Redaktion der pilger

Donnerstag, 06. Oktober 2016

Mit Jesus Christus Gott danken

Vagabundierende Frömmigkeit trifft nicht das, was Jesus will – Gedanken zum Lukas-Evangelium 17, 11–19 von Pfarrer i.R. Monsignore Ernst Roth

Jesus auf dem Weg nach Jerusalem. In einem Dorf begegnen ihm zehn Aussätzige. Sie bleiben in gesetzlicher Distanz zu ihm stehen, reden ihn mit seinem Namen und dem Ehretitel „Meister“ an und bitten um Heilung. Sie müssen schon von ihm und seiner Heilungskraft gehört haben. Aussatz, eine scheußliche Krankheit, damit verbunden Ausschluss aus der Dorfgemeinschaft, galt bei den Juden damals – ja bis ins Mittelalter auch bei uns – als „Strafe Gottes“ und war unheilbar. Jesus sieht die Aussätzigen an und schickt sie zu den Priestern. Mehr nicht. Erstaunlicherweise vertrauen sie Jesus, folgen seiner Weisung und werden auf ihrem Weg geheilt.

Was sie weiter tun, bleibt offen. Nur einer von ihnen, ein Mann aus Samaria, lobt Gott, kehrt zu Jesus zurück und dankt ihm. Die Jesus in den Mund gelegte rhetorische Frage „Wo sind sie die übrigen neun“ gilt nicht dem Samariter, sondern richtet sich an alle Israeliten. Hier kündigt sich schon die Verwerfung Jesu durch die Juden an. Ausgerechnet der Samariter, ein „Häretiker“, ein Vertreter einer „falschen“ Religion – von der Orthodoxie der Juden her gesehen – bekennt sich zu Jesus und erkennt in Jesus das Wirken und den Heilswillen Gottes. Und die „orthodoxen“ Juden, dargestellt in den Neun, verweigern Jesus die Anerkennung als dem von Gott gesandten Messias.

Der Glaube des „Fremden“ aus Samaria ist zugleich – aus der Sicht des Evangelisten – ein Hinweis auf die nachösterliche Kirche, auf den Missionserfolg der christlichen Verkünder und über Samaria hinaus auf die Aufnahme der christlichen Botschaft unter den Heiden. Die Frage „Wo sind die übrigen neun“ richtet sich auch an alle künftigen Hörer und Leser, die Leben und Wohltaten von Gott annehmen, aber den Lobpreis Gottes und den Dank verweigern.

„Ist denn keiner umgekehrt“, zu mir zurückgekommen, „um Gott zu ehren, außer diesem Fremden?“ Diese Frage klingt so, dass Jesus erwartet, dass die Geheilten zu ihm zurückkehren, um Gott zu ehren. Der geheilte Samariter hätte auch auf den Berg Garizim, dem Ort der Gottesverehrung seines Glaubens, gehen können, um Gott zu danken. Er geht zu Jesus zurück, weil er in der Heilungstat Jesu das Wirken Gottes erkennt und mit Jesus Gott danken will. Die Aussätzigen haben Jesus um Erbarmen gebeten; durch Jesus wurden sie geheilt; so ist Jesus auch der Ort der Danksagung. Im Heilsplan Gottes ist Jesus der Ort, an dem Gott sich offenbart, an dem Gott dem Menschen Heilung und Heil schenkt.

„Ist denn keiner umgekehrt, außer diesem Fremden?“ Dieses „Umkehren“ meint mehr als nur ein lokales Zurückgehen mit den Füßen; es meint zugleich einen tieferen, geistlichen Sachverhalt, eine innere Umkehr des Geheilten. In seinem Inneren geht er auf Jesus zu. Vom anfänglichen Vertrauen zu Jesus findet er durch die Heilung zu einem tieferen Glauben an Jesus. Er erkennt in Jesus Gottes Zukommen auf die Menschen, die Nähe und das Erbarmen Gottes. Er erahnt, dass das Wunder der körperlichen Heilung über sich hinausweist auf das allumfassende, endgültige Heil, das Gott uns in Jesus schenken will. Aus Wunderglaube wird Heilsglaube. Seine Umkehr ist Bekehrung. Zu den „Neun“ würde Jesus sagen: Euer Glaube hat euch geheilt. Zu ihm sagt Jesus: „Dein Glaube hat dich gerettet.“

Was Jesus hier deutlich macht, gilt gleichermaßen für uns heute. Jesus ist nach dem Plane Gottes der Ort, an dem wir Gott begegnen. Jesus ist der Ort, an dem wir die Liebe und Barmherzigkeit Gottes erfahren. Jesus ist der Ort, an dem wir das eschatologische Heil und das ewige Leben empfangen. Darum müssen wir zu Jesus zurückkommen und mit ihm Gott danken, Gott loben und Gott ehren. So ist es eben falsch zu meinen, man könne Gott genauso gut im Wald oder allein zu Hause verehren, wie im Gottesdienst. Im Gottesdienst sind wir Gott in besonderer Weise nahe, weil wir mit Jesus Christus zusammen Eucharistie – Danksagung – feiern, weil wir mit Jesus gemeinsam Gott loben und ehren.

„In keinem anderen ist das Heil zu finden. Denn es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen“ (Apostelgeschichte 4,12). Gott hat uns in seiner Liebe keine andere Kontaktstelle gegeben zwischen ihm, dem Allmächtigen, Unsichtbaren, und uns, den ohnmächtigen, glückshungrigen Menschen als ihn, den Menschensohn Jesus Christus, den Gekreuzigten und Auferstandenen. Er ist die Tür zum Vater. Darum ist es nicht Zufall, sondern korrekt, dass in der Liturgie unserer Kirche fast jedes Gebet an Gott mit dem Zusatz schließt: „Durch Christus, unseren Herrn.“ Das Hochgebet in jeder Eucharistiefeier, in der Leben, Tod und Auferstehung Jesu gegenwärtig wird, schließen wir mit der feierlichen Formel, die auch gut und treffend ist für unser Beten im Alltag gelten: „Durch ihn, mit ihm und in ihm ist dir, Gott, allmächtiger Vater, in der Einheit des Heiligen Geistes alle Herrlichkeit und Ehre jetzt und in Ewigkeit. Amen.“

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