Redaktion der pilger

Mittwoch, 08. Juni 2016

Staat-Kirche-Konflikt belastete ihn schwer

Bischof Daniel Bonifatius von Haneberg (1816 bis 1876) war es nur vier Jahre vergönnt, das Bistum Speyer zu leiten. Foto: Bistumsarchiv Speyer

Zum 200. Geburtstag des Speyerer Bischofs Daniel Bonifatius von Haneberg – Seelsorger und Wissenschaftler

„Die gut geführte Diözese [Speyer] mit ihrem trefflichen Klerus wird es Haneberg erlauben, die Vorzüge seines Charakters, Milde und Güte, zu zeigen, um die Gemüter der katholischen Bevölkerung, die zum größten Teil aus armen Bauern und Arbeitern besteht, mit Trost aufzurichten; auf die Protestanten im Diözesanbereich, nach Zahl und Vermögen der stärkere Bevölkerungsanteil, wird ein Bischof Haneberg versöhnlich wirken.“ So beschreibt die bayerische Regierung die Situation in der Pfalz vor der Amtsübernahme des neuen Bischofs 1872.

Wer war diese Persönlichkeit, die viele Menschen ihrer Zeit ungemein beeindruckte? Daniel Haneberg wurde als dritter von vier Söhnen am 17. Juni 1816 auf dem Hof zur „Oberen Tanne“ in Lenzfried bei Kempten in der Diözese Augsburg geboren. Er kam mit zwölf Jahren an das Gymnasium in Kempten. Damals schon fiel er durch seine herausragende Sprachbegabung auf. 1834 wechselte er an das Alte Gymnasium in München über. Das Abitur schloss er 1835 als Primus ab. Das Theologiestudium mit dem Ziel, Priester zu werden, absolvierte er in München. Seit 1837 war er Alumne des Collegium Georgianum in München. Am 29. August 1839 wurde er in Augsburg zum Priester geweiht. Seine Sprachbegabung bestimmte seinen weiteren Lebensweg: Seit 1835 hatte er sich mit Sanskrit und später aus religionsvergleichenden Gründen sogar mit Chinesisch befasst. Neben der Sprachbegabung wurde für Haneberg die Begegnung mit der geistigen Welt Münchens und seiner Universität bestimmend. Dort hörte er unter anderem so bekannte Theologen wie z.B. Joseph Franz von Allioli, Johann Adam Möhler, Ignaz von Döllinger und Friedrich Heinrich Hugo Windischmann. In seine Studienzeit fielen das Kölner Ereignis 1837 (Auseinandersetzung der katholischen Kirche und dem preußischen Staat hinsichtlich der Misch-ehenfrage) und die Forderung von Joseph Görres nach Abbau staatlicher Kirchenhoheit.

Haneberg war jedoch weniger an kirchenpolitischen Fragen seiner Zeit als vielmehr an bibelwissenschaftlichen Forschungsfragen interessiert. Eine Preisarbeit über Johannes 6, 51–64 wurde 1839, im Jahr seiner Priesterweihe, als Doktorarbeit angenommen. Bereits wenige Monate später habilitierte er sich auf Anregung Döllingers für biblisch-orientalische Sprachen. 1840 wurde Haneberg außerordentlicher Professor und 1844 ordentlicher Professor für die „Vorträge der biblisch-orientalischen Sprachen und der alttestamentlichen Exegese“. Diesen Münchener Lehrstuhl hatte er bis 1872 inne. Als Hochschullehrer und Seelsorger hatte er auf das katholische München außerordentlichen Einfluss. Obwohl er als Exeget die historisch-kritische Methode ablehnte, war ihm wissenschaftliche Polemik fremd. Ein Schwerpunkt der Hanebergschen Publikationen lag auf dem Gebiet der Orientalistik. Eine andere von ihm bevorzugte Thematik war die heilsgeschichtliche Gesamtschau der Schriften beider Testamente. Schon als junger Geistlicher war er ein hochgeschätzter Seelsorger. Seit 1845 war er Universitätsprediger an St. Ludwig in München. Er gründete 1852 zusammen mit Adolph Kolping den Münchener Gesellenverein.

