Redaktion der pilger

Mittwoch, 15. Juni 2016

Keine Parallelgemeinschaften

Vorstellung des Schreibens der Glaubenskongregation zum Thema charismatische Bewegungen. In der Bildmitte (rechts) Kardinal Gerhard Ludwig Müller , Präfekt der vatikanischen Glaubenskongreation, und Kardinal Marc Quellet, Präfekt der Bischofskongregation. Foto: KNA

Der Vatikan will charismatische Gemeinschaften stärker kontrollieren

Charismatische Bewegungen haben die Institution Kirche immer schon belebt, aber auch die Autorität der Amtsträger herausgefordert. Nun sprach der Vatikan ein Machtwort. Über den Zeitpunkt gibt es Rätselraten.Der Konflikt zwischen Hierarchie und Charisma ist so alt wie die katholische Kirche selbst. Die Frage, wie Spontanität, kreative Unruhe und geistliche Radikalität mit dem institutionellen Gebäude, mit dem Gehorsam gegenüber den Bischöfen, Treue zum Lehramt und dem regulären Gemeindeleben zu vereinbaren sind, stellt sich immer wieder aufs Neue. Am 14. Juni hat der Vatikan nun ein neues Kapitel in dieser unendlichen Geschichte aufgeschlagen: Die Glaubenskongregation veröffentlichte einen Brief an die Bischöfe der Weltkirche über den Umgang mit charismatischen Bewegungen. Mit diesen in den vergangenen Jahrzehnten entstandenen Gruppierungen gab es immer wieder Konflikte. Anlass waren oft sektiererische Tendenzen.

Das 30-seitige Schreiben mit dem lateinischen Titel „Iuvenescit Ecclesia“ („Die Kirche verjüngt sich“) bietet zwar keine Sensationen. Neue kirchenrechtliche Vorschriften enthält es nicht. Man wolle damit ein „vertieftes Bewusstsein für das Verhältnis von charismatischen und hierarchischen Gaben“ fördern, erklärte der Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, bei einer Pressekonferenz im Vatikan.

Dennoch: Die Botschaft ist trotz aller Wertschätzung, die darin für charismatische Bewegungen geäußert wird, unüberhörbar: Die Bischöfe sollen eine härtere Gangart einschlagen. Rom will Abweichungen vom kirchlichen Lehramt und ein Sektierertum solcher Gruppierungen nicht dulden. Die Bischöfe müssten sicherstellen, dass sich solche Bewegungen nicht als „Parallelgemeinschaft zum kirchlichen Leben“ verstünden. Die Charismatiker müssten die „Autorität der Hirten der Kirche als wesentlichen Bestandteil des christlichen Lebens anerkennen“ und dürften sich nicht „jenseits des Lehramts und der kirchlichen Gemeinschaft bewegen“.

Warum das Papier gerade jetzt veröffentlicht wurde, blieb am 14. Juni allerdings unklar. Der Text selbst bietet keine konkreten Anhaltspunkte. Erst vor zwei Wochen hatte der Vatikan die Mitglieder einer katholischen Gemeinschaft in Italien exkommuniziert, weil sie nach seiner Auffassung nicht mehr auf dem Boden der kirchlichen Lehre stand. Doch das allein dürfte kaum der Grund gewesen sein. Auf die Frage einer Journalistin antwortete Kardinal Müller in der Pressekonferenz nur, man müsse eben bisweilen angesichts sich wandelnder Umstände über das Verhältnis von Hierarchie und Charisma neu nachdenken.

Ungewöhnlich war nicht nur, dass zwei der einflussreichsten Kurienkardinäle gemeinsam das Papier vorstellten; zusammen mit Müller trat der Präfekt der Bischofskongregation, Marc Ouellet, auf. Noch ungewöhnlicher war, dass unter ihren Zuhörern ein weiterer Kurienkardinal und Behördenleiter saß: Joao Braz de Aviz, der brasilianische Präfekt der vatikanischen Ordenskongregation, hatte sich unter die Journalisten gemischt. Beobachter hatten sich bereits gewundert, warum sein Name nicht in der Ankündigung der Pressekonferenz auftauchte. Denn es schien offensichtlich, dass das Thema des Schreibens auch die traditionellen Ordensgemeinschaften betrifft. Doch Aviz blieb an diesem Tag Zuhörer. Medien hatten in der Vergangenheit von angeblichen Differenzen zwischen Müller und Aviz im Umgang mit dem Dachverband der US-amerikanischen Frauenorden berichtet. Am 14. Juni fiel nur auf, dass Kardinal Müller nach seinem Eintreffen direkt zum Podium schritt, ohne den einige Meter entfernt stehenden Aviz zu begrüßen.

Es war Kardinal Ouellet, der in der Pressekonferenz deutlich machte, dass das Papier auch traditionelle Ordensgemeinschaften betrifft. Orden hätten bisweilen eine „Gegenmacht“ zu den Ortsbischöfen gebildet und sich nicht an deren Anordnungen gebunden gefühlt, so Ouellet. Konkrete Beispiele nannte jedoch auch er nicht.

Der Brief der Glaubenskongregation stärkt die Position der Ortsbischöfe gegenüber Ordensleuten. Die traditionelle Einrichtung der „Exemption“ vieler Orden, also ihre Freistellung von der Gerichtsbarkeit des Ortsbischofs, bedeute nicht eine „abstrakte Überörtlichkeit oder eine falsch verstandene Autonomie“, heißt es darin. (Thomas Jansen, kna)

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