die Signale in die Kirche, also bei den innerkirchlichen Themen?
Da war sicher der Diakonat der Frau ein ganz wichtiges Thema. Wir wünschen uns hier schon lange Fortschritte und fühlen uns darin bestärkt, dass der Papst angekündigt hat, das Thema intensiver in den Blick zu nehmen.

Das Jubiläum ausgerechnet im fast katholikenfreien Leipzig sollte auch den Dialog mit Nichtglaubenden voranbringen. Ist das gelungen?
Das ist natürlich schwer zu messen, wir müssen das noch genauer auswerten. Aber nach ersten Eindrücken gab es kaum Ablehnung und dafür viel interessierte Neugierde. Wichtig sind da auch die vielen persönlichen Begegnungen. Massenbekehrungen von jetzt auf gleich hat es vermutlich nicht gegeben, aber vielleicht haben ja viele gemerkt, dass diese „merkwürdigen Katholiken“ gar nicht vorgestrig und verschroben sind, sondern dass sie zusammen beten und auch feiern können und dass sie außerdem auch noch was zu sagen haben in dieser Gesellschaft.

Wenn Sie noch einmal planen müssten: Würden Sie Vertreter der AfD zu Podien einladen?
Die Frage stellt sich nicht mehr. Ich sehe bis heute niemanden in der AfD-Spitze, der in der Flüchtlingsfrage, in der sich Hunderttausende Christen engagieren, eine Position vertreten könnte, die uns weiterbringt. Menschenverachtende Positionen haben da keinen Platz. Und ich habe nichts dagegen, wenn als unsere klare Botschaft von Leipzig dauerhaft hängenbleibt, dass wir Christen uns die Definitionshoheit über das Christliche in Europa nicht abnehmen lassen – und dass Christlichsein etwas Anderes ist als das, was manche behaupten.

Hätte aber nicht schon nur eine Veranstaltung mit der AfD verhindern können, dass die Debatte darüber viele andere Themen überlagert?
Aber was hätte es gebracht? Glauben Sie, Frauke Petry hätte sich von irgendwem von ihren Extrempositionen abbringen lassen? Es muss immer um Ergebnisse gehen und um Debatten, die weiterbringen können. Reine Schaukämpfe haben auf Katholikentagen keinen Platz!

Gerade bei den Spitzenpolitikern blieben etliche Plätze frei in den Hallen. Kardinal Lehmann hält das für ein bedenkliches Signal – Sie auch?
Es gab auch völlig überfüllte Hallen bei Veranstaltungen mit Politikern. Da müssen wir uns Gedanken machen für die nächsten Planungen. Was mich aber auch nachdenklich macht, ist der Eindruck, wie schnell manche Themen in der Öffentlichkeit durch die Decke gehen und wie schnell dann auch das Interesse wieder nachlässt, obwohl die Fragen weiterhin aktuell und drängend ist. Etwa die Flüchtlingsfrage: Vor einigen Wochen wäre eine Debatte mit dem Innenminister angesichts von Lampedusa, Lesbos oder Idomeni sicher völlig überlaufen gewesen.

Die kommenden Katholikentage sollen ein anderes Gesicht bekommen, hieß es in der Abschluss-Pressekonferenz. Welches?
Genau wie die Kirche „semper reformanda“ ist, also immer zu reformieren, ist auch der Katholikentag immer reformbedürftig. Dazu könnte auch eine gewisse Verschlankung des Programms gehören. Denn zu viele parallele Angebote können schon zulasten einzelner Veranstaltungen gehen. Zum Beispiel sollte es eigentlich nicht passieren, dass eine indische Nobelpreisträgerin in einem fast leeren Raum spricht.

Für Sie war es der erste Katholikentag als ZdK-Präsident. Wie haben Sie ihn persönlich erlebt in dieser Rolle?
Ich verstehe jetzt, warum ich früher meine Vorgänger auf Katholikentagen so selten und immer nur ganz kurz gesehen habe. Es sind so unendlich viele Termine vom frühen Morgen bis in die Nacht, dass man aufpassen muss, auch ein bisschen was vom eigentlichen Katholikentag mitzukriegen, wie ihn die Teilnehmer erleben.

Sind Sie froh, dass es vorbei ist?
Ja, ein wenig schon. Aber es war zugleich eine sehr gute und beglückende Erfahrung. Ich habe das alles auch sehr gerne gemacht und fühle mich durchaus wohl in dem Amt. (Interview: Gottfried Bohl)

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