Redaktion der pilger

Donnerstag, 23. Juni 2016

Der Weg in die Entscheidung

– Gedanken zum Lukas-Evangelium 9, 51–62 von Pastoralreferentin Regina Mettlach

Der Evangelist Lukas hat noch nicht die Hälfte seines Evangeliums erreicht, da wird Ziel und Ende des irdischen Auftretens Jesu schon wie in einer Vorschau sichtbar. Das geographische Ziel ist Jerusalem, die heilige Stadt auf dem Berg Zion; das innere Ziel ist die Aufnahme Jesu in den Himmel, was für Lukas sowohl Jesu Tod wie auch seine Auferstehung bedeutet.

Im ersten Hauptteil seines Evangeliums hat Lukas das Wirken Jesu in Galiläa geschildert (Lukas-Evangelium 4,14-9,50). Nachfolge und Jüngerschaft sind die Themen des darauf folgenden Reiseberichtes, der mit der Perikope des heutigen Sonntags beginnt. Zahlreiche Kapitel nimmt sich Lukas dafür Zeit, die Wanderung Jesu und seiner Jünger nach Jerusalem zu schildern.

Jesus macht sich also auf den Weg nach Jerusalem, in jene Stadt, in der sich am Ende alles entscheiden wird. Die Wanderung ist alles andere als ein Sonntagsspaziergang. Das macht bereits der Auftakt deutlich. Der Bedeutung seiner Sendung entsprechend schickt Jesus Boten vor sich her. Doch brüsk werden die Jünger abgewiesen, als sie in einem samaritischen Dorf um Gastfreundschaft bitten. Das angesagte Ziel ihres Weges, Jerusalem, genügt, um alte Feindschaft wieder hochkochen zu lassen. In Samarien hatte sich nach der Eroberung des Nordreiches Israel durch die Assyrer eine Mischbevölkerung gebildet aus Juden, die nicht nach Babel verschleppt worden waren, und aus eingewanderten Heiden. Nach dem Ende der Babylonischen Gefangenschaft wurden die Samaritaner von den aus dem Exil Heimkehrenden nicht mehr als legitime Juden anerkannt. Beim Wiederaufbau des Jerusalemer Tempels durften sie nicht mithelfen.

Als nun Jesus, dem Auserwählten Gottes, das Gastrecht verweigert wird, möchten die Zebedäussöhne Jakobus und Johannes Feuer vom Himmel herabrufen. Die beiden so genannten „Donnersöhne“ stellen sich das Reich Gottes immer noch als göttliche Machtherrschaft vor. Sie hatten Jesus ja auch gebeten, in seinem Reich zu seiner Rechten und Linken herrschen zu dürfen. Ein Messias, der die Menschen überzeugen und nicht zwingen will, der es hinnimmt, wenn man seine Botschaft ablehnt, der geht ihnen nicht in den Kopf. Sie werden heftig von Jesus getadelt. Einige Bibelübersetzungen fügen hier ein: „Ihr wisst nicht, was für ein Geist aus euch spricht. Der Menschensohn ist nicht gekommen, um Menschen zu vernichten, sondern um sie zu retten.“ Lukas zeichnet das Bild des vorbildlichen Lehrers, der tut, was er lehrt.

Hart, radikal und unduldsam klingen Jesu Worte aber jenen gegenüber, die sich ihm auf seinem Weg anschließen wollen. Wer ihm folgen will, muss mit seiner Vergangenheit brechen. Er muss mit Schutzlosigkeit und Heimatlosigkeit rechnen. Er muss seine Familie verlassen. Ja, selbst übliche Werke der Pietät, wie die Bestattung der eigenen Eltern, werden von Jesus untersagt.

Der Text hat den radikalen Weg zur Passion im Blick. Der Anspruch Jesu an sich selbst und an seine Nachfolger sprengt jeden bisherigen Rahmen. Wenn selbst eine Regel mit so hoher Priorität wie die Bestattungspflicht der Eltern nicht mehr gelten soll, und wenn selbst so nachvollziehbare menschliche Bedürfnisse wie das Abschiednehmen als Verzögerungstaktik gewertet werden, dann verlangt der Ruf in die Nachfolge eine Entscheidung zum Kreuz.

In vielen Ländern, in denen Religionsfreiheit nicht gesichert ist, wird das Bekenntnis zu Jesus Christus leicht zu einem Moment radikaler Entscheidung. Die Taufe führt zur Trennung, zum Bruch mit dem bisherigen Leben oder der Familie. Konversion zum Christentum kann bedeuten, dass Familienbande abgeschnitten werden, der Besitz konfisziert und das Erbrecht entzogen wird. Berufliche oder gesellschaftliche Nachteile bis hin zur Lebensgefahr können die Folge sein.

Jesus fordert von seinen Jüngern, Prioritäten zu setzen. Manchmal heißt es auch für uns, Abschied zu nehmen von Träumen und der rauen Wirklichkeit ins Gesicht zu schauen. „Muss ich für eine neue Arbeit meinen bisherigen Wohnort verlassen?“, „Wie kann die Betreuung meiner alt gewordenen Eltern gelingen?“, „Wie sind mein Beruf und meine Familie miteinander vereinbar?“ Vor solche Entscheidungen gestellt, treffen auch heute Menschen bisweilen radikale Entscheidungen.

Am 29. Juni feiern wir das Fest der Apostelfürsten Petrus und Paulus. Sie waren zu Beginn alles andere als gute Nachfolger. Dennoch wurden sie zu den großen Vorzeigenachfolgern. Das könnte uns Mut machen, auch in unserem Leben weiter die Nachfolge Jesu zu wagen.

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