Redaktion der pilger

Mittwoch, 29. Juni 2016

Imkern: Natur lieben und pflegen

Hubert Mathes

Iskko wedelt mit dem Schwanz. Fröhlich springt der Mischling ins Auto. Er darf mal wieder mit hinaus zu den Bienen. Das macht dem Vierbeiner Spaß. „Anfangs hielten ihn die Bienen für einen Bären, als er einmal wie wild um den Bienenstand herumgesaust ist“, erzählt Katrin Brodowski. Entsprechend angriffslustig waren die Bienen damals.

Inzwischen wissen sowohl die Bienen als auch der Hund, dass sie sich nichts tun müssen. Und so kann Hobbyimkerin Katrin Brodowski ihren Hund ganz beruhigt mitnehmen, wenn sie ihren Bienen einen Besuch abstattet. Es sind nur ein paar Kilometer vom Wohnort der 38-Jährigen am Rhein bis nach Büchelberg. Dort, mitten im Bienwald, hat Katrin Brodowski ihre fünf Bienenvölker stehen. Woher das große Waldgebiet in der Südpfalz, direkt an der Grenze zu Frankreich, seinen Namen hat, ist ungeklärt. Vielleicht bedeutet es, von den Römern herstammend, tatsächlich „Wald der Bienen“, vielleicht kommt der heutige Name aber auch von „behe“, einem keltischen Wort für Wald. Den Bienen kann das egal sein, sie finden hier optimale Bedingungen. In Büchelberg, das wie auf einer großen Lichtung mitten im Waldgebiet liegt, gibt es Streuobstwiesen mit alten Obstbäumen und vielen Wildblumen, darunter auch seltene Orchideen.

Am Rand der Idylle hat der Bienenzuchtverein Kandel seinen Lehrbienenstand. Seit fünf Jahren ist Brodowski Imkerin. Von Anfang an war sie in einem Verein Mitglied. Aus mehreren Treffen zum Fachsimpeln mit anderen Mitgliedern kristallisierte sich dann ein Imkerpate für die junge Frau heraus. „Den erfahrenen Imkerkollegen begleitet man dann ein ganzes Jahr, um alles Nötige zu lernen.“ Ohne diese Hilfe hätte sich Katrin Brodowski nicht getraut, mit Bienen anzufangen. „Ich wollte auf keinen Fall etwas falsch machen. Die Bienen sind Lebewesen, für die man sorgt und Verantwortung trägt.“ Im Sommer leben zehn- bis zwanzigtausend Exemplare in einem Stock. Auch der heutige Besuch hat mit der Sorge für die Bienen zu tun. Die Imkerin überprüft, ob bei ihrem größten Volk die neue Königin vom Hochzeitsflug zurückgekehrt ist und bereits kleine, weiße Eier (Stifte nennt sie der Imker) legt. Kehrt die Königin nicht zurück und gibt es keine weitere Königin, ist das eine ernste Gefahr für das Volk. Es ist zum Sterben verurteilt, wenn der Imker nicht eine fremde Königin zusetzt. Zuvor hat die alte Königin mit einem Teil des Volkes die bisherige Behausung verlassen. Im Mai und Juni schwärmen die Bienen. Auf diese Weise vermehren sie sich. Aus einem großen Volk werden so zwei oder mehr kleinere. „Keine gute Zeit, um in Urlaub zu fahren“, sagt Brodowski. Das schwärmende Volk sammelt sich außerhalb des Stocks in einer Traube und bleibt dort einige Stunden. Zeit genug, in der es ein Imker einfangen und ihm eine neue Behausung zuweisen kann. Wenn nicht, sucht sich das Volk selbst eine und ist auf und davon. Die im Sommer mehreren zehntausend Bienen und Hund Iskko sind nicht die einzigen Tiere, die Katrin Brodowski pflegt. „In meinem kleinen Zoo ist immer etwas los“, erzählt sie lachend. Eine alte Katze, sechs Kaninchen, elf Hennen und ein Hahn gehören dazu. Wichtig sei ihr die artgerechte Haltung, betont die engagierte Tierschützerin. „Manche meiner Lieblinge habe ich aus Verhältnissen übernommen, die einfach nur schlecht waren.“

Selbstverständlich achtet die 38-Jährige auch bei den Bienen auf tiergerechte Haltung. Die Ernte von Honig sowie die Behandlung mit natürlichen Säuren gegen die aus Asien eingeschleppten Varroa-Milben gehört dazu. „Bleibt ein Volk längerfristig sich selbst überlassen, siegt die Varroa, das Volk stirbt“, so Brodowski. Sie räumt mit einem Vorurteil auf, das Imkern begegnet. „Ich höre das manchmal - ,böse Imkerin, die nimmt den Bienen den Honig weg' – aber es ist grob fahrlässig, den Honig im Stock zu lassen.“ Die heutigen Honigbienen seien vielfach auf hohen Ertrag gezüchtet. „Nimmt der Imker nicht einen Teil des Honigs heraus, verhärtet dieser. Die Bienen können ihn dann nicht mehr fressen. Er nimmt ihnen nur Raum weg, den sie im nächsten Frühling für den Ausbau ihres Brutnestes und neuen Honigeintrag benötigen.“

Lesen Sie den ausführlichen Artikel zu „Imkern: Natur lieben und pflegen“ in der Ausgabe des Pilger-Magazins Juli 2016.


 

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