Redaktion der pilger

Donnerstag, 06. Oktober 2016

Katholische Kirche legt neue Bibelübersetzung vor

Nicht neu übersetzen, sondern moderat revidieren – nach dieser Devise erfolgte die aktuelle Bibel-Überarbeitung der katholischen Kirche. Foto: kna

Veränderte Formulierungen, Fehlerkorrekturen und größere Nähe zum Urtext der Schrift

Die Deutsche Bischofskonferenz hat im September in Fulda eine Neuübersetzung der Bibel vorgestellt. Sie unterscheidet sich von der Vorgänger-Version, die 1979 für den katholischen deutschsprachigen Raum übersetzt wurde, in mehrerer Hinsicht.

Nötig geworden sei die Überarbeitung der Einheitsübersetzung aufgrund neuer Einsichten zum Urtext der Bibel, erklärte der Vorstandsvorsitzende des Katholischen Bibelwerks, Michael Theobald, der Katholischen Nachrichten-Agentur gegenüber. So fließen an manchen Stellen textkritische Erkenntnisse ein. Wie etwa bei Paulus, der im Brief an die Römer nun nicht mehr zwei Männer namens Andronikus und Junias grüßt, sondern Andronikus und Junia, eine Apostelin.

Der Eigenname Gottes, der in der jüdischen Tradition beim Lesen in der Schrift nie ausgesprochen, sondern mit der Anrede „adonai/der Herr“ oder der Umschreibung „haschem/der Name“ ersetzt wird, lautet nun in allen Büchern „HERR“. Damit wurde das  „Jahwe“ der Einheitsübersetzung abgelöst.

An vielen Stellen wird auch der hebräischen Texttradition Vorzug vor der griechischen Septuaginta-Fassung gegeben: z.B. Psalm 22, 22: „Rette mich vor dem Rachen des Löwen und vor den Hörnern der Büffel!“. Früher: „Rette mich vor dem Rachen des Löwen, vor den Hörnern der Büffel rette mich Armen!“

Weiterhin sei die vorherige Bibelübersetzung dem Duktus des Deutschen weit entgegengekommen, so Theobald. An manchen Stellen habe dies zu allzu freien Wiedergaben geführt, die man nun sanft zurückgenommen habe. Dadurch würden Bilder wieder deutlicher sichtbar. Auch das sich oft wiederholende     „und siehe“ bei Matthäus wurde wieder eingefügt. Statt „Messias“ im deutschen Text bleibt jetzt die griechische Ausdrucksweise des Titels mit „Christus“ bestehen.

Aus „Wunder“ sind wörtlich übersetzt „Machttaten“ geworden. Eine Umbenennung, die verhindern soll, dass das heutige Verständnis von Wunder auf die Urtexte projiziert wird. In der neuen Überarbeitung zeigen sich die Eltern Jesu im Tempel über ihren zwölfjährigen Sohn voll Staunen, während sie vorher sehr betroffen waren.

Aber auch sachliche Korrekturen waren nötig geworden, wie etwa; „David war rötlich“ (erstes Buch Samuel 16,12 – nicht blond). Gott antwortet mit verstehbarer Stimme (Buch Exodus 19,19), nicht „im Donner“. Im Römerbrief 11,15 geht es um „Zurückweisung“ nicht um „Verwerfung“ der Juden.

Die Überarbeitung sei nach der Devise erfolgt: Nicht neu übersetzen, sondern moderat revidieren. Wie umfangreich der veränderte Textteil ist, lässt sich laut Theobald nicht genau beziffern.

Allerdings dürfte es kaum einen Absatz geben, der nicht betroffen ist. Dabei sei es darauf angekommen, weiterhin einen Mittelweg zwischen Lesbarkeit und Texttreue zu finden.  Das moderne Deutsch sei erhalten geblieben, als geeignete Sprache für Gottesdienst und Bildungsarbeit. Allerdings stärke die Revision die Texttreue und lasse damit ein Stück Fremdheit zurückkehren, das den Leser zu Fragen inspiriert. Dass es an einer Stelle „Brüder und Schwestern“ statt „Brüder“ heißt, sei jedoch kein Zugeständnis an die Gender-Ideologie. Vielmehr umfasse das griechische Wort „adelphoi“ Brüder und Schwestern gleichermaßen.

Spekulationen im Vorfeld, die Jungfrauengeburt könne womöglich relativiert werden, hätten sich nicht bewahrheitet. In der neuen Bibelübersetzung heißt es jedoch bei Jesaja 7,14 „Siehe, die Jungfrau hat empfangen“, wobei es bei Matthäus 1,23 sie „wird empfangen“ lautet.

Heute sei weithin anerkannt, dass Matthäus die Schrift von jüdisch-christlicher Perspektive aus interpretiert. Die Revision zeige auf, dass die hebräische Bibel unterschiedliche Leseweisen erlaubt. Schon ihre griechische Wiedergabe im antiken Judentum habe eine neue Deutung geboten.

Eine Gemeinsamkeit zur Lutherbibel, die ebenfalls neugefasst wird, sieht Theobald in der Überprüfung der Texttreue gegenüber dem Urtext. Allerdings halte sich die Revision der Lutherbibel verständlicherweise an den vertrauten und bekannten Duktus von Luther. In ihrer Unterschiedlichkeit seien beide Revisionen eine Bereicherung der Ökumene, mit je einem eigenen Standort.

Eine Liste wichtiger Veränderungen hat das Katholische Bibelwerk auf seiner Homepage veröffentlicht: www.bi belwerk.de. (kna)   

Weiterer Beitrag hierzu lesen Sie in: der pilger 40/2016, auf Seite 5

 

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