Redaktion der pilger

Donnerstag, 10. November 2016

Dank für beeindruckendes Engagement

Die menschenwürdige Aufnahme von Flüchtlingen ist der erste Schritt, dann müssen Maßnahmen zur Integration folgen. Die „Sprache Fußball“ kennt jeder und kann helfen, Brücken zu schlagen. Foto: actionpress

Ein Jahr Flüchtlingshilfsaktion „Teile und helfe“ im Bistum Speyer

Vor einem Jahr haben das Bistum Speyer und sein Caritasverband die Hilfsaktion „Teile und helfe“ ins Leben gerufen. Ziele sind unter anderem, weitere Unterstützung für Flüchtlinge anzuregen, die Vernetzung der Aktiven zu fördern und fachliche Impulse zu geben. Für die Koordination wurde die „Task Force Flüchtlingshilfe“ gebildet, bestehend aus Mitarbeitern des Caritasverbandes, des Bistums und des Malteser Hilfsdienstes; die Leitung hat der Vorsitzende des Diözesan-Caritasverbandes, Domkapitular Karl-Ludwig Hundemer.
 
Als im Sommer und Herbst des Jahres 2015 täglich mehrere tausend Flüchtlinge vor allem aus Syrien, dem Irak und aus Afghanistan über die Balkanroute nach Deutschland kamen, um hier vor Krieg und Terror Schutz zu suchen, verstärkten die Kirchen deutlich ihre Hilfen für Flüchtlinge – auch im Bistum Speyer. In Kommunen des rheinland-pfälzischen Teils des Bistums wurden rund 8600 Flüchtlinge aufgenommen, in saarländischen Kommunen 1050 Flüchtlinge, wie eine Berechnung auf der Homepage der Initiative „Teile und helfe“ ausweist.

Daten der Hilfe

September 2015
Bistum und Caritasverband bilden eine gemeinsame „Task Force Flüchtlingshilfe“.
Oktober 2015
Start der Diözesanen Hilfsaktion „Teile und helfe“ und Freischaltung der Internetseite zur Hilfsaktion. Bereits 2014 hatte Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann einen Hilfsfonds für Flüchtlinge eingerichtet. Als sich 2015 die Lage für Flüchtlinge dramatisch zuspitzte, hat das Bistum zusätzlich 1,5 Millionen Euro in den Fonds gegeben. Auch der Caritasverband für die Diözese Speyer hat den Fonds aus Spenden aufgestockt, so dass schließlich insgesamt rund zwei Millionen Euro für die diözesane Hilfsaktion „Teile und helfe“ zur Verfügung standen. Daraus finanziert wurden bzw. werden Einzelfallhilfen, zum Beispiel für Familienzusammenführungen, Rechtsanwaltskosten, Sprachkurse und Kurse zur Qualifizierung Ehrenamtlicher. Außerdem gingen 125 000 Euro an Caritas international zur Unterstützung der Flüchtlingsarbeit im Libanon.
November 2015
Der Caritasverband für die Diözese Speyer richtet 15 neue Stellen in der Beratungsarbeit und Ehrenamtskoordination ein, überwiegend  mit Mitteln aus dem bischöflichen Hilfsfonds sowie teilweise mit Fördermitteln des Deutschen Caritasverbandes oder mit Bundes- und Landesfördermitteln.
Dezember 2015
Das Bistum Speyer veröffentlicht eine Arbeitshilfe für gottesdienstliche und weitere Feiern mit Menschen unterschiedlicher Sprachen und Kulturen (mit Blick auf Weihnachten).
Januar 2016
Das Bistum stellt der Stadt Speyer eine Immobilie in der Speyerer Engelsgasse für Nutzung als Flüchtlingsunterkunft zur Verfügung; inzwischen hat die Stadt mit ersten Bauarbeiten an dem Gebäude begonnen. Domkapitel und Bischof stellen im Speyerer Vikarienhof in Nachbarschaft zum Bischofshaus eine Wohnung für eine Flüchtlingsfamilie bereit.
April 2016
Das Bistum Speyer richtet ein und besetzt die Stelle zur Betreuung der Immobilien der verschiedenen kirchlichen Rechtsträger, die für Flüchtlinge zur Verfügung gestellt werden.
Juni 2016
Der Missio-Truck mit multimedialer Ausstellung „Menschen auf der Flucht“ tourt durch das Bistum, Podiumsdiskussion mit der rheinland-pfälzischen Integrationsministerin im Historischen Museum in Speyer.
Juli 2016
Das Bistum veröffentlicht Handreichung für Umgang mit Taufwunsch von Geflüchteten.
September 2016
Bistum, Caritasverband und Heinrich Pesch Haus veranstalten im Rahmen der Interkulturellen Woche ein Fachforum Flüchtlingshilfe, anschließend multireligiöse Gebetsfeier zum Tag des Flüchtlings in Ludwigshafen. Im Rahmen der Interkulturellen Woche wurde der Film „Willkommen in Deutschland“ an den Standorten der Caritas-Zentren Neustadt, Primasens und Kaiserslautern vom Fachdienst Gemeindecaritas vorgeführt, gefolgt von Diskussionsrunden mit Ehrenamtlichen.

