Redaktion der pilger

Donnerstag, 06. Oktober 2016

Kaum ein gemeinsamer Nenner

Streitgespräch zwischen dem AfD-Vize Alexander Gauland (links) und dem Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg. In der Mitte Moderator Joachim Frank. Foto: KNA

Gauland (AfD) und Sternberg (ZdK) diskutierten übers Abendland

Flüchtlinge, Asyl, Islam und Identität – Zündstoff gab es genug beim ersten öffentlichen Streitgespräch zwischen Spitzenvertretern von AfD und dem Zentralkomitee der Katholiken in Deutschland.

Die Sicherheitskontrollen beim Einlass im Dresdner Haus der Kathedrale am Abend des 27. September machen bereits deutlich: Ein Streitgespräch zwischen dem AfD-Vize Alexander Gauland und dem Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, über die „Angst ums Abendland“ ist nicht ohne Brisanz. Verschärft wird die Situation noch durch zwei Sprengstoffanschläge am Abend zuvor vor einer Dresdner Moschee und einem Kongresszentrum.

Gauland und Sternberg kritisieren die Anschläge scharf, sprechen von „Abscheu“ und „Entsetzen“. Doch es ist so ziemlich der einzige gemeinsame Nenner, auf den sich beiden an diesem Abend verständigen können. Bei dem von der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen veranstalteten Streitgespräch treffen sich die Männer erstmals an einem Tisch zum öffentlichen Schlagabtausch. Dabei schien das Tischtuch schon zerschnitten, nachdem das höchste Laiengremium zum Katholikentag im Mai die – auch innerkirchlich umstrittene – Entscheidung fällte, keine Politiker der rechtspopulistischen Partei einzuladen.

In diese Zeit fiel auch ein Interview für die „Zeit“-Beilage „Christ & Welt“, in dem Sternberg und Gauland via Skype „virtuell“ aufeinander trafen. Der Chef des katholischen Laiengremiums warf damals der AfD vor, in vielen Punkten unchristlich zu sein. Gauland bestritt das, ebenso wie AfD-Chefin Frauke Petry zuletzt vor einigen Tagen im Interview. Der AfD-Vize ist nach eigenem Bekunden zwar Mitglied der evangelischen Kirche, doch sei sie ihm „höchst unsympathisch“.

In Dresden bei der Livebegegnung zeigte sich noch deutlicher, wie wenig die beiden Männer miteinander anfangen können. Beide haben unter den rund 200 Zuhörern Sympathisanten für ihre so unterschiedlichen Meinungen und Perspektiven. Da ist Gauland, der sagt: „Ich hätte kein Problem damit, Muslime auch in großem Umfang aufzunehmen, wenn sie auf die Scharia verzichten würden. Aber das wollen sie nicht.“ Er habe Angst, dass eine Million islamische Einwanderer, „der Beginn einer völligen Veränderung sein könnten“.

Sternberg entgegnet: „Dass alle die Scharia wollen, ist doch dummes Zeug!“ Man dürfe nicht alle islamischen Strömungen über einen Leisten schlagen. Außerdem seien beileibe nicht alle Flüchtlinge, die nach Deutschland kämen, religiös. Gauland kontert: „Ich möchte einfach nicht, dass der Kölner Dom irgendwann in eine Moschee umgewandelt wird, weil die Muslime Gotteshäuser suchen und es keine Christen mehr gibt.“

Der AfD-Vize betont: „Ich habe nichts gegen die Aufnahme von Flüchtlingen, aber ich habe etwas dagegen, wenn es unter dem totalen Kontrollverlust eines schwachen Staates und einer unfähigen Kanzlerin geschieht.“ Sternberg schüttelt den Kopf: „Wo bricht denn hier etwas zusammen, Herr Gauland?“ Natürlich funktioniere nicht alles und gebe es überall auch schwarze Schafe, aber: „Ich finde, dass es eigentlich erstaunlich gut läuft.“

Sternberg sagt, er sei stolz auf die große Hilfsbereitschaft vieler Bürger angesichts des Flüchtlingszustroms. Gauland erwidert, er zolle den Flüchtlingshelfern durchaus Anerkennung, „aber ich bin nicht besonders stolz darauf, da es eine Entwicklung ist, die ich für schädlich für Volk und Staat halte“". Der ZdK-Präsident indes ist der Ansicht, dass die AfD „einen Staatsnotstand herbeiredet“.

Auch ein permanentes verbales Zündeln hält Sternberg der rechtspopulistischen AfD vor. Überhaupt beobachte er in den vergangenen Monaten eine zunehmende Verrohung der Sprache, die ein Klima der Angst schüre. „Da beginnt ein Prozess, der in Deutschland schon mal zu schlimmsten Ergebnissen geführt hat“, warnt Sternberg. Und mit Blick auf die soeben verübten Sprengstoffanschläge in Dresden sagt er: „Solchen Taten geht eine Verrohung der Sprache voraus.“ Dem weiß Gauland nur entgegenzuhalten: „Karl Marx ist auch nicht an allen Verbrechen der Stalinisten schuld.“ (Karin Wollschläger)

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