Bereits als Student hatte sich Haneberg mit dem Gedanken eines Ordenseintritts beschäftigt. 1850 trat er in die von König Ludwig I. von Bayern neu gegründete Benediktinerabtei St. Bonifaz in München ein und trug nun den Ordensnamen Bonifatius. Nach Abschluss seines Noviziats im Kloster Andechs 1851 nahm er seine Tätigkeit als Hochschullehrer in München wieder auf. Am 4. Oktober 1844 wählte ihn der Konvent von St. Bonifaz zum Abt. Die Benediktion erfolgte am 19. März 1855. In seine Aufgabe wuchs Haneberg rasch hinein.

1866 wurde Haneberg in den Adelsstand erhoben. Zunächst hatte er mehrere Berufungen auf bedeutende Bischofsstühle ausgeschlagen. Nach vertraulichen Verhandlungen mit dem Heiligen Stuhl gelang es der bayerischen Regierung 1872, Haneberg gegen anfänglichen Widerstand der Kurie als ihren Kandidaten für das Bistum Speyer durchzusetzen. Die förmliche Nomination erfolgte am 23. Mai 1872, die päpstliche Ernennung am 29. Juli. Am 25. August wurde der sowohl dem Papst als auch dem bayerischen König treu ergebene Haneberg in der St. Bonifatiuskirche in München konsekriert. Am 11. September wurde er in Speyer als Nachfolger des am 4. April 1871 verstorbenen Bischofs Konrad Reither, der sein Amt nur sehr kurz hatte ausüben können, inthronisiert.

An seinem neuen Wirkungsort sollten auch ihm jedoch nur wenige Amtsjahre vergönnt sein. Während der Choleraepidemie in Speyer 1873 kümmerte er sich rührend um die Kranken, insbesondere im Hasenpfuhl. Von Klerus und Kirchenvolk wurde er herzlich aufgenommen und auf seinen Firmreisen geradezu umjubelt. Gegen den in seinem Bistum aufkommenden Altkatholizismus nahm er energisch Stellung. Insbesondere der Kulturkampf und das Ringen um den Erhalt der katholischen Schule schwächten schon bald seine Gesundheit. Der sich verschärfende Staat-Kirche-Konflikt belastete ihn sehr. Erneute Berufungen nach Freiburg und Bamberg scheiterten. Die vielfältigen Aufgaben hatten ihn bis zuletzt übermäßig viel Kraft gekostet. Am 31. Mai 1876 starb er in Speyer an den Folgen einer Lungenentzündung, die er sich auf einer Firmreise zugezogen hatte. Im Speyerer Dom wurde er unter großer Anteilnahme beigesetzt.

Trotz der kurzen, kaum vierjährigen Amtszeit hinterließ Bischof Haneberg als Theologe und Seelsorger einen nachhaltigen Eindruck. So urteilt der ehemalige Abt von St. Bonifaz Odilo Lechner: „Haneberg scheint in bedeutender Weise ein Repräsentant des katholischen 19. Jahrhunderts zu sein, hatte er doch noch den Aufschwung katholischen Lebens in der ersten Hälfte in sich aufgenommen und die schweren Erschütterungen und Kämpfe des letzten Jahrhundertdrittels mit durchstanden.“ (Hans Ammerich)

 

Radio-Feature und Buch

Zum 200. Geburtstag Bischof Hanebergs sendet der Bayerische Rundfunk (Bayern 2/Kirchenfunk) am Sonntag, 12. Juni, von 8.05 bis 8.30 Uhr, unter dem Titel „Abt – Gelehrter – Bischof“ ein buntes Radio-Feature. Interviewparter waren unter anderen Nachfahren Hanebergs, Abt Johannes Eckert von St. Bonifaz und Professor Dr. Hans Ammerich, der ehemalige Leiter des Bistumsarchivs Speyer.
Ein ausführliches Biogramm Bischof Hanebergs findet sich in den 1992 erschienenen „Lebensbildern der Bischöfe von Speyer seit der Wiedererrichtung des Bistums Speyer 1817/21“. Das Buch ist zum Preis von 20 Euro erhältlich beim Pilger-Verlag, Hasenpfuhlstraße 33, 67346 Speyer, Telefon 06232/318372.

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