Wichtige Fakten

• Rund 2000 Frauen, Männer und Jugendliche engagieren sich in der Flüchtlingshilfe vor Ort.
• Der Flüchtlingshilfefonds mit rund zwei Millionen Euro ist wichtige finanzielle Grundlage der Flüchtlingsarbeit im Bistum Speyer.
• 46 hauptamtliche MitarbeiterInnen arbeiten in den Caritas-Zentren (es gibt keine Caritassekretariate mehr) und zugehörigen Außenstellen in der Flüchtlingshilfe, davon 20 neue Stellen in der Flüchtlingshilfe des Verbandes. Das sind die 15 Stellen, von denen im November 2015 berichtet wurde, plus noch einmal fünf, die danach noch eingerichtet wurden. Das sind zunächst auf zwei Jahre befristete Stellen.
• Es gab bisher rund 60 Sprachkurse vom Caritasverband für rund 700 Flüchtlinge, deren Finanzierung aus dem Hilfsfonds erfolgt. Der Bedarf an Sprachkursen ist weiterhin hoch, da erst anerkannte Flüchtlinge einen Anspruch auf einen Sprachkurs haben, die Menschen aber die Zeit bis zur Anerkennung eines Status nutzen wollen.
• Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge als ein Schwerpunkt der Arbeit. In den Jugendhilfeeinrichtungen in katholischer Trägerschaft im Bistum Speyer werden 80 unbegleitete minderjährige Ausländer stationär betreut. In Einrichtungen des Caritasverbandes für die Diözese Speyer (im Caritas-Förderzentrum St. Christophorus in Kaiserslautern und im Caritas-Förderzentrum St. Rafael in Altleiningen) sind es 26 Personen.
• 20 zusätzliche Stellen im Bundesfreiwilligendienst: Der Caritasverband hat eine Referentin eingestellt, eigens zur Vermittlung von Flüchtlingen in den Bundesfreiwilligendienst. Diese Stelle wird finanziert durch die Erlöse der Caritas-Kollekte 2015. Derzeit sind sieben dieser Stellen besetzt, die Finanzierung  von Fahrtkosten, Sprachkursen und die sogenannte Bildungspauschale (Geld für das flankierende Fortbildungsprogramm) erfolgt ebenfalls aus den Kollektenmitteln. Die sieben Stellen sind alle in Einrichtungen des Caritasverbandes angesiedelt.
• Betreuung der Flüchtlingsunterkünfte Frankenthal, Homburg und Kaiserslautern durch den Malteser Hilfsdienst.
• Bereitstellung von rund 50 kirchlichen Immobilien für rund 380 Personen;  vor allem handelt es sich um ehemalige Pfarrhäuser.
• Rund 300 Flüchtlingskinder in katholischen Kindertagesstätten.
• Rund 50 Flüchtlingskinder in katholischen Schulen. (red)

Hinweis: Vielfältige Informationen, Hintergründe, Anregungen und Hinweise auf Möglichkeiten des Engagements bietet die Hompage www.teile-und-helfe.de

„Integration braucht das Ehrenamt“

Der Vorsitzende des Caritasverbandes für die Diözese Speyer, Domkapitular Karl-Ludwig Hundemer, zieht nach diesem ersten Jahr der Hilfsaktion „Teile und helfe“ eine positive Bilanz: „Es ist in diesem Jahr beides gelungen: Wir konnten unsere hauptamtlichen Strukturen ausbauen. Aber ohne das ehrenamtliche Engagement so vieler freiwilliger Helfer  kann Integration nicht gelingen.“ Hundemer dankt ausdrücklich auch den vielen ehrenamtlichen Helfern, die durch Familienpatenschaften und Sprachpatenschaften geflüchteten Menschen bei ihrem Start in Deutschland helfen. „Unsere Schulungen für Ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit sind so stark nachgefragt, dass wir immer mehr Anmeldungen als Plätze haben und auch hier immer noch das Angebot ausbauen.“
Auch in der Pfarreien seien sehr viele Menschen ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe tätig. „Es haben sich in vielen Pfarreien ,Runde Tische Asyl‘ gegründet, es gibt Kleiderkammern und Patenschaften für die Familien, die in den kirchlichen Immobilien wohnen, ehrenamtlich organisierte Sprachkurse, Begegnungscafés und vieles mehr.  All die ehrenamtlich engagierten Menschen machen Integration möglich und zeigen, dass es jenseits von Pegida und vielen Pessimisten einfach Menschen gibt, die anpacken und das Nötige tun“, so Hundemer. (is)

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