Redaktion der pilger

Donnerstag, 27. Oktober 2016

Nardini-Preis geht nach Grünstadt

Bereiten die Waffeln für den Begegnungsnachmittag vor: Die Mitglieder des Caritasausschusses mit (von links) Dr. Hiltrud Skobel, Dr. Magdalena Grönig, Maria Bickel, ranz-Josef-Keßler, Hannelore Raudszus, Albert Hochdörfer, Ilona Fischer-Kapp. Nicht auf dem Bild: Maria Frank, Gudrun Fischer und Achim Stein. Am 12. November wird die Gruppe ausgezeichnet. Foto: Christine Kraus

Caritasverband zeichnet Engagement für osteuropäische Haushaltshilfen aus

Der Nardini-Preis 2016 geht an den Caritasausschuss der Pfarrei Heilige Elisabeth in Grünstadt. Das gab der Caritasverband für die Diözese Speyer anlässlich des Jahrestags der Seligsprechung Paul Josef Nardinis am 22. Oktober bekannt. Der Caritasausschuss in Grünstadt erhält den Preis für sein Engagement für osteuropäische Haushaltshilfen. Der Kreis lädt Frauen aus Osteuropa, die sich hier als Haushaltshilfen um alte Menschen kümmern, zu Begegnungsnachmittagen ein, als Dankeschön für die wertvolle Arbeit, die sie hier leisten. Dafür wird er im Rahmen des Caritas-Tags am 12. November in St. Ingbert mit dem mit 1000 Euro dotierten Nardini-Preis des Caritasverbandes Speyer geehrt.

Die Idee zu den Begegnungsnachmittagen kam 2014 in der Pfarreiengemeinschaft Grünstadt auf. Anlass war das damalige Jahresmotto der Caritas Deutschland: „Weit weg ist näher, als du denkst“. „Natürlich dachten wir dabei zuerst an die Not in den Entwicklungsländern“, erzählt Magdalena Grönig, die Vorsitzende des Caritasausschusses. „Aber plötzlich war da auch der Gedanke, dass die Not von anderswo manchmal direkt vor unsere Haustür gelangt, in Gestalt von Menschen, die Schutz oder Arbeit bei uns suchen“.

Wie überall in Deutschland arbeiten auch in Grünstadt und den umliegenden Orten Frauen aus Osteuropa als Haushaltshilfen bei pflegebedürftigen Menschen. Diese Frauen kommen meist aus finanzieller Not, weil sie zu Hause keinen Arbeitsplatz finden und nicht genug Geld für ihre Familie verdienen. Sie haben den Mut, nach Deutschland zu kommen, in ein fremdes Land, dessen Sprache sie kaum sprechen. Sie verlassen ihre eigenen Familien und kümmern sich hier um fremde Menschen, damit es ihren Familien zu Hause besser geht. „Diese Osteuropäerinnen sind unheimlich wertvolle Menschen“, sagt Magdalena Grönig. Doch aus Beobachtungen und Gesprächen habe man erfahren, dass die Frauen oft sehr einsam seien, kaum Deutsch sprächen und in ihrer spärlich bemessenen Freizeit keine Gelegenheit hätten, Frauen in ähnlichen Situationen kennenzulernen.

Daher organisierte der Caritasausschuss letztes Jahr den ersten Begegnungsnachmittag. Das Konzept: Gegenseitiges Kennenlernen und Erfahrungsaustausch bei Kaffee und frisch gebackenen Waffeln. Damals seien drei Frauen aus Polen und vier Rumäninnen gekommen. Es sei sehr schön gewesen, zu sehen, wie die anfangs schüchternen Frauen schon nach ganz kurzer Zeit mit den anderen Frauen ins Gespräch gekommen seien, Telefonnummern ausgetauscht hätten und sich sehr gefreut hätten, Kolleginnen kennenzulernen und wieder einmal ihre Muttersprache sprechen zu können. Anfang November steht nun der dritte Begegnungsnachmittag an.

Noch finden die Nachmittage in loser Reihenfolge statt, doch das Ziel ist es, die Veranstaltungen regelmäßig anzubieten. „Das ist ja kein großer Aufwand für uns Helfer“, sagt Grönig. Zunächst gehe es aber darum, die Begegnungsnachmittage auch bekannt zu machen. Der Caritasausschuss hat Einladungskarten geschrieben, auch auf Polnisch, Rumänisch und Russisch. Diese verteilen sie gezielt an die Haushaltshilfen. Kleine Plakate hängen sie in den Kirchenschaukästen, in Arztpraxen, Apotheken und an anderen Stellen in den Orten aus.

„Uns ist es ganz wichtig, dass die Osteuropäerinnen und auch die Familien, in denen sie arbeiten, wissen, dass wir sie nicht ausfragen“, betont Grönig. „Wir fragen nach dem Dorf, in dem sie  arbeiten, nicht nach der Familie.“ Die Begegnungsnachmittage finden samstags in der Zeit von 14 bis 16 Uhr statt. Die Familien sollen wissen, dass es nur eine begrenzte Zeit ist. Den Haushaltshilfen wird auch ein Fahrdienst angeboten. Die Freude, die sie den Osteuropäerinnen bereiten, sehen die Caritasausschuss-Mitglieder direkt. „Schon wenn ich eine Einladungskarte überreiche, sehe ich, wie die Frauen strahlen“, sagt Grönig. Wie die Idee bei den Familien ankommt, darüber habe sie noch keine Rückmeldung erhalten.

Als sie gehört habe, dass der Caritasausschuss für den Nardini-Preis vorgeschlagen wurde, war Grönig erst ganz irritiert. „Mein erster Gedanke war: Was? Für diese Kleinigkeit? Es läuft doch erst an“, sagt sie. Andererseits sei das Projekt ein gutes Beispiel dafür, wie man mit ganz wenig Arbeitsaufwand etwas Schönes erreichen kann. Es sei erfahrungsgemäß schwer, Ehrenamtliche für die regelmäßige Umsetzung arbeitsaufwändiger Projekte zu gewinnen. Ein solcher Begegnungsnachmittag sei aber sehr einfach zu organisieren. Im Idealfall wird daraus ein Selbstläufer. Die Osteuropäerinnen bekommen einen Raum, in dem sie sich regelmäßig zum Erfahrungsaustausch treffen, die Caritasausschussmitglieder kümmern sich um Kaffee und Waffeln. „Dann reicht es auch, wenn nur zwei oder drei von uns da sind“,  sagt Grönig. Sie und ihre Mitstreiterinnen würden sich freuen, wenn nun auch Gruppen in anderen Orten ihrem Beispiel folgen würden.

Der Nardini-Preis

Der Caritasverband für die Diözese Speyer hat 2010 den Nardini Preis zum ersten Mal vergeben. Der Preis würdigt das Engagement ehrenamtlich tätiger Gruppen, die in ihrer Pfarrgemeinde oder in Zusammenarbeit mit kirchlich-caritativen Einrichtungen neue Wege gehen, um Menschen in Not zu helfen. „Das Lebenswerk und Glaubenszeugnis des seligen Paul Josef Nardini sind auch für Christen von heute Vorbild und Ansporn“, erklärt der Caritas-Vorsitzende Karl-Ludwig Hundemer. Ehrenamtlich tätige Gruppen sollen ermutigt werden, sich in der Caritasarbeit der Diözese Speyer zu engagieren und dafür neue Impulse erhalten. Die Verleihung erfolgt beim jährlich stattfindenden Caritas-Tag der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Fest der heiligen Elisabeth. Vorgeschlagen werden können ehrenamtlich tätige Gruppen. (Christine Kraus)

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