Redaktion der pilger

Donnerstag, 08. September 2016

Wasser bei der Taufe als etwas Lebendiges erleben

Taufeltern können künftig an Quellen im Pfälzerwald Taufwasser abfüllen und zwar völlig kostenlos. Foto: Mathes

Evangelischer Pfarrer tauft mit Quellwasser aus dem Pfälzerwald

Unaufhörlich fließt das Wasser aus dem gebogenen Rohr auf den Waldboden. Umgeben von Bäumen und Sträuchern füllt Emilio die Plastikflasche mit frischem Wasser. Er wurde bereits mit diesem Wasser getauft – wie nun auch sein kleiner Bruder Leandro. Denn in der Christuskirche in Frankenthal-Mörsch tauft Pfarrer Christoph Braun schon seit über sieben Jahren mit Quellwasser aus dem Pfälzerwald – 58 Kinder waren es dort seit 2010.

„Der Vorschlag, das Taufwasser von einer Quelle mitzubringen, wurde von Anfang an sehr gut angenommen“, berichtet der Mörscher Pfarrer. Alles fing damit an, als Eltern für die Taufe ein Fläschchen mit Wasser von der Jordanquelle mitbrachten, das sie für 99 Euro in Amerika gekauft hatten. Da kam der Seelsorger auf die Idee, die Taufeltern künftig an Quellen im Pfälzerwald zu schicken, um sich Taufwasser abzufüllen, und zwar völlig kostenlos.

„Wir finden super, dass wir dadurch auch etwas zur Taufe beitragen können", erzählt Jasmin König, die Mutter von Emilio und Leandro. Sie hat mit Ehemann Daniel für beide Kinder das Taufwasser von der Kirschtalquelle bei Bad Dürkheim mitgebracht. Immer wieder machen sie Familienausflüge zu „ihrer“ Quelle, an der sie ihren Kindern zeigen, mit welchem Wasser sie getauft sind.

Fast jede Taufe geschieht in Mörsch mittlerweile mit Quellwasser: Zur Taufe haben die Eltern von Hanna-Sofie Wasser von der Eckbachquelle bei Carlsberg mitgebracht. Melanie Löffler und ihr Mann Florian Ott haben ebenfalls einen Familienausflug zur Besorgung des Quellwassers unternommen, sind allerdings mit dem Kinderwagen auf den unwegsamen Waldpfaden nicht ganz bis zur Quelle vorgedrungen. Nur der Vater hat sich in der sommerlichen Hitze bis zur Quelle vorgekämpft und daraus schließlich das Taufwasser für Hanna-Sofie geschöpft. Damit sich das Wasser bis zur Taufe hält, haben sie es kurzerhand eingefroren.

„Die Qualität ist eine andere, wenn sich Eltern auf den Weg zu einer Quelle machen, um das Taufwasser für ihre Kinder zu holen“, ist Pfarrer Braun überzeugt, der die Familien im Taufgottesdienst erzählen lässt, was sie mit ihrer Quelle erlebt haben. „Die Eltern erleben dann nochmal ganz sinnlich, was das heißt, wenn Jesus vom Wasser des Lebens spricht“, erklärt der Theologe. Außerdem ermutige er die Tauffamilien, regelmäßig zu ihrer Taufwasserquelle zurückzukehren, sich so an die Taufe zu erinnern oder sogar eine Patenschaft für die Quelle zu übernehmen und diese sauber zu halten. Somit verbinde sich die Theologie der Taufe mit der Bewahrung der Schöpfung.

Die Taufe ist das einzige Sakrament, das offiziell seit 2007 von den großen christlichen Kirchen wechselseitig anerkannt wird. Theologisch beinhaltet die Taufe das Geschenk des ewigen Lebens, verbunden mit der Zusage Gottes, dass er den Täufling als sein Kind annimmt, ihn bedingungslos liebt und begleitet. Die Taufe lässt sich nicht rückgängig machen und bleibt ein Leben lang gültig.

„Die Taufe mit Quellwasser ist nicht wirksamer als die Taufe mit Leitungswasser“, gibt Pfarrer Braun schmunzelnd zu. „Aber es ist eindrucksvoller und nachhaltiger, wenn die Familie das Wasser als etwas Lebendiges, Kraftvolles und Staunenswertes erlebt.“

Auch katholischerseits wäre eine derartige Taufpraxis zulässig, bestätigt das Bistum Speyer auf Anfrage. Domkapitular Franz Vogelgesang, Leiter der Hauptabteilung Seelsorge, hält den Gedanken des Frankenthaler Pfarrers für eine „gute Idee – auch die Verbindung mit der Schöpfungsidee ist gut“. Das Gehen zu einer Quelle habe etwas, „was gut ausgedeutet werden kann“, so der Domkapitular, der in diesem Zusammenhang auf die Begenung Jesu mit der Samariterin am Jakobsbrunnen (Johannesevangelium, 1-42) verweist.

Der Brauch, Wasser „von außerhalb“ zur Taufe mitzubringen, ist übrigens nicht neu. Auch in katholischen Kirchen haben Verwandte schon eigengeschöpftes (und dann abgekochtes) Jordan-Wasser mitgebracht. Auch Lourdes-Wasser und andere „Wassersorten“ sind schon zum Einsatz gekommen, berichtet Bistums-Pressesprecher Markus Herr. Grundsätzlich sei dagegen nichts einzuwenden. Das Kirchenrecht – can. 849 CIC – sehe lediglich vor, dass das Taufwasser „aqua vera“, also „wirkliches Wasser“, sein muss. Andere Rechtsvorschriften zur Qualität der Taufmaterie gebe es nicht.

Während der Osterzeit soll zwar bevorzugt das in der Osternacht gesegnete Taufwasser verwendet werden, aber die Verwendung von im jeweiligen Taufgottesdienst gesegnetem Wasser ist nicht verboten und außerhalb der Osterzeit sogar ausdrücklich erwünscht.

Das Taufgedächtnis allerdings sieht in der katholischen Tradition anders aus: z.B. durch ein Weihwasserbecken am Hauseingang, das zum Segnen wie in der Kirche genutzt wird, das Weihwasserbecken in der Kirche, in der sonntäglichen Liturgie und schließlich ganz eindrücklich in der Osternacht. (epd/red)

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