Redaktion der pilger

Donnerstag, 23. Juni 2016

„Knuffig wie Urmel aus dem Eis“

Ausschnitt des Hildesheimer Drachenaquamaniles aus dem zweiten Drittel des 12. Jahrhunderts. Foto: Ansgar Hoffmann / Dommuseum Hildesheim / bph

Das Hildesheimer Dommuseum und sein kostbares Aquamanile

Zum Händewaschen war er da, der kleine, etwa 40 Zentimeter große bronzene Drache, vermutlich geschmiedet im 12. Jahrhundert – und allem Anschein nach im niedersächsischen Hildesheim. Davon geht jedenfalls das Dommuseum der Stadt aus, das das Gefäß aus dem Hochmittelalter vor eineinhalb Jahren bei einer Versteigerung im renommierten Auktionshaus Christie's in London erwarb. Für ziemlich viel Geld: Rund 1,3 Millionen Euro kostete das sogenannte Drachenaquamanile. Das Bistum selbst musste allerdings nichts berappen. Die Kulturstiftung der Länder, die Ernst von Siemens Kunststiftung, die Stiftung Niedersachsen und die Klosterkammer Hannover stellten die Ankaufsumme gemeinsam bereit. Bis zum 16. Oktober ist das Bronzewerk nun in einer Kabinettausstellung im Dommuseum erstmals zu bewundern.

Aus der Frühzeit der Produktion von Bronzeaquamanilen – Geräte zur rituellen Handwaschung – seien nur äußerst wenige Werke erhalten, erläuterte die Hildesheimer Museumsdirektorin Claudia Höhl bei der Vorstellung des guten Stücks. Entsprechend handele es sich bei dem jetzt erworbenen Stück nicht um irgendein Kunstwerk: „Es ist ein qualitativ besonders hochwertiges Aquamanile, dessen Hildesheimer Herkunft gesichert ist“, so Höhl. Das legten die Gusstechnik sowie besondere Motive der Verzierung nahe, auch die Legierung spreche dafür. Hildesheim war im Hochmittelalter unter Bischof Bernward ein wichtiger Produktionsort von Bronzekunst.

Der kostbare kleine Drache, den die Museumsdirektorin „einfach knuffig“ findet und ihn liebevoll „Urmel aus dem Eis“ nennt, ist über die Jahrhunderte vermutlich weit gereist. „Im 12. Jahrhundert wurden solche Handwaschgefäße als Luxusgüter oft nach Skandinavien oder Russland exportiert, manchmal bis nach Sibirien.“ Dabei wurde das Gefäß entweder bei liturgischen Handlungen oder im weltlichen Bereich bei festlichen Gastmahlen benutzt.

Das Motiv lasse dabei nicht unbedingt auf den Gebrauch schließen, so Höhl. „Die waren da nicht so pingelig.“ Fabelwesen oder Tiere in Form von Gießgefäßen seien durchaus auch im kirchlichen Bereich üblich gewesen. „Dabei ging es einfach darum, den Gottesdienst schön zu gestalten.“

Inspiriert ist die Figur des Drachens vermutlich von der persischen Mythologie, von einem Senmurv, wie Höhl berichtet. Dieser gelte als König der Vögel und werde häufig als eine Mischung aus Fledermaus und Hund mit Pfauenfedern am Schwanz dargestellt – entsprechend hühnerartig sieht auch die Hildesheimer Drachenfigur aus. Das Motiv, das noch aus vorislamischer Zeit stamme, sei in Westeuropa zur Drachenfigur uminterpretiert worden, „weil man hier mit der Figur des Senmurv nichts anfangen konnte“.

2010 tauchte die wasserspeiende Bronzefigur in einem kleinen Auktionshaus in Tegernsee auf, geliefert aus Privatbesitz und offensichtlich in Unkenntnis um den Wert der Figur: Sie wurde mit einem Limit von 980 Euro angeboten. Ein Londoner Händler kaufte die Figur – für 57000 Euro, der Preis hochgetrieben in einer telefonischen Auktion. Daraufhin wurde das Aquamanile wegen seiner orientalischen Anmutung zunächst in einer Islamauktion bei Sotheby's als „osmanische Öllampe“ offeriert – fand aber keinen Käufer. Ende 2014 ging es bei Christie's für 1,3 Millionen Euro zurück in die Heimat: nach Hildesheim. (red)

Das Dommuseum Hildesheim, Domhof 18-21,
ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.
Der Eintritt für Erwachsene kostet sechs Euro.
Mehr Informationen im Internet unter
www.dommuseum-hildesheim.de